Sie singt lieber Wagner als Rossini

Opernsängerin Anja Schlosser im Foyer des Aalto Theaters Freitag der 02.03.2012 Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
Opernsängerin Anja Schlosser im Foyer des Aalto Theaters Freitag der 02.03.2012 Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
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Die Mezzosopranistin Anja Schlosser schmiss ihr ersten Festengagement an Zürichs renommiertem Opernhaus und singt seitdem frei - zurzeit in Essens Aalto-Theater - in Tschaikowskys „Eugen Onegin“ und Wagners „Die Walküre“.

Essen.. Wer als junge Sängerin das erste Festengagement beendet, muss gute Gründe haben. Vor allem wenn es sich dabei nicht um ein Provinztheater handelt, sondern um das Opernhaus Zürich, eines der führenden Häuser weltweit.

Anja Schlosser hat diesen Schritt gewagt. Die Mezzosopranistin aus dem Chiemgau, die derzeit als Olga in der Neuinszenierung von Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ auf der Bühne des Aalto-Theaters zu erleben ist, verzichtete nach drei Jahren auf die Sicherheit und reist nun als freiberufliche Sängerin durch die Lande. Dass sie in Essen gleich mit zwei Partien Station macht (ab 24. März ist sie als Roßweiße in Wagners „Walküre“ zu hören) verdankt sie einer Schwangerschaftsvertretung. Manchmal hilft auch der Zufall - oder eine gute Agentur. Frei sein bedeutet in ihrem Fall, dass man „nicht mehr in Partien reingeworfen wird, die einem nicht liegen“. Und wenn die sogenannten großen Häuser die ohnehin eher raren Mezzopartien lieber mit einem internationalen Star besetzen, muss der Nachwuchs warten, bis sie vielleicht einspringen kann, wenn . . .

Dass nicht nur Anja Schlosser vom Essener Haus und der dichten Kulturszene der Region begeistert ist, sondern auch die Essener sie mögen, zeigte die fabelhafte Resonanz, die sie bei Publikum und Kritikern gleichermaßen nach der Onegin-Premiere am vergangenen Samstag erhielt. „Ein wunderbares Haus, ein tolles Team“, freut sich die Bayerin, die am Salzburger Mozarteum studierte und noch während des Studiums bei den Salzburger Festspielen in Mozarts Jugendoper „Apollo et Hyacinthus“ debütierte.

Im Sommer in Salzburg

Die Salzburger Festival-Verbindung hält: Im Sommer ist Anja Schlosser dort als zweite der drei Damen in Mozarts „Zauberflöte“ zu hören. Und die Olga? Die hatte sie schon in Zürich gesungen. „Aber in Essen ist es eine Neuproduktion, das ist eine viel intensivere Arbeit, als bei der Wiederaufnahme einer Oper.“

Wo Anja Schlosser ihr eigenes künftiges Repertoire sieht, formuliert sie so: Ich bin eher eine Sänger-Darstellerin als eine Rossini-Primadonna. Die Hauptpartie in Rossinis „Barbier“ hat sie schon abgesagt. „Das ist nichts für mich.“ Die Romantik, Wagner, aber auch Carmen: Das ist die Welt, die Anja Schlosser sich vorstellen kann. Und den Liedgesang, das Oratorium. Das war schließlich ein Schwerpunkt in ihrer Ausbildung. Die erhielt sie teilweise bei Wolfgang Holzmair, einst Bariton an der Gelsenkirchener Oper, der auch am Aalto einen wunderbaren Pelleas gesungen hat.

Nächste Aufführungen von Eugen Onegin am Aalto-Tehater: 4., 10,. 15., 21 & 25. März. Karten: www.theater-essen.de

 
 

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