Kritik am späten Abbruch des Pfingst-Openair in Essen-Werden

Foto: WAZ FotoPool
Nach dem Pfingst-Openair in Essen-Werden erstellen Beteiligte die Manöverkritik: Aus Sicht von Teilnehmer kam der Abbruch viel zu spät. Die Stadt will die Vorwürfe nun prüfen. Für die Helfer vor Ort gibt es aber auch Lob.

Essen. Während die sichtbaren Sturmschäden in der Stadt nun Tag für Tag weniger werden, bleiben die Eindrücke des Erlebten haften. Besonders dramatisch schildern sie diejenigen, die mitunter in Panik vom Gelände des Pfingst-Open-Air in Werden flüchteten. Einige äußern heftige Kritik und fragen: Hätte das Konzert nicht viel eher abgebrochen werden müssen?

Auch die Veranstalter beschäftigen sich mit diesem Thema. Allerdings, sagt Stadtsprecher Stefan Schulze, „gehört diese Manöverkritik zu jeder Großveranstaltung.“ Dabei gehe es um alle Aspekte, nicht ausschließlich ums Wetter.

Das sorgte immerhin dafür, dass sich viele Besucher an diesem Pfingstmontag vor dem Sturm in Sicherheit bringen mussten. Einige schildern es als „Massenpanik a la Loveparade“, andere prangern den Abbruch in letzter Minute an. Gäste wie Thorsten Schäper empfinden daher das Verhalten der Veranstalter als fahrlässig. Dieser habe lediglich vor starkem Regen gewarnt, von Unwetter und Orkanböen sei nicht die Rede gewesen, sagt Schäper, der mit Freunden zum Open Air gekommen war: „Es wäre die Pflicht des Veranstalters gewesen, die Besucher frühzeitig und vor allem korrekt zu informieren und daraus die Konsequenz zu ziehen, das Festival frühzeitig abzubrechen. Somit hätten sich die Verletzten und das Chaos verhindern lassen.“

„Um diesen konkreten Vorwürfen zu entgegnen, werden die Geschehnisse des Tages aufgearbeitet“, sagt Stefan Schulze. Dazu gehöre es einerseits, dass alle Geschehnisse rund um das Open Air erfasst werden. Alle Beteiligten wie die Hilfsorganisationen müssen aber erst ihre Schilderungen hinzufügen. Auf die Fragen, die sich mit dem Unwetter und den Zeitpunkt des Konzertabbruchs beschäftigen, werde die Stadt dann erst eingehen, wenn die gesamte Manöverkritik erstellt sein werde.

Lob für die vielen Helfer

Fest steht: „Die Wetterlage zu betrachten, gehört zu jedem Open Air dazu“, sagt Schulze. Das sei nichts Untypisches für eine Veranstaltung, die im Freien stattfindet. Der Stadtsprecher weist aber auch darauf hin, dass es ebenso Reaktionen von Konzertbesuchern auf die anschließenden Evakuierungsmaßnahmen gebe: „Da bekommen wir positives Feedback“, sagt er.

Das bestätigen Pia und Lisa Klaumann, ihnen geht der Vergleich mit der Love Parade ohnehin deutlich zu weit. Auch sie haben das Gelände zwar fluchtartig verlassen und „natürlich war es etwas chaotisch“, beschreiben die beiden. Sie loben aber ausdrücklich das Sicherheitspersonal sowie die Unterbringung in der Turnhalle samt Decken, Matten, Kaffee und Hühnersuppe: „Man hat sich um uns mehr als gut gekümmert und wir sind sehr zufrieden mit der Leistung der Helfer.“

Thorsten Schäper hat sich indes mit seinen Freunden vor dem Unwetter ins Auto geflüchtet und Unterschlupf an einer Tankstelle gefunden, beschreibt er das Ende des Open-Air-Abends und fasst den Konzertbesuch aus seiner Sicht zusammen: „Ich bin schockiert.“

 
 

EURE FAVORITEN