KoWi-Abschaffung - Uni-Senat fährt Rektor in die Parade

Martin Spletter
Trotz der Aussetzung des Schließungsbeschlusses: Das Ende der „KoWi“ in Essen bleibt wahrscheinlich. Foto: Kerstin Kokoska
Trotz der Aussetzung des Schließungsbeschlusses: Das Ende der „KoWi“ in Essen bleibt wahrscheinlich. Foto: Kerstin Kokoska
Foto: WAZ FotoPool
Die Uni-Leitung hat bei ihrem Versuch, das traditionsreiche Fach "Kommunikationswissenschaft" (KoWi) zu schließen, vorerst einen Rückschlag erlitten. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass das Fach trotzdem wie geplant schließen wird.

Essen. Der Beschluss des Rektorats, den Master-Studiengang zum Wintersemester 2012/13 zu beenden, ist wegen eines Formfehlers vorläufig ausgesetzt worden. Das gesamte Verfahren befindet sich jetzt in der Schwebe.

Es ist jedoch damit zu rechnen, dass das Fach trotzdem wie geplant schließen wird. „Für die Studierenden ändert sich durch die vorläufige Aussetzung nichts“, teilt die Uni mit. In diesem Wintersemester 2011/12 ist eine Einschreibung letztmals möglich.

Taktischer Fehler

Der Senat der Uni – ein Gremium aus Vertretern von Professoren, Mitarbeitern und Studenten – beschloss auf seiner Sitzung am Freitag (2. September), sein „Mitwirkungsrecht an der Schließungs-Entscheidung formal geltend zu machen“, heißt es. Das Gremium, das wenig entscheiden kann, sondern vor allem Empfehlungen ausspricht, war von der Hochschulleitung offiziell nicht in die Schließungspläne eingebunden worden.

Ein taktischer Fehler – der Senat beschloss am Freitag einstimmig: Bevor irgendetwas beschlossen wird, befasst sich der Senat mit dem Thema. Er wird dann eine wie auch immer geartete Empfehlung aussprechen, an die sich die Uni-Leitung nicht halten muss. Doch erst dann – vermutlich im Winter – kann das Rektorat die Schließung neu in die Wege leiten.

Externe Sachverständige

„Das ist ein ,Zurück auf Los’“, freut sich Hans-Walter Schmitz, Professor der Kommunikationswissenschaft. Er interpretiert den Senatsbeschluss als „Rüge für die Hochschulleitung. So etwas hat es an der Uni noch nie gegeben.“

Mit Spannung blicken manche jetzt auf die Sitzung des Hochschulrats am 9. September. Die Runde aus externen Sachverständigen, die als Quasi-Aufsichtsrat fungiert, soll sich dem Vernehmen nach mit dem Thema „KoWi“ befassen, könnte – rein theoretisch – einen Beschluss der Uni-Leitung kippen, was aber noch nie passiert ist. Wie auch immer: „Die Senats-Entscheidung ist ein Signal an den Hochschulrat“, sagt Schmitz.

Die Uni hatte Anfang August bekannt gegeben, das Fach „KoWi“ zum Semester 2012/13 zu schließen. Es existiert nur als Master-, nicht als breites „Bachelor“-Angebot. Entsprechend gering sind die Studentenzahlen. Das hatte die Uni-Leitung dazu bewogen, das Fach zu schließen. Der Magisterstudiengang brachte seinerzeit tausende von Absolventen hervor.