Kritik an Ein-Euro-Jobs empört Stadtspitze

Die Stadtspitze weist die Kritik zurück, man habe mit Hilfe der Bundesgelder zu viele Langzeitarbeitslose in ABM-Maßnahmen oder Ein-Euro-Jobs ohne größere Berufsperspektive geschickt.
Die Stadtspitze weist die Kritik zurück, man habe mit Hilfe der Bundesgelder zu viele Langzeitarbeitslose in ABM-Maßnahmen oder Ein-Euro-Jobs ohne größere Berufsperspektive geschickt.
Foto: Oliver Müller NRZ

Essen..  Mit ihren deutlichen, von Statistiken untermauerten Aussagen über die Schwächen der bisherigen Arbeitsmarktpolitik in Essen hat Arbeitsagentur-Chefin Katja Wilken-Klein in der Rathaus-Spitze und bei CDU- wie SPD-Politikern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Sie weisen den Vorwurf, es gebe erhebliche Fehler bei der Betreuung von Arbeitslosen in Essen, entschieden zurück.

„Die Stadt Essen kann auf rund 30 Jahre erfolgreicher Arbeitsmarktpolitik für Tausende von Menschen zurückblicken. Sie ist gemeinsam mit allen konstruktiven Partnern im Essener Konsens fachlich hoch qualifiziert“, sagen Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) und Sozialdezernent Peter Renzel (CDU).

Die Agentur-Chefin hatte anhand neuester Statistik-Modelle aus Nürnberg Defizite analysiert: Essen stecke mit über 40 Prozent der Bundesgelder zu viel Geld in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Ein-Euro-Jobs ohne berufliche Perspektive. Essen habe deshalb mit 22 Prozent eine sehr niedrige Quote an erfolgreichen Eingliederungen von Arbeitslosen. Essen müsse künftig viel stärker Arbeitslose qualifizieren als bisher.

Die Stadt argumentiert dagegen, unter den 27 000 Langzeitarbeitslosen seien viele aus mehreren Gründen schwer vermittelbar: Sie seien älter, ohne Schulabschluss, und lange Zeit dem Arbeitsleben entwöhnt. Man müsse sie erst an einen geordneten Tagesablauf gewöhnen. Dafür seien „Gemeinwohlarbeiten“, die im Volksmund „Ein-Euro-Jobs“ heißen, als „letztes Instrument“ gut geeignet.

Städtische Fachleute beteuern zudem, man habe bereits einen Kursschwenk eingeleitet: Früher habe man 55 Prozent der Mittel für ABM und Ein-Euro-Jobs ausgegeben, heute seien es nur 42 Prozent.

CDU-Fraktionschef Thomas Kufen meint zwar, dass Stadt und Agentur in der Analyse des Arbeitsmarktes nicht weit entfernt lägen, doch Vorgehen und Wertungen von Wilken-Klein seien nicht hinnehmbar. „Sie disqualifiziert ihre eigene Arbeit, die der Agentur und die Tätigkeit ihrer Amtsvorgänger. Das Vertrauensverhältnis ist gestört.“

„Wild schlagend“

CDU-Sozialexpertin Jutta Eckenbach betont, „für die CDU hat die Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen stets oberste Priorität gehabt“. Daher wolle Essen Optionskommune werden und Langzeitarbeitslose künftig alleine ohne Arbeitsagentur betreuen.

Britta Altenkamp, SPD-Landtagsabgeordnete und Aufsichtsratschefin der Essener Beschäftigungsgesellschaft EABG, unterstellt der Arbeitsagentur-Chefin gar Rachegelüste. „Offenbar hat sie nicht überwunden, dass Essen Optionskommune werden will.“ Der Konflikt sei unnötig. Wilken-Klein kritisiere „wild um sich schlagend die bewährte und im Konsens praktizierte Essener Arbeitsmarktpolitik“.

Als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnete auch SPD-Fraktionsvize Rainer Marschan die Kritik von Wilken-Klein. „Die Jobcenter haben bisher auch in der Kooperation mit der Bundesagentur einen hervorragenden Job gemacht.“

 
 

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