Schmiede-Nachbildung auf Zeche Zollverein in Essen

Julia Witte
Dank Thomas Rother hat die Zeche Zollverein endlich wieder eine Schmiede.
Dank Thomas Rother hat die Zeche Zollverein endlich wieder eine Schmiede.
Foto: WAZ Fotopool
Mit der Restaurierung von 1992 ist nicht mehr viel übrig geblieben von der Zeche Zollverein. Damit die Geschichte des ehemaligen Bergwerks nicht abhanden geht, richtet Künstler Thomas Rother eine Schmiede unter freiem Himmel ein. Die ersten Vorführungen finden am Abend der Extraschicht statt.

Essen. Streng genommen hätte sich die Zeche Zollverein in den letzten Jahren gar nicht als Bergwerk bezeichnen dürfen, denn: „Ein Bergwerk ohne Schmiede ist kein richtiges Bergwerk“, gibt Thomas Rother zu Verstehen. Niemand kann das so felsenfest behaupten wie er, denn der 76-Jährige arbeitet und wohnt gemeinsam mit seiner Frau Christa im Maschinenhaus auf Schacht 1.2.8., der ehemaligen Energiezentrale an der Bullmannaue 22. Tag für Tag ist das Ehepaar der Zeche so nah, wie es wohl einst nur die Kumpel waren.

Wenn also jemand sowohl aus Erfahrung als auch aus dem Herzen sprechen kann, dann Thomas Rother. Der Künstler hat nicht nur seinen Lebensmittelpunkt auf Zollverein gefunden, sondern setzt sich auch aktiv dafür ein, dass das Thema Kohle nicht in Vergessenheit gerät und die Geschichten rund um Kumpel Anton und um die Schutzpatronin der Bergleute, die Heilige Barbara, weiter aufrecht erhalten bleiben.

Damals Schmiede, heute Ausstellungshalle

Genügend Gründe, der Zeche Zollverein endlich wieder eine Schmiede zu geben und genau einen solchen Ort nachzubauen, an dem die für den Bergbau-notwendigen Arbeitsmaterialien wie Schlägel und Eisen hergestellt wurden. Seit der Restaurierung im Jahr 1992 ist von der ursprünglichen Schmiede nämlich nichts mehr übrig geblieben; die Räumlichkeiten fungieren heute als Ausstellungs-, Messe- und Kongresshalle; die gesamten Materialien wurden nach der Stilllegung verschrottet.

Und so sammelte Thomas Rother in mühevoller Kleinarbeit die typischen Werkstoffe wie zum Beispiel Ambosse, Schraubenschlüssel und den Herd des Metallarbeiters, die Esse, zusammen und richtete mit Unterstützung des Ruhrmuseums und der Essener Arbeits-Beschäftigungsgesellschaft (EABG) auf seinem Privatgelände eine funktionstüchtige Schmiede unter freiem Himmel ein.

Kein Sonnenlicht für die Zeche

So ganz original ist sie natürlich nicht, alleine schon deshalb, weil in eine Schmiede für gewöhnlich kein Sonnenlicht einfallen darf. „Der Schmied muss im Dunklen die Glut und die Flammen des Stahls prüfen“, erklärt Rother. Das dürfte für die Besucher der morgigen Extraschicht aber eher zweitrangig sein - dann finden hier in der Zeit von 18 bis 24 Uhr erstmals öffentliche Schmiedevorführungen statt und zwar in Zusammenarbeit mit zwei Menschen, die dieses uralte Handwerk professionell beherrschen: Christian Kaufmann und Thomas Mantowski, Sohn von Eitel Mantowski, der über viele Jahre die Eisen im Halbachhammer ins Feuer warf.

Im Rahmen der Extraschicht gewährt Rother den Besuchern zudem einen Blick in sein angrenzendes „Café Kohle“, das er liebevoll renovierte und mit vielen antiquarischen Dekorationsstücken einrichtete. Um die Bewirtung wird sich an diesem Abend das Team der EABG kümmern.