Drei Kandidaten im Rennen um Intendanten-Amt

nie (Mitte) sollen künftig von einem Intendanten „regiert“ werden. Derzeit gibt es zwei: Fürs Aalto Stefan Solzesz, zugleich Generalmusikdirektor, und Johannes Bultmann für die Philharmonie. Bultmann, dessen Vertrag 2013 endet, hätte „Super-Intendant“ in Essen werden können, verfolgt aber andere Pläne. Soltesz hat noch eine vertragliche Option bis 2014.
nie (Mitte) sollen künftig von einem Intendanten „regiert“ werden. Derzeit gibt es zwei: Fürs Aalto Stefan Solzesz, zugleich Generalmusikdirektor, und Johannes Bultmann für die Philharmonie. Bultmann, dessen Vertrag 2013 endet, hätte „Super-Intendant“ in Essen werden können, verfolgt aber andere Pläne. Soltesz hat noch eine vertragliche Option bis 2014.
Foto: Hans Blossey

Essen. Im Kandidaten-Rennen für die Leitung von Oper und Philharmonie lichtet sich der Nebel. Die Findungskommission entscheidet in Kürze zwischen den drei Kandidaten. Inoffiziell werden Franziska Severin von der Oper Leipzig gute Chancen eingeräumt.

Die Suche nach einem neuen Intendanten, der ab 2013/2014 sowohl das Aalto-Theater wie auch die Philharmonie leiten soll, ist bereits weit fortgeschritten. Wie die WAZ aus sicherer Quelle erfuhr, sind noch drei Kandidaten im Rennen, unter denen die Findungskommission der Theater und Philharmonie GmbH (TuP) aller Voraussicht nach eine Auswahl treffen wird.

Es sind dies Franziska Severin, Operndirektorin der Oper Leipzig. Dann Christian Firmbach, der am Drei-Sparten-Haus in Bonn die Funktionen als Künstlerischer Betriebsdirektor, Chefdisponent Musiktheater und Vertreter des Generalmusikdirektors in künstlerischen Fragen ausfüllt. Und schließlich Viktor Schoner, Künstlerischer Betriebsdirektor an der Bayrischen Staatsoper in München, der als einziger der drei schon einmal im Ruhrgebiet gearbeitet hat. Er war persönlicher Referent von Gerard Mortier bei der ersten Ruhr-Triennale von 2002 bis 2004.

Starke kaufmännische Orientierung

Keiner der Kandidaten-Namen hat unter Opern-Freunden einen Ruf wie Donnerhall, alle drei waren und sind mehr oder weniger im organisatorischen Bereich ihrer Häuser tätig, wobei Frau Severin am stärksten auch als Regisseurin ausgewiesen ist. Ihr werden derzeit inoffiziell die besten Chancen eingeräumt.

Die starke kaufmännische Orientierung - wenn man so will: den Willen und die Fähigkeit auch im Hintergrund zu wirken - ist genau das, was in Essen gewünscht wird. Die Gründe liegen auf der Hand: Finanziell einfacher werden die Zeiten ganz gewiss nicht. Der neue Intendant - oder eben die Intendantin - soll daher in erster Linie ein Musikmanager sein, der sich an einem namhaften Haus in der zweiten Reihe profiliert hat. Prominentere Namen sollen erst ins Spiel kommen, wenn es um den Posten des neuen Generalmusikdirektors und damit um die künstlerische Nachfolge von Stefan Soltesz geht, heißt es. Diese Suche beginnt, sobald feststeht, wer Intendant wird.

Kein Politik-Poker

Der fünfköpfigen Findungskommission des TuP-Aufsichtsrats gehören mit Hans Aring (SPD), Hans Schippmann (CDU), Lisa Mews (Grüne) drei Kommunalpolitiker an. Ferner haben Kulturdezernent Andreas Bomheuer und TuP-Betriebsratschef Adil Laraki Sitz und Stimme. Es gilt als möglich - manche sagen: als wahrscheinlich -, dass diese Runde bereits am kommenden Donnerstag eine Entscheidung fällt und dem TuP-Aufsichtsrat einen Vorschlag unterbreitet, dem dieser vermutlich folgen wird. An der nötigen Autorität der Findungskommission ist nicht zu zweifeln. Immerhin ist Schippmann Vorsitzender und Aring stellvertretender Vorsitzender des Kontrollgremiums. „Wir haben sehr gute Kandidaten, wir brauchen uns keine weiteren anzuschauen“, heißt es aus den Reihen der Kommission.

Auffallend ist, dass in diesem speziellen Fall die kommunalpolitische Konkurrenz zwischen SPD und CDU gänzlich außen vor blieb. Gerade Aring und Schippmann traten im Laufe des Verfahrens als sehr harmonisches Duo auf.

Theaterwissenschaftlerin, Bratschist, Sänger

Die 42-jährige Franziska Severin führt das Intendantenkarussell für Oper und Philharmonie an. Meriten hat die gebürtige Berlinerin ohne Zweifel. Sie gilt als gute Arbeiterin und darüberhinaus als ehrgeizig. Außerdem kennt die studierte Theaterwissenschaftlerin das Thema Oper seit ihren Assistenzen an der Deutschen Oper Berlin sozusagen von der Pike auf.

Ihre Vita liest sich einschlägig imd ist vielfältig: In Bonn, Gießen, Nizza, Klagenfurt hat sie gearbeitet. Zuletzt war sie Operndirektorin im schweizerischen St. Gallen. 2008/09 wechselte sie in gleicher Funktion an die Oper Leipzig als Nachfolgerin von Christoph Meyer, der mittlerweile Intendant der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg ist. Als Mitgründerin der Off-Theater Truppe „Comp & Co.“ dürfte sie auch bei der Freien Szene keine Berührungsängste haben.

Sie bekam 2001 den Regie-Preis der Berliner Götz-Friedrich-Stiftung und war Regieassistentin unter anderem bei David Pountney, Johannes Schaaf, Götz Friedrich, John Dew und Roman Polanski sowie Oberspielleiterin und persönliche Assistentin des Intendanten Giancarlo del Monaco an der Oper Bonn.

Hinter den Kulissen

Eher über musikalischen Hintergrund verfügt der ausgebildete Bratschist und Musikwissenschaftler Viktor Schoner. Als derzeitiger Künstlerischer Betriebsdirektor der Bayerischen Staatsoper in München hält er an einem der größten Opernhäuser weltweit hinter den Kulissen wichtige Fäden in der Hand. Er kennt den hektischen Ablauf des Repertoirebetriebs mit all seinen Unwägbarkeiten. Außerdem schnupperte der 36-Jährige als Referent des Gründungsintendanten der Ruhr Triennale, Gerard Mortier, immerhin zwei Jahre Ruhrgebietsluft. Mit Mortier arbeitete er

schon bei den Salzburger Festspielen und an der Opera National de Paris zusammen. Seit der Spielzeit 2008/09 ist er an der Bayerischen Staatsoper.

Etwas unauffälliger liest sich die Vita von Christian Firmbach, der als dritter im Bunde möglicher Nachfolgekandidaten gehandelt wird. Er ist derzeit künstlerischer Betriebsdirektor am Theater Bonn, wo er bereits in jüngeren Jahren tätig gewesen war. Der amtierende Generalmusikdirektor Stefan Blunier brachte Firmbach von Darmstadt in die Ex-Bundeshauptstadt. Auch in Hessen hatte er die Position als Betriebsdirektor inne.

Firmbach, der zunächst eine Schreinerlehre absolvierte, studierte Gesang und hatte bereits während des Studiums Engagements als Sänger. Er entwickelte dann jedoch mehr Freude daran, als Theatermacher zu arbeiten. Auch er wirkte an der Seite bekannter Regisseure.

 
 

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