„Ich bin kein Wohnzimmer-Maler“

Das Gemäldefries „Farbklänge“ im Kirchenschiff der St. Engelbert Kirche hat Steinmann nach Schönbergs Zwölftontechnik komponiert.
Das Gemäldefries „Farbklänge“ im Kirchenschiff der St. Engelbert Kirche hat Steinmann nach Schönbergs Zwölftontechnik komponiert.
Foto: WAZ
Er ist Maler und Macher, Bildhauer und Designer, Marketingprofi und Strippenzieher. Günter A. Steinmann liebt die großen Aufgaben und raumgreifende Kunst. Seinen Arbeiten ist vielleicht schon jeder mal begegnet. Heute wird er 80

Der Kunst von Günter A. Steinmann ist fast jeder schon begegnet. Im Elisabeth-Krankenhaus, wo Steinmann 2003 zwei prachtvolle, über vier Meter hohe Glasfenster im Eingangsbereich gestaltet hat. Im Chorforum Essen, für das der leidenschaftliche Konstruktivist 2012 einen drei mal 50 Meter langen Fries mit dem bezeichnenden Namen „Farbklänge“ schuf. Oder an der Messe Essen, deren Ausbaupläne Steinmann zuletzt auf den Plan riefen, als seine Skulptur „Energie“ und das gläserne Immendorf-Fenster, welches mit Steinmanns Vermittlung nach Essen kam, vom Abriss bedroht waren. Inzwischen haben sich Künstler und Messe-Verantwortliche auf einen Alternativ-Ort geeinigt, die Statiker rechnen noch, im September soll der neue Kunst-Standort verkündet werden.

Günter Steinmann könnte heute also in aller Ruhe seinen 80. Geburtstag feiern. Wenn da nicht schon wieder das nächste Großprojekt in Bottrop anstünde. Steinmann ist nun mal keiner, der sich zurücklehnen kann. Als Maler und Macher, als Designer und Organisationstalent, als Marketingprofi und Meister der Vermarktung hat ihn immer die große Aufgabe gereizt. Kunst am Bau ist deshalb für ihn keine lästige, in der Ausschreibung eingepreiste Pflichterfüllung, sondern die schönste Herausforderung überhaupt. Hier kann die Kreativität wachsen und die Kommunikation mit dem Publikum unmittelbar beginnen.

Lustvolle Verbindung von Kreativität und höherer Mathematik

„Ich bin nun mal kein Wohnzimmer-Maler“, sagt Steinmann, der gebürtige Oberhausener, der heute in Hattingen an der Stadtgrenze zu Essen wohnt und in Südspanien seine zweite Heimat hat. An der Essener Folkwang-Schule hat er Grafik und Malerei studiert, aber den Kontakt zur Wirtschaft hat Steinmann, der in Oberhausen zunächst ein Praktikum der Metallurgie und Eisenhüttenkunde machte, nie verloren. Das Ergebnis sind Arbeiten. die mit ihren glänzenden und glatten Oberflächen wie geschaffen sind für viele spannende Spiegelungen mit der Außenwelt. Aluminium und Edelstahl sind dabei seine bevorzugten Werkstoffe, die als meterhohe Außenskulpturen zum Himmel streben. Das geometrische Formenvokabular ist auch in der Malerei bestimmend. Auf der Leinwand dürfen die Farbe und das Licht die formale Strenge dann ins Spielerische führen, als lustvolle Verbindung von Kreativität und höherer Mathematik.

 
 

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