Essen

Apothekerin in Essen bittet Praktikantin (15), ihr Kopftuch abzulegen – es kommt zu einem lautstarken Streit

Amne Al Daraji (15) fühlt sich von der Essener Apothekerin diskriminiert.
Amne Al Daraji (15) fühlt sich von der Essener Apothekerin diskriminiert.
Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen. In einer Apotheke in Essen ist am Montag ein lautstarker Streit ausgebrochen. Der Grund war das Kopftuch eines Mädchens, das ein Praktikum in der Apotheke machen wollte.

Amne Al Daraji (15), eine Essenerin mit Wurzeln im Irak, hatte bereits eine Zusage für das dreiwöchige Schulpraktikum im Januar bekommen. Als die 15-Jährige die Bescheinigung für die Schule abholen wollte, kam es zum Eklat.

Apothekerin aus Essen bittet Praktikantin, ihr Kopftuch abzulegen – es kommt zum Streit

Die Inhaberin bat das Mädchen darum, während der Arbeitszeit in der Apotheke ihr Kopftuch abzulegen. „Ich war schockiert“, erklärte Amne im Gespräch mit DER WESTEN. „Sie hatte mich doch schon beim ersten Gespräch mit Kopftuch gesehen.“

Sie wandte sich an ihren Vater Bashar Al Daraji, der draußen im Auto wartete. Er stellte die Apothekerin zur Rede. „Ich sagte ihr, sie solle auf die Bescheinigung schreiben, dass sie meine Tochter wegen ihres Kopftuches ablehne. Damit würde ich an die Öffentlichkeit gehen. Da lachte sie uns aus und zerriss das Papier vor unseren Augen“, berichtet Al Daraji.

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Die Apothekerin indes sagt: Der Vater sei wütend und ausfallend geworden. Sie berichtet, unter anderem als „Rassistin“ beschimpft worden zu sein. Ein Vorwurf, gegen den sich die Essenerin massiv wehrt.

Gegenüber DER WESTEN erklärte die Inhaberin der Apotheke in Essen, dass sie schon einmal eine Mitarbeiterin mit Kopftuch hatte. Wegen negativer Reaktionen einiger Kunden habe sie sich entschieden, ihre Mitarbeiter künftig um das Ablegen des Kopftuches während der Arbeitszeit zu bitten. Bei einer marokkanischen Praktikantin sei dies auch kein Problem gewesen.

Essener Amne und Bashar Al Daraji fühlen sich diskriminiert

Amne und ihr Vater fühlen sich jedoch diskriminiert. „Wir sind gläubige Muslime, leben seit 18 Jahren in Deutschland. Meine drei Kinder sind hier geboren, fühlen sich als Deutsche. Amne trägt ihr Kopftuch freiwillig und gern als Zeichen ihres Glaubens. Das ist unsere Kultur, für uns ist es wie ein Hemd und eine Hose – es gehört einfach dazu“, so Vater Bashar, der als Friseur arbeitet. „Wir haben kein Problem mit anderen Religionen und verstehen nicht, warum Menschen ein Problem mit unserer haben.“

„Zwei Tage hat meine Tochter nur im Zimmer gesessen und geweint. Sie will Medizin studieren – und darf nun nicht einmal ein Praktikum machen. Das hat sie sehr enttäuscht“, sagt Al Daraji.

„Viele Frauen mit Kopftuch haben Träume von einer Karriere. Doch sie werden wegen ihres Kopftuchs abgelehnt und bleiben arbeitslos. Das ist schade für das ganze Land, denn es verliert tolle Arbeitskräfte“, denkt die Neuntklässlerin.

 
 

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