Essen

Streit um Kopftuch in Essener Apotheke: Anwalt gibt junger Muslimin diesen Rat mit auf den Weg

Amne Al Daraji (15) fühlt sich von der Essener Apothekerin diskriminiert.
Amne Al Daraji (15) fühlt sich von der Essener Apothekerin diskriminiert.
Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen. Amne Al Daraji (15), Schülerin mit muslimischem Glauben, möchte ein Praktikum in einer Essener Apotheke absolvieren, drei Wochen soll es dauern. Als sie für die Schule eine Bescheinigung von der Apothekerin abholen möchte, weist diese das Mädchen daraufhin, dass sie während der Arbeitszeit das Kopftuch abnehmen müsse. Amne Al Daraji möchte das nicht, die Situation eskaliert. Beide fühlen sich im Recht, den Praktikumsplatz bekommt das Mädchen am Ende nicht. (wir berichteten)

Nun stellt sich die Frage: Durfte die Apothekerin einer Schülerin überhaupt das Praktikum verweigern, wenn diese auf ihr Kopftuch nicht verzichten möchte? Oder ist es ein Grundrecht, seiner Religion Ausdruck zu verleihen?

Apothekerin aus Essen verbietet Schülerpraktikantin das Kopftuch - darf sie das?

DER WESTEN hat mit Rechtsanwalt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, gesprochen.

Und er sagt deutlich: „Ja, die Apothekerin durfte das. Aber nur unter bestimmten Bedingungen.“

------------------------------------

• Mehr Themen:

Apothekerin in Essen bittet Praktikantin (15), ihr Kopftuch abzulegen – es kommt zu einem lautstarken Streit

Syrer verbrannte in Zelle in JVA Kleve: Musste er sterben, weil sein Notruf ignoriert wurde?

• Top-News des Tages:

Prinz Harry und Meghan gehen in Australien getrennte Wege

Mega-Jackpot von 90 Millionen Euro wartet

-------------------------------------

Bredereck erklärt, dass der Europäische Gerichtshof im Jahr 2017 entschieden hat, dass der Arbeitgeber das Tragen eines Kopftuchs verbieten darf.

Allerdings muss es dafür erstens ein spezielles Interesse des Arbeitsgebers geben.

Es dürfen auch keine anderen religiösen Symbole am Arbeitsplatz zu sehen sein

Und zweitens dürfen dann auch keine anderen religiösen Symbole an dem Arbeitsplatz aushängen oder getragen werden.

„Die Neutralität muss gewahrt sein. Das heißt, die Apothekerin darf nicht das Kopftuch verbieten, wenn gleichzeitig in der Ecke ein riesiges Kreuz steht oder eine andere Angestellte einen Rosenkranz trägt“, erklärt Bredereck. Sollte also eine andere Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter währen der Arbeitszeit offen ein Kreuz an einer Kette tragen, und so dem christlichen Glauben Ausdruck verleihen, dann wäre es nicht rechtens, das Kopftuch zu verbieten.

Bei Kundenkontakt sei von speziellem Interesse des Arbeitsgebers die Rede

Zum speziellen Interesse des Arbeitgeber gehört unter anderem auch direkter Kundenkontakt. „Und dieser ist bei Praktikanten in einer Apotheke gegeben, da sie vermutlich ja alle Bereiche kennenlernen sollen“, so der Anwalt.

Bereits vorher habe es bei der Apothekerin Schülerpraktikanten gegeben, die ihr Kopftuch für die Arbeitszeit abgelegt haben. „Damit hat die Apothekerin eine mündliche Regelung aufgestellt, dass während der Arbeitszeit kein Kopftuch getragen werden darf. Und somit darf sie es auch von allen Angestellten fordern, dass sie kein Kopftuch tragen. Solange auch alle anderen religiösen Symbole nicht erlaubt sind.“

Bredereck gibt dem Mädchen noch einen Rat mit auf den Weg: „Die Schüler sollten sich Stellen aussuchen, wo sie auch gewollt werden. Sonst lernen sie nichts. Und ums Lernen soll es bei einem Praktikum doch gehen.“

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen