Kleines Budget, große Geschichte

Prösterchen! Szene aus Philipp Peißens Kurzfilm „Venedig nur mit dir“. Jan Philip Keller spielt Lutz, den Sohn, der im Schatten seines erfolgreichen Vaters steht.
Prösterchen! Szene aus Philipp Peißens Kurzfilm „Venedig nur mit dir“. Jan Philip Keller spielt Lutz, den Sohn, der im Schatten seines erfolgreichen Vaters steht.
Foto: waz
So viel Essen war selten in einem Kurzfilm: Philipp Peißen hat für sein erstes Projekt ganz viel Unterstützung aus der Heimat bekommen. Sonntag ist Premiere für „Venedig nur mit dir“

Denken wir beim Filmemachen mal nicht an Hollywood, an Millionengagen und dicke Werbeetats. Denken wir an Summen, für die sich mancher nur ein chices Fahrrad kaufen. An Statisten, die am heißesten Tag des Jahres wie im vergangenen August, klag- und bezahlungslos in ihre feinen Anzüge schlüpften und vor der Kamera schwitzten. Denken wir an all die freiwilligen Helfer für Musik und Maske und den TV-bekannten Hauptdarsteller Vittorio Alfieri (Wilsberg), der fürs Filmprojekt frühzeitig aus dem Familienurlaub kam. Wenn Philipp Peißen über die Arbeit an „Venedig nur mit dir“ spricht, gerät er ins Schwärmen.

Am Wochenende wird dieses Film gewordene Gemeinschaftserlebnis mit 250 Gästen im Filmstudio gefeiert. Es wird viel Musik geben und ein bisschen Euphorie. Denn eines ist für Peißen schon klar: Der Film muss auf die Festivals, am liebsten die Oberhausener Kurzfilmtage oder nach Hof.

Peißen ist eigentlich schon seit vielen Jahren im Filmgeschäft. Als Kameramann einer Essener Firma, die vor allem Industriefilme produziert, hat er schon viele filmreife Locations entdeckt. Die Villa der Stiftung Olbricht in Kettwig beispielsweise, die ihm am Ende sogar als Drehort zur Verfügung stand. Auch den Umbau des Glückaufhauses hat er von Anfang an begleitet. Für den Essener Kameramann war deshalb klar: „Wenn mein erster Film irgendwann Premiere feiert, dann hier!“ Der Traum ist wahr geworden, wie viele andere auch.

Dabei ist Peißen eigentlich „nicht der Typ, der auf Happy Ends steht“. Deshalb hat ihm auch Winfried Thamms bitterzarte Familiengeschichte so gefallen. Der Essener Autor, von Hause aus Pädagoge, hat 2010 seinen ersten Erzählband herausgebracht. Bei einer Lesung in der Mayerschen Buchhandlung ist er Drehbuchautor Johannes Lingnau aufgefallen. Eine Weile später erreichte ihn eine Anfrage bei Facebook. Seither ist Thamm ein begeisterter Filmmitarbeiter.

Allein sein Kurzgeschichten-Titel ist verschwunden: „Nach dem Dessert“. Für Süßes hat Zeit und Etat doch nicht mehr gereicht.

 
 

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