Stratmanns Theater in Essen lässt mit „Strammen Jungs“ die Puppen tanzen

„Stramme Jungs“ lassen im Stratmanns die Puppen tanzen.
„Stramme Jungs“ lassen im Stratmanns die Puppen tanzen.
Foto: Fremdbild
Wenn aus „wilden Stieren“ flotte Bienen werden: Das neue Stück „Stramme Jungs“ im Stramanns Theater in Essen funktioniert mit nackter Haut, flotten Sprüchen und Mut zur Travestie. Dabei macht die liebenswerte Tapsigkeit des Ensembles einen Großteil der Komik aus.

Essen.. Im Kino sind Fortsetzungen ein bewährtes Rezept: Das Publikum freut sich über bekannte Gesichter und Insidergags, die Originalität des ersten Teils geht dafür flöten. Bei „Stramme Jungs“ kocht jetzt das Theater Stratmanns in Essen nach demselben Rezept: Das Stück weist nämlich unverkennbare Ähnlichkeiten zum Vorgänger „Mädelsabend“ auf – anstatt zu strippen, wirft sich die Kumpel-Clique nun in Frauenfummel. Das allerdings mit so viel Elan und Spielfreude, dass sich das Publikum allzu gerne mitreißen lässt.

Wir erinnern uns: In Teil Eins plante die Clique um Gregor, eine Hundekeks-Bäckerei eröffnen, nachdem die Männer in die Arbeitslosigkeit geraten waren. Den Etat dafür wollten sie sich – inspiriert von den Chippendales – durch eine Stripshow beschaffen. Nur, dass sie im Gegensatz zu den gebräunten Muskelpaketen völlige Normalos sind, die einen Sixpack lieber trinken, anstatt ihn sich anzutrainieren.

Handlung der Stripperkomödie im Arbeitermilieu

Nun ist die Bäckerei Realität, doch es bahnt sich neuer Ärger an, in Gestalt von Ricky, dem Bruder von Gregors Kumpel Kalle. Nicht nur, dass Ricky mittlerweile eher aussieht wie seine Schwester, denn das einstige Problemkind hat sich inzwischen einer Travestieshow-Truppe angeschlossen. Zu allem Überfluss ist diese Gruppe verunglückt – dabei soll in ein paar Tagen eine neue Show anstehen. Ricky bittet Kalle und seine Freunden darum, einzuspringen. Nach einigem Zögern willigen die einstigen „Wilden Stiere“ ein, sich in flotte Bienen zu verwandeln.

Ursprünglich gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen „Mädelsabend“, das auf dem britischen Film „Ganz oder gar nicht“ basiert, und Roderick Belforts „Stramme Jungs“ – außer, dass der Autor ziemlich frech die Handlung der Stripperkomödie im Arbeitermilieu kopiert hat. So ist es schon wieder konsequent, dass Regisseur Ralf Borgartz im Stratmanns das Quasi-Plagiat zu einer Fortsetzung der munteren Auszieh-Klamotte umstrickt. Und er tut es mit viel Sinn für Wortspiele, zuweilen recht deftigem Humor und Kalauern.

Machos in Stöckelschuhen

Wer schon bei „Mädelsabend“ seinen Spaß daran hatte, Männern beim Scheu- und Kleiderablegen zuzusehen, amüsiert sich auch bestens, wenn die Machos sich in mit Stöckelschuh tanzende Grazien verwandeln. Wobei Angelo E. Micaela weniger an Helene Fischer als an Cindy aus Marzahn erinnert, wenn er „Atemlos“ interpretiert.

An echte Travestiekunst kommt vor allem Frank Rafael Bosse heran, der die Frauenfummel ganz selbstverständlich trägt. Großartig! Die liebenswerte Tapsigkeit des übrigen Ensembles macht zudem einen Großteil der Komik aus. Und wie schon bei „Mädelsabend“ ist die „Show im Stück“ der absolute Höhepunkt der Bühnen-Sause – nicht zuletzt, weil Bogartz es versteht, die Truppe in einer grandiosen Choreographie zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

Die nächsten Auftritte der „Strammen Jungs“ kann man sich schon mal notieren. Zu sehen ist die Komödie wieder am 17., 26., 27. und 31. Dezember, jeweils um 20 Uhr im Stratmanns Theater im Europahaus. Karten: 0201-8204060.

 
 

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