Essen

Kriminelle Clans: NRW-Innenminister Reul mit klarer Ansage – und einem Angebot an die Clans

Kriminelle Clans: Neue Dienststelle soll Clan den Kampf ansagen
Beschreibung anzeigen

Essen. Herbert Reul ist ein Mann der klaren Worte – vor allem wenn es um kriminelle Clans geht.

„Wir wollen den Clans ans Leder“, sagt der NRW-Innenminister bei der Eröffnung der neuen „SiKo Ruhr“-Dienststelle, die den Kampf gegen kriminelle Clans aus Essen koordinieren soll.

Kriminelle Clans: Innenminister sieht positiven Trend

Man habe seit Sommer 2018 die Einsätze „geprobt, erlebt und auch genossen, wenn es funktioniert“, so Reul.

Bereits jetzt startet die Polizei jede Woche bis zu vier Aktionen gegen die kriminellen Clans. Am Dienstag schlugen die Beamten in Essen und Duisburg zu, durchsuchten Wohnungen und Geschäftsräume. Erste positive Effekte seien zu erkennen. Wollten Beamte früher in Problem-Bezirken ein Knöllchen schreiben oder einen Unfall aufnehmen, wurden sie binnen Minuten von Dutzenden Clan-Mitgliedern umzingelt und bedrängt. Die Zahl der Tumultdelikte habe laut Essens Polizeipräsident Frank Richter seit dem koordinierten Vorgehen gegen die Clans spürbar nachgelassen.

+++ Essen: Massenschlägerei mitten in der Innenstadt – plötzlich fliegen Tische und Stühle +++

Reul: „Ihre Kinder können eine gute Zukunft haben“

Doch allen Beteiligten ist klar, dass das Problem damit längst nicht gelöst ist. „Wir säen und hoffen, irgendwann ernten zu können“, so Reul. Dazu bedarf es allerdings eines langen Atems. Und neben der Politik der Nadelstiche auch Angebote für Clan-Mitglieder, die noch nicht auf die kriminelle Bahn geraten sind.

Ziel sei es laut Reul daher, „Kinder für die Gesellschaft zurückgewinnen“. In Richtung der Clans streckt er die Hand aus: „Ihre Kinder können eine gute Zukunft haben, ohne kriminelle Karriere. Wir sind bereit zu helfen, wenn sie die alten Denkweisen ablegen und bereit sind, die Hand zu nehmen.“

Schwierigkeit Prävention

Doch ausgerechnet beim Thema Prävention, darüber sind sich alle Beteiligte einig, tut man sich schwer. Ein Patentrezept gibt es bislang nicht. „Es ist schwierig, weil ein Ausstieg aus dem kriminellen Milieu der Ausstieg aus dem Clan bedeutet. Ich muss mich von meiner Familie distanzieren, was es schwer macht, die Menschen zu erreichen“, sagt Joachim Eschemann. Er ist der neue Leiter der „SiKo Ruhr“-Dienststelle.

Eschemann kündigt an: „Wir werden ein Präventionsprojekt auflegen, was konkret mit Kindern und Jugendlichen aus Clan-Familien arbeiten wird.“ Die Koordination des Projekts wird aus der neuen Dienststelle erfolgen, die Arbeit soll vor Ort durch Partner erfolgen. Wie es genau aussehen soll, dazu brachte auch die neue Sicherheitskooperation bislang wenig konkretes vor.

+++ Essen: Neue „Spezialeinheit“ sagt kriminellen Clans im Ruhrgebiet den Kampf an +++

Reuls Hoffnung

Sport könnte ein Mittel sein, auch Aussteigerprogramme werden immer wieder diskutiert.

Innenminister Reul setzt darauf, dass vor allem die Frauen und Mädchen sich aus dem Familienverbund lösen: „Meine Hoffnung ist, dass der Druck der Razzien irgendwann dazu führt, dass Frauen sich fragen: Macht das alles einen Sinn?“ Dann müsse man mit entsprechenden Angeboten da sein. Doch dass sich daran kurzfristig etwas ändert, daran glaubt auch der Innenminister nicht.

 
 

EURE FAVORITEN