Essen fordert vom Land Unterstützung für Museum Folkwang

800 000 Besucher kamen im ersten Jahr in neue Musuem Folkwang. Mittlerweile zählt das Haus zu den besucherstärksten in der Republik und ist das bekannteste Haus in NRW. Die Stadt fordert deswegen vom Land mehr Unterstützung.

Essen.. Für das Museum Folkwang war 2010 das Jahr der Feuerprobe. Und die Bilanz, die Stadt, Museum und Museumsverein gemeinsam ziehen, lautet: Mit Bravour bestanden.

Als das Haus mit seinem hochgelobten Neubau von David Chipperfield und dem renovierten denkmalgeschützten Altbau seinen ersten Geburtstag als Neu-Folkwang Ende Januar begehen konnte, hatten 800 000 Menschen die Meisterwerke im Meisterwerk besucht. Dazu zeigt jetzt die Studie eines Kommunikationsanalyse-Instituts, dass Folkwang mittlerweile nicht nur Platz acht unter den zehn bekanntesten Museen Deutschlands belegt (kein anderes NRW-Institut ist darunter) und bundesweit sogar Platz fünf bei den Besucherzahlen vorweisen kann. Dass Folkwang laut dieser Umfrage im Oktober 2010 auch das Kölner Wallraff-Richartz-Museum im Rennen um die Bekanntheit im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW knapp auf Platz zwei verweisen konnte, erfüllt mit Stolz. Sicherlich nicht nur Kulturdezernent Andreas Bomheuer, Museumschef Hartwig Fischer und den Vorsitzenden des traditionsreichen Museumsvereins, Achim Middelschulte, sondern wohl auch so manche Essener, die nach geduldigem Schlangestehen und staunendem Rundgang „ihr“ Folkwang nun ganz oben sehen.

Zuweilen wirkt Hartwig Fischer beim Rückblick auf auf das Eröffnungsjahr fast ein wenig ungläubig. Ein Haus dieser Größenordnung in nur fünf Jahren zu planen, zu genehmigen, zu bauen und nun ohne Pannen auch zu bespielen, betrachtet er allein schon als „politische und organisatorische Meisterleistung“ und erwähnt dabei immer wieder nachdrücklich die Stadt und deren Entscheidungsträger.

Man sieht das Museum Folkwang geradezu als Musterbeispiel für die heute so genannte Public-Private-Partnership, eine Doppelverantwortung von Kommune, die immerhin mit 4,5 Millionen Euro jährlich den Betrieb des Hauses ermöglicht, und dem privaten Museumsverein, dem die Hälfte der hochkarätigen ständigen Sammlung des Hauses gehört. Ein Vertrag von 1922 regelt das Verhältnis zwischen beiden Partnern bis heute. Und im europäischen Kontext sei dies ein sehr gutes Modell, so Hartwig Fischer. Denn den Löwenanteil im hiesigen Kulturbetrieb trage normalerweise die öffentliche Hand.

„Dauerhafter Erhalt der bildenden Kunst“

Der Museumsverein, der vor einiger Zeit auch die „Stiftung für das Museum Folkwang“ gründete und so weiter private Gelder in das Haus lenken möchte, tritt selbst als Geldgeber auf. „Allein für die Renovierung des Altbaus stellten wir jetzt drei Millionen Euro bereit“, so Achim Middelschulte. Überhaupt spielen Drittmittel für das Haus eine immer stärkere Rolle. Viele Projekte in Bildung und Vermittlung, aber auch Forschungs- oder Restaurierungsprojekte seien ohne die Hilfe von Privatleuten oder Stiftungen nicht möglich, so Hartwig Fischer. Schließlich sei der gesamte Neubau erst durch so genannte Drittmittel ermöglicht worden, das Geld der Krupp-Stiftung. Auch bei den Ankäufen habe man 2010 auf drei Millionen Euro aus diesem Bereich zurückgreifen können. Letzte Erwerbungen, darunter ein Schmidt-Rottluff, Werke von Kippenberger oder 1800 Objekte indianischer Kunst der Sammlung von Lothar Baumgarten seien nur so möglich gewesen.

Vor diesem Hintergrund und vor allem der Bedeutung der Sammlung und des neuen Hauses für die Kunstlandschaft in Nordrhein-Westfalen sieht Kulturdezernent Andreas Bomheuer auch die Landesregierung in der Pflicht. „Ich frage mich, wann das Land dieses Engagement der Städte angemessen unterstützt, zum dauerhaften Erhalt der bildenden Kunst.“ Das müsse vor allem mit Blick auf die so genannten Leuchttürmen mit ihrer überregionaler Bedeutung geschehen.

 
 

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