Blick in die (russische) Seele

Dirk Aschendorf
Neuinszenierung von Eugen Onegin im Aalto-Theater: Das Team um Regisseur Michael Sturminger (rechts) mit Andreas Donhauser (Kostüme) und Renate Martin (Bühne).
Neuinszenierung von Eugen Onegin im Aalto-Theater: Das Team um Regisseur Michael Sturminger (rechts) mit Andreas Donhauser (Kostüme) und Renate Martin (Bühne).
Foto: WAZ FotoPool
Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ ist ein starkes Stück, das aus sich heraus funktioniert, so das Regieteam um Michael Sturminger. Er will die über 100 Jahre alte Oper nur eitwas ans Heute heranzoomen. Premiere ist am 25. Februar.

Essen. Nach einer ebenso spannenden wie schlüssigen Inszenierung der Kalman-Operette „Die Csardasfürstin“ kehrt nun das Team um Regisseur Michael Sturminger wieder zurück ans Aalto-Theater. Am kommenden Samstag ist Premiere für Tschaikowskys wohl bekannteste Oper „Eugen Onegin“.

Ein Stück mit einer brillanten Vorlage aus der Feder von Alexander Puschkin, dem bis heute in Russland wie ein Held verehrten Nationaldichter. Sicher ein Stoff, dem man im Vergleich zu anderem aus dem leichteren Genre keine „Relevanz“ einhämmern muss. „Onegin funktioniert auch so, er braucht uns nicht.“

Über die Qualität des Stücks ist man sich im Team einig. Dennoch holte sich Sturminger, der wie ein stets zwischen Musiktheater, Schauspiel, Film und als Autor unterwegs ist, dafür im heutigen Russland Anregungen.Mit Kostümbildner Andreas Donhauser und Renate Martin, die für die Bühne verantwortlich zeichnet, ließ er sich vom heutigen Russland inspirieren.

Verletzte Ehre, Leidenschaft, ein Duell

Zuletzt inszenierte man für das Petersburger Mariinsky-Theater Strauss’ „Ariadne auf Naxos“, davor Mozarts „Idomeneo“. Dabei durchstreifte man Russland, die Städte, wie auch die Provinz. Diese Gegensätze treffen auch in „Eugen Onegin“ aufeinander. Onegin, Lebemann und Müßiggänger, verschmäht die Liebe Tatjanas, eines Mädchens vom Land. Er macht sich an die Schwester ran, die mit seinem Freund Lenski verbandelt ist. Verletzte Ehre, Leidenschaft, ein Duell. Als er Tatjana später als große Dame der Gesellschaft wiedertrifft, dreht sich die Situation. Aber die Abgewiesene bleibt ihrem Mann treu.

Hinter der adelig-großbürgerlichen Fassade geht es um Gefühl versus Verstand, Ehrgeiz und Konvention aber auch um eine Welt, in der Gefühle nicht geschätzt werden, schon gar nicht, wenn man sie zeigt.

"Ein starkes Stück"

„Eben ein starkes Stück, dass wir nicht übersetzen müssen, das wir aber etwas ans Heute heranzoomen“, sagt Renate Martin. Kleine Räume, für die Provinz, ein prachtvolles Bild für die Ballszene im dritten Akt. Das müsse einfach großartig sein, so die Bühnenbildnerin. Neben der szenischen Lösung darf man aber auch auf die Essener Debüts von Dirigent Sbroljub Dinic und Anja Schlosser als Tatjana gespannt sein.

Einführungsmatinee: Sonntag, 19. Februar, 11 Uhr. Premiere: 25. Februar, 19 Uhr. Karten unter Tel.: 0201/ 81 22 200 oder www.theater-essen.de.