Junge Kunst schafft Kontraste am Moltkeplatz

Stellten ihre Installation „Korridor“ vor: Künstler Guido Münch, Sebastian Freytag, Kurator Marcel Schumacher und Lars Breuer.
Stellten ihre Installation „Korridor“ vor: Künstler Guido Münch, Sebastian Freytag, Kurator Marcel Schumacher und Lars Breuer.
Foto: FUNKE Foto Services
Das Trio „Konsortium“ hat seine Installation „Korridor“ vorgestellt, die sich mit Architektur befasst – und am Moltkeplatz direkt ins Auge fällt.

Essen-Südviertel. Sie scheinen nicht recht ins Bild zu passen, die beiden drei Meter hohen Installationen, die seit knapp einer Woche auf der Skulpturenwiese am Moltkeplatz stehen. Markant und ganz in Schwarz-Weiß gehalten, erinnern sie zunächst an Baustellen- oder Plakatwände und grenzen sich deutlich von den hübschen Altbauten, der Baumallee und der grünen Wiese ab. „Wir wollten bewusst einen Kontrast zur Umgebung schaffen“, sagt Guido Münch, Künstler des Trios „Konsortium“, das mit seinem temporären Werk „Korridor“ in den nächsten elf Monaten wohl so manche Blicke auf sich ziehen dürfte.

Rund 150 Besucher kamen allein zur Vernissage, viele interessierte Nachbarn und Spaziergänger fragten schon während Aufbau nach dem Sinn und Zweck der Installation. „Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass die Menschen zunächst skeptisch sind. Lernen Sie das Werk besser kennen, sind sie sehr interessiert und setzen sich damit auseinander“, sagt Marcel Schumacher, Kurator für zeitgenössische Kunst am Museum Folkwang, der das Projekt „Junge Kunst“ des Vereins Kunst am Moltkeplatz maßgeblich mit betreut. Das bestätigt auch Künstler Lars Breuer: „Wenn sich drei Männer bei Sturm und Regen wochenlang an einer Skulptur abrackern, muss sie ja schon einen Grund haben.“

Architektur aus drei Epochen

Dabei zeigt „Korridor“ auf der einen Seite geometrische Formen, auf der anderen Seite drei überlagerte Grundrisse. Wer genauer hinschaut – oder nachfragt – erkennt die Pläne für die antike Akropolis in Athen, die Renaissance-Kapelle Tempietto des Architekten Bramante in Rom sowie den Atomreaktor von Tschernobyl. „Wir wollten uns von Anfang an mit Architektur befassen. Dabei haben wir bewusst übergeordnete Formen aus verschiedenen Epochen gewählt – von der Geburt der Demokratie bis hin zu Fluch und Segen der Moderne“, erläutert Künstler Sebastian Freytag. Die drei Männer, die sich an der Kunstakademie Düsseldorf kennenlernten, wollen bewusst die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum. „Zum Zeitpunkt seiner Anlegung war das Moltkeviertel mit seinem Platz ein revolutionäres Projekt und Ausdruck der Reformbewegung“, so Kurator Marcel Schumacher. Konsortium wolle Fragen aufwerfen, etwa die nach der Rolle der Kunst im Stadtraum.

Zu sehen ist „Korridor“ noch bis kommenden Herbst. Die Künstler sind unter anderem beim Skulpturenfest im kommenden Sommer dabei, planen darüber hinaus weitere Veranstaltungen, bei denen sie Fragen zu ihrer Installation beantworten.

 
 

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