Deutsche Sichtreisen

Martina Schürmann
Kinokunst für die Ausstellungswand. Das Plakatmuseum zeigt 100 beispielhafte Arbeiten des Filmplakategestalters Hans Hillmann. Die Arbeiten stammen aus drei Jahrzehnten.Fotos:Joachim Kleine-Büning
Kinokunst für die Ausstellungswand. Das Plakatmuseum zeigt 100 beispielhafte Arbeiten des Filmplakategestalters Hans Hillmann. Die Arbeiten stammen aus drei Jahrzehnten.Fotos:Joachim Kleine-Büning
Foto: WAZ FotoPool
Neue Ausstellungen zeigen Leonard Freeds Blick auf die junge BRD und innovative Plakatkunst der Nachkriegszeit

Glückliches Folkwang! War in der vergangenen Woche erst der Ankauf der Sammlung Scheidegger mit seinen weltberühmten Reportagefotografien von Robert Capa bis Henri Cartier-Bresson zu vermelden, bereichert nun ein weiterer großer Magnum-Name die Fotografische Sammlung im Folkwang. Leonard Freed, 1929 in New York geborener Sohn jüdischer Einwander, verheiratet mit Brigitte aus Dortmund, hat in den 1960ern mit seiner fotografischen Erkundungsreise durch die junge Bundesrepublik Foto- und Sozialgeschichte auf einzigartige Weise verbunden. Dass seine Arbeit -- in dem Reportagebuch „Made in Germany“ zu einem eindrucksvollen Panorama deutscher Wesensarten verdichtet -- hierzulande lange nicht die ihm zustehende Aufmerksamkeit fand, hat Brigitte Freed nicht davon abgehalten, die Werke ihres 2006 verstorbenen Mannes nun nach Essen zu geben. Dieser von Folkwangs vormaliger Foto-Queen Ute Eskildsen noch langfristig eingefädelte Deal wurde von der Stiftung Presse-Haus NRZ möglich gemacht. Und es ist nicht die einzige Bereicherung.

Mit den Filmplakaten von Hans Hillmann hat das Deutsche Plakatmuseum seinen Bestand nun um etliche Arbeiten eines der bedeutendsten Filmplakat-Gestalter der deutschen Nachkriegszeit erweitert. Denn Hillmann ist so etwas wie der Pionier des deutschen Arthouse-Kino-Plakats. Einer, der nach NS-Formensprache den großen amerikanischen Kino-Imports und polierter Wirtschaftswunderjahre-Buntheit den Versuch einer eigenständigen und anspruchsvollen Bilder-Sprache wagte. Mit der Verbreitung des künstlerischen Films sollten schließlich auch gleichwertige Plakate entstehen. Mit der Ausstellung „Der Titel wird im Bild fortgesetzt“ zeigt das Plakatmuseum nun rund 100 Arbeiten aus drei Jahrzehnten, die damit in den Besitz des Folkwangs übergehen.

Hillmanns Kinokunstplakate, die Anfang der 1950er Jahre vor allem im Auftrag von Neue Filmkunst Walter Kirchner und Atlas Filmverleih entstanden, sind nicht einfach Werbebotschaften, sondern ganz eingeständige Kommentare und sehr persönliche Auseinandersetzungen mit Kino-Meilensteine wie Ernst Lubitsch’ „Sein oder Nichtsein“ mit einem laufenden Hitler-Eierkopf, Pinters „Der Hausmeister“ mit einem Augapfel im Schlüsselrund oder Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“, der auf dem Plakat nur mit zwei schlichten schwarzen Rohren erscheint wie zwei Finger, die sich ins Weiß schieben. Hillmanns großes zeichnerisches Talent, der besondere Umgang mit Freiflächen und Schwarzweiß-Kontrasten, Typografie und Fotomontagen haben ihn zum einem Vorreiter der Plakatkunst gemacht. Für die Ausstellung hat er noch einmal ein eigenes Plakatmotiv entworfen.

Alle Ausstellungen laufen bis zum 1. September.