Sopran Diana Damrau reist mit dem Opern-Baby um die Welt

Koloratur-Sopran Diana Damrau. Foto: Virgin
Koloratur-Sopran Diana Damrau. Foto: Virgin
Foto: Vrigin
Diana Damrau gilt als bester deutscher Koloratur-Sopran. Ihr Sohn (1) begleitet sie fast immer. Jetzt singt sie in Essen. Für das WAZ-Interview war sie nur in New York zu erreichen - während einer Aufführungsserie an der Met.

Essen.. Diana Damrau wurde in der bayrischen Provinz in Günzburg geboren. Sie studierte Gesang in Würzburg. Am dortigen Theater begann sie ihre Profilaufbahn, die sie rasch über Frankfurt und Mannheim an die großen Opernhäuser der Welt führte. Heute darf man die 40-jährige Sopranistin getrost zu den bekanntesten deutschen Stars ihrer Zunft zählen. Am nächsten Sonntag singt Diana Damrau erstmals in der Philharmonie. Für das WAZ-Interview war sie nur in New York zu erreichen - während einer Aufführungsserie von Donizettis „Liebestrank“ an der Met.

Neun Uhr morgens ist für Sänger eine eher unbequeme Zeit . . .

Diana Damrau: Nicht, wenn sie einen einjährigen Sohn haben, das passt schon. (Es klingelt) Sorry, jetzt ruft mein Vater an, lassen Sie mich eben sagen, dass ich gleich zurückrufe.

Wie bringt man bei einer internationalen Karriere Familie und Beruf zusammen?

Es hat sich nicht so wahnsinnig viel verändert. Ich habe Zeit für meinen Sohn, habe ihn von Anfang an gestillt und ich habe ihn fast immer bei mir. Wir waren jetzt für die „Liebestrank“-Serie zweieinhalb Monate in New York. Er liebt Musik, lacht gerne, ist also das perfekte Opern-Baby.

Verändert sich mit der Schwangerschaft auch die Stimme?

Ja, schon. Die Mittellage ist etwas breiter geworden. Und die ganz feinen Wahnsinns- Koloraturen wie die Sezierarbeit in Mozarts Königin der Nacht singe ich ich nicht mehr.

Doch die Koloraturpartien sind Ihre Domäne. Sie singen die Partien der Gruberova oder der legendären Joan Sutherland. In Essen treten sie zwei Wochen nach der Gruberova auf. Viele sehen Sie als deren Nachfolgerin...

Meinen Sie? Ja, Edita Gruberova ist eine wunderbare Sängerin. Es ist enorm, was sie mit ihrer Stimme macht. Für mich ist es toll, so weit zu kommen, dass man solche Anerkennung erfährt. Ich versuche das auch als Ansporn zu nehmen, immer besser zu werden.

Kürzlich machten Sie erstmals mit Donizettis „Linda di Chamounix“ in Barcelona Furore. Singen Sie die auch woanders? Und welche neuen Partien folgen?

Ja, Linda war ein tolles Erlebnis, auch eine große Wahnsinnsszene. Ich würde die gerne wieder singen, sie steht aber demnächst nicht an. Dafür gibt es aber bald meine erste Traviata.

...an der Met...

Ja. Ich freue mich riesig.

Sie haben als Anfängerin die Ochsentour am Würzburger Stadttheater erlebt, an den Repertoirehäusern Frankfurt und vor allem Mannheim geschuftet. Härtet das ab oder ist das wie Fließbandarbeit?

Ganz im Gegenteil. Würzburg - und später Mannheim - war wie ein Schlaraffenland. Ich wollte singen, auf die Bühne, lernen, vieles machen. Ich hatte kleine und große Partien, in einer Saison Königin der Nacht - meine erste - und Eliza in „My fair Lady“, viel Operette. Das gehört zum Schwierigsten überhaupt. Für die Hauptpartien musst du singen wie in der Oper, dazu tanzen, sprechen, spielen...

Das stählt für eine Karriere?

Die kommt nicht von jetzt auf gleich. Zunächst kommen ja Einladungen zu Wiederaufnahmen an großen Häusern, man springt ein. Aber ein Debüt an der Met mit Strauss’ Zerbinetta, das hilft sicherlich.

Wie gehen Sie mit Mätzchen mancher Regisseure um? In Ihrer Position kann man sicher auch aus einer Produktion aussteigen?

Es kommt aus den Moment an. Man kommt nicht immer raus. Als junger Sänger schon gar nicht. Dafür ist der Markt zu groß, dann bist du vielleicht selbst draußen. Manchmal hilft auch der große Name nicht. In München gab es ja den berüchtigten Rigoletto als „Planet der Affen“ von Doris Dorrie. Nichts gegen die Dörrie, aber ich war froh, als das vorbei war.

Neben der Oper ist der Liedgesang ihr zweites Standbein, zu hören jetzt in Essen. Welche Liebe ist größer?

Ich liebe beides. Die Verbindung zwischen Sprache und Musik ist im Lied viel enger, das Wort macht da die Musik. Im Lied, speziell auch wie in Essen mit der Harfe, musst du alles parat haben. Viel mehr Farben, ein zartes Piano. Es ist eben alles feiner, filigraner.

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