Jo Ziegler schreibt über „Essens drastische Ecken“ im „Ruhrpott-Dschungel“

Der Essener Autor Jo Ziegler mit seinem Buch Ruhrpott-Dschungel.
Der Essener Autor Jo Ziegler mit seinem Buch Ruhrpott-Dschungel.
Foto: Essen
Jo Zieglers erster Ruhrpott-Krimi mit dem Titel "Ruhrpott-Dschungel" entstand an seltsamen Orten und liest sich auch unkonventionell.

Essen.. Müsste man Jo Zieglers Schreibkunst mit einem Wort beschreiben, träfe es „unkonventionell“ vermutlich am besten. 1949 geboren, wuchs der Autor und Künstler in den damals zerbombten Straßen Dortmunds mit rauem Ruhrpott-Deutsch auf. Nach Studien der Medizin, Zahnmedizin und Biologie und etwa 30 Jahren Tätigkeit als Arzt in Essen widmet er sich mittlerweile nur noch seinen Leidenschaften des Schreibens und der Kunst. Nach seiner 2008 erschienenen „Ruhrmagier“-Trilogie brachte er 2014 seinen ersten Ruhrpott-Krimi „Ruhrpott-Dschungel“ heraus.

Mit dem Pott-Dialekt kennt sich Jo Ziegler gut aus: „Ich kann hören, woher jemand kommt!“. Der Dialekt klinge nämlich überall etwas anders, die Dortmunder hätten eine gutturalere Aussprache. „In Essen franst die Ruhrgebietssprache schon teilweise aus“, erklärt er. Doch Ziegler kann nicht nur Pott: Für eine akzentuierte Aussprache belegt er Sprachtechnik-Kurse, denn er liest auch gerne vor.

Dem Schreiben geht der 65-Jährige im engen, dunklen Nähzimmer nach: „Ich brauch’ einen kleinen Raum, wo die Ideen von allen Seiten zu mir zurückprallen.“ Die Bilder für sein e-Books (erhältlich auf beam-ebooks.de) hat er selbst an den betreffenden Orten in Essen geschossen, dafür stand er auch schon mal Sonntagmorgens um halb neun mit seiner Kamera mitten auf der B224.

Metalldiebstahl und „himmlische Satire“

Aus Essen möchte der gebürtige Dortmunder nach mittlerweile 38 Jahren nicht mehr weg: „Es ist mein zweites Zuhause!“ Das spürt man auch in seinem „Ruhrpott-Dschungel“. Eine klassische Krimihandlung kann man in Zieglers zehntem Buch nicht erwarten – vielmehr taucht man in das Leben des Kommissars Horst Sokolowski ein und findet sich verblüfft, als und wie er plötzlich seinen Fall rund um die Droge Chrystal Meth löst. Eine vor Brutalität und Spannung strotzende Handlung wollte Ziegler bewusst nicht schaffen – vielmehr spricht er im „Whodunit“-Stil auch sozialkritische Aspekte an, indem der Leser Sokolowski durch „Essens drastische Ecken“ bei seinem eigenen unkonventionellen Leben und dem Lösen des Falls begleitet, wobei letzteres fast nebensächlich erscheint.

Wer aber gleichsam derbes Ruhrdeutsch nebst ironisch verschachtelten und hochtrabenden Sätzen mag und sich gerne mal beim Lesen austricksen lässt, hat definitiv Spaß an Zieglers Krimi.

Die Nachfolger sind auch schon geschrieben: Im Ruhrpott-Dschungel II geht Sokolowski Metalldiebstählen auf den Grund, der dritte Teil ist nach Angabe des Autors eine „himmlische Satire“. Noch einen Krimi möchte Ziegler nicht schreiben, auch, wenn er mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist. Weiter machen wird er aber auf alle Fälle – was danach kommt, bleibt abzuwarten.“

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