Essener Theaterschiff nimmt Fahrt auf

Dirk Aschendorf
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Neu ist nicht nur der Bühnenboden im Grillo-Theater. Vor allem kamen mit Schauspielintendant Christian Tombeil 16 neue Schauspielerinnen und Schauspieler nach Essen. Damit ist nun auch die Theatersaison eröffnet.

Neu ist nicht nur der Bühnenboden im Grillo-Theater. Vor allem kamen mit Schauspielintendant Christian Tombeil 16 neue Schauspielerinnen und Schauspieler nach Essen. Lediglich an die Gesichter von Holger Kunkel und Rezo Tschikwischwili muss sich das Publikum nicht gewöhnen. Sie blieben als Einzige von der alten Garde übrig. Auch in den Büros von Dramaturgie, Betriebsbüro oder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit arbeiten wie bei fast jedem Intendantenwechsel neue Kollegen.

Bei der klassischen Begrüßung der Crew zum Spielzeitbeginn auf der Bühne setzte Tombeil überwiegend auf heitere Gelassenheit. Die langen Kampfrunden um die Finanzierung der TuP-Sparten sind vorbei. Diese wie auch die folgenden Spielzeiten im Grillo seien Dank des Ratsbeschlusses vor der Sommerpause erst einmal gesichert, so Tombeil. Kürzungsgeschüttelt von seiner vorigen Station als stellvertretender Intendant in Krefeld-Mönchengladbach, hatte sich der 45-Jährige von Anfang an ernsthaft und konstruktiv in die Essener Spardebatte eingeschaltet. Jetzt konstatierte er, sicher auch erleichtert, den Willen der Stadt, ihre Theater auch weiterhin ausreichend zu finanzieren. Immerhin sei ja der Mensch das einzige Wesen, das Verantwortung tragen kann.

Freie Theater unverzichtbar

„Aber wir wollen der Stadt auch etwas zurück geben.“ Angesichts des kommenden, recht jungen Spielplans (der einzige „echte“ Klassiker ist die Eröffnungspremiere am 30. September mit Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“), sprach Tombeil von erweiterten Grenzen, von Agieren, das besser sei als Reagieren, und schließlich von einem Theater für alle, an vielen Orten, mit unterschiedlichen Generationen.

Eine Position, die Kulturdezernent Andreas Bomheuer zu teilen scheint, wenn er von der Wichtigkeit des Theaters für die Stadt spricht. Aber auch von einer schwierigen Region, die immer noch (finanziell) an den Problemen des Strukturwandels leidet. Bei allem Sparzwang und Sparwillen: Die Region lebe aber kulturell auch von ihrer Vielfalt. Dazu zählten einmal die klassischen Stadttheaterensembles aber auch die freie Szene, wobei er ausdrücklich auch auf ein verstärktes Miteinander beider setzt. Eine Konzentration dürfe nie zur Vereinheitlichung in dieser großen Region führen. Auf der anderen Seite plädierte Bomheuer - sicher auch mit Blick auf die zahlreichen bespielten Industriedenkmäler - durchaus für eine verstärkte Rückkehr in die angestammten Kulturhäuser.

Dazu gehören für den Kulturdezernenten auf jeden Fall auch die freien Theater, die für die kulturelle Infrastruktur der Stadt unverzichtbar seien. Da geschehe wie im großen Stadttheater Bildungsarbeit. Den Vertretern der 13 freien Bühnen, die sich anschließend zur Präsentation ihrer gemeinsamen Leistungsschau „Theater Häppchen“ im Theater im Rathaus versammelt hatten, dürfte das Wasser auf ihre Mühlen bedeuten. Andreas Bomheuer wertete Tag jedenfalls als Eröffnung der gesamten Essener Theatersaison. Das gab es so noch nie.