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Kriminelle Clans versuchen Polizisten einzuschüchtern – Essener Ermittler mit klarer Ansage: „Es hat kein Polizist Angst“

Essen: Die Polizei bei einem Einsatz gegen kriminelle Clans. Die Mitglieder der Clans haben in fünf Fällen Polizisten versucht einzuschüchtern.
Essen: Die Polizei bei einem Einsatz gegen kriminelle Clans. Die Mitglieder der Clans haben in fünf Fällen Polizisten versucht einzuschüchtern.
Foto: Stefan Arend/Funke Foto Service

Essen. Clan-Mitglieder bauen sich vor einer Polizei-Wache in Essen auf oder fahren einer Polizistin nach dem Dienst hinterher und bedrängen sie mit ihrem Auto. Zwei Fälle aus Essen, die zeigen, wie sich Mitglieder krimineller Clans gegen die knallharte Null-Toleranz-Strategie versuchen zur Wehr zu setzen.

Es gibt vereinzelte Einschüchterungsversuche seitens der Clans, sagt ein erfahrener Ermittler der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Aktionsplan Clan im Gespräch mit DER WESTEN. Doch eine Systematik sei nicht zu erkennen. Und wenn, gehe die Polizei konsequent dagegen vor, betont er.

„Es wird kein Polizist eingeschüchtert oder hat Angst – egal ob das Clans oder anderen kriminellen Gruppen sind“, sagt der Ermittler.

Clans: Keine systematische Einschüchterung der Polizei in Essen

Fünf Fälle von Einschüchterungsversuchen von Polizeibeamten hat es im Jahr 2019 gegeben, drei davon bereits im Januar. „Das haben wir schnell durchermittelt und konsequent verfolgt“, so der Clan-Ermittler.

Im Fall der verfolgten Polizistin kam es zu einer Anzeige wegen Nötigung und in einem Verfahren zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. Die Clan-Mitglieder, die vor der Wache aufmarschiert seien, hätten einen Platzverweis und eine Gefährderansprache bekommen.

„Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber Polizeibeamten gibt es immer wieder. Da unterscheiden sich Clans nicht von anderen kriminellen Gruppen“, betont er. Doch von einer systematischen Einschüchterung seitens der Clans könne keine Rede sein. „Es gibt zwei Arten: Einzelsachverhalte und strategische Einschüchterungen. Wir können nicht erkennen, dass Clans gezielt Polizisten auflauern und einschüchtern.“

Befürchtungen bewahrheiten sich nicht

Entsprechende Bedenken vor dem großangelegten Kampf gegen die Clans hätten sich ebenso nicht bewahrheitet wie die Annahme, dass Beamten mit Beschwerden und Anzeigen überzogen werden könnten.

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LKA-Chefermittler über subtile Drohungen: „Es ist strafrechtlich nicht zu fassen, gleichwohl hat es eine Wirkung“

Gleichwohl gibt es subtile Drohungen, wie auch Thomas Jungbluth, Chefermittler im Landeskriminalamt NRW gegenüber DER WESTEN bestätigte: „Die Schwierigkeit ist, das dann strafrechtlich so darzustellen, dass es auch greifbar ist. Manche Bedrohungen sind nur subtil. Das heißt: Es ist strafrechtlich nicht zu fassen, gleichwohl hat es eine Wirkung. Diese subtilen Bedrohungen machen schon etwas mit den Kollegen.“

Solche subtilen Drohgebärden könnten ein „Schöner Feierabend“-Gruß oder ein „Ich hoffe deiner Familie geht es auch über Weihnachten gut“ sein.

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Und wenn es dann doch mal zu Widerstand komme, könnten sich die Beamten der „Besonderen Aufbauorganisation“ Clan eines umfassenden Rechtsschutzes und der Rückendeckung der Polizeiführung sicher sein. So habe man nach dem Vorfall an der Buddy Bar im Jahr 2018 die Maßnahmen proaktiv überprüft und in der Folge den Schutz der Beamten verbessert.

Vor der Shishabar in der Essener Innenstadt war es im Zuge einer Kontrolle zu Auseinandersetzungen zwischen Familienmitgliedern der Bar-Betreiber und zwei Polizisten gekommen.

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„Die betroffene Kollegin hat ausführlich dargestellt, dass sie sich bestens aufgehoben gefühlt hat“, berichtet der erfahrene Ermittler der Essener Polizei. Neben Dienstgruppenleiter und Polizeiführung hätte sich sogar Innenminister Herbert Reul nach ihrem Befinden erkundigt.

Zahl der Tumultdelikte hat abgenommen

Doch Tumulte dieser Art haben insgesamt abgenommen. Zählte die Polizei Essen 2018 noch elf Tumultdelikte, waren es 2019 nur noch vier. Überhaupt beobachten die Beamten ein verändertes Verhalten der Clans.

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„Wir haben erste Indizien, dass die Aggressivität ein bisschen nachgelassen hat, der Respekt zugenommen. In großen Bereichen sind sie zurückhaltender geworden. Es gab immer auch eine Reihe von Kooperativen, die auf jegliche Verstöße – zum Beispiel Brandschutzbestimmungen – sofort reagiert und das korrigiert haben. Bei denen finden staatliche Kontrollen wie bei jedem anderen Gewerbetreibenden statt“, so der Ermittler, der zugleich ankündigt:

„Die, die sich nicht an die Regeln halten, können auch 2020 damit rechnen, dass wir mit all unseren Netzwerkpartnern umfassende Kontrollen durchführen und alle Verstöße weiterhin konsequent ahnden.“

 
 

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