Kopfstoß und Kopftritt schockieren Essener Amateurfußball

Philipp Wahl
Am Wochenende attackierte ein 21-Jähriger in Essen nach einem Foul seinen Gegenspieler brutal. In einem zweiten Kreisligaspiel bedrohte und verfolgte ein Rotsünder den Schiedsrichter.
Am Wochenende attackierte ein 21-Jähriger in Essen nach einem Foul seinen Gegenspieler brutal. In einem zweiten Kreisligaspiel bedrohte und verfolgte ein Rotsünder den Schiedsrichter.
Foto: imago
Das war ein schlechter Spieltag für den Amateurfußball in Essen. Eine besonders brutale Attacke bringt den Fußballkreis Essen Nord/West (13) in die Negativ-Schlagzeilen: Ein 21-Jähriger der DJK Jugendsport Altenessen II soll seinen Gegenspieler der Sportfreunde Altenessen mit einem Kopfstoß zu Boden gebracht und ihm mehrmals ins Gesicht getreten haben. In einem anderen Spiel soll ein Schiedsrichter vor Spielern des TuS Essen-West 81 geflüchtet sein.

Essen. Zwei Gewaltausbrüche bei Kreisliga-Spielen schockieren den Fußballkreis Essen Nord/West (13): In der Kreisliga C soll am Sonntagnachmittag ein Spieler der DJK Jugendsport 1918 Altenessen II seinen Kontrahenten der Sportfreunde 1918 Altenessen III mit einem Kopfstoß zu Boden gebracht und ihm zweimal brutal ins Gesicht getreten haben.

Die Polizei ermittelt nach den Kopftritten wegen gefährlicher Körperverletzung gegen einen 21-Jährigen. In der Kreisliga A musste die Partie zwischen TuS West 81 II und Ruwa Dellwig abgebrochen werden, weil Spieler den Schiedsrichter bedroht und über den Platz gejagt haben sollen.

„Als ich hörte, was da in Altenessen passiert sein soll, hat mich das regelrecht schockiert“, sagte am Montagvormittag Thorsten Flügel. Der Vorsitzende des Fußballkreises will gleichwohl den Sonderbericht des Schiedsrichters Sebastian Orlowski und die Verhandlung vor der Kreisspruchkammer abwarten, bei der sich – möglicherweise bereits Ende des Monats – alle Beteiligten werden äußern können.

Frank Westerbeck, der „Kreiskonfliktberater“ im Fußballkreis 13, hatte am Montag dagegen bereits den Spielbericht des Unparteiischen vorliegen: Danach soll der 21 Jahre alte Juspo-Spieler seinen Gegenspieler nach einem Foul mit einer Kopfnuss kurz vor Spielende niedergestreckt und mehrmals auf ihn eingetreten haben - mit den Fußballschuhen ins Gesicht. Westerbeck: „Wenn es so war, ist das ganz klar eine gefährliche Körperverletzung.“

Täter machte sich aus dem Staub

Der attackierte Fußballer wurde vom Platz am Wüllnerskamp mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, dort ambulant behandelt. Er kam nach Angaben der Polizei anscheinend mit leichten Verletzungen davon. Schiedsrichter Orlowski erteilte dem 21 Jahre alten Täter einen Platzverweis, das Spiel endete 2:1 für die gastgebenden Sportfreunde. Diese verständigten nach dem Vorfall die Polizei, der Täter machte sich aus dem Staub. Unklar ist, ob seine Vereinskameraden ihn tatsächlich zunächst decken wollten, wie ein Mannschaftsbetreuer der Sportfreunde gegenüber Reviersport kritisierte.

Die Polizei jedenfalls, so eine Sprecherin, habe den Täter über die Rückennummer und den Spielerpass identifiziert. In extremen Fällen, etwa nach besonderer Brutalität oder zur Bestrafung von Wiederholungstätern, so Thorsten Flügel, könne die Kreisspruchkammer (KSK) Gewalttäter für mehrere Jahre sperren: „Auch eine lebenslange Sperre ist möglich.“ Dem untersten Fußball-Sportgericht gehören neben dem Vorsitzenden Karl Schüller eine Beisitzerin und drei Beisitzer aus Essener Fußballvereinen an.

Juspo-Geschäftsführer Frank Baginski kannte am Montagmorgen noch keine Details zu dem Vorfall: „Darum kommentieren wir den Platzverweis auch nicht und geben die Angelegenheit an die Spruchkammer ab.“ Zur Juspo-Reserve sagte er: „Mit dieser Mannschaft gab es in letzter Zeit keine besonderen Vorkommnisse.“

Fortschritte durch Härte im Kampf gegen Gewalt auf dem Platz

Das bestätigt auch Frank Westerbeck. Er bearbeitet hauptberuflich als Polizeibeamter Gewaltdelikte und ist seit fünf Jahren Konfliktberater des Fußballkreises. Seit er im Amt ist, appelliert er an die Vereine, Tätlichkeiten als Körperverletzungen anzuzeigen und die Polizei zu verständigen: „Früher wurden die Täter oft nur für vier Spiele gesperrt und konnten dann einfach wieder mitmachen.“ Mittlerweile würden die Gewalttaten aber regelmäßig von den Betroffenen und Vereinen zur Anzeige gebracht. Obendrein sperre die Kreisspruchkammer Täter häufiger auch für mehrere Jahre.

Dieses härtere Durchgreifen nach Gewalttaten, so Westerbeck, sei ein wichtiger Grund dafür, dass der Fußballkreis 13 im internen und inoffiziellen „Negativ-Ranking“ des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) in den vergangenen beiden Spielzeiten nicht mehr - wie davor noch regelmäßig - einen der unerfreulichen vorderen Plätze belegte:

Schiedsrichter soll nach Platzverweis bedroht worden sein 

Dieses härtere Durchgreifen nach Gewalttaten, so Westerbeck, sei ein wichtiger Grund dafür, dass der Fußballkreis 13 im internen und inoffiziellen „Negativ-Ranking“ des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) in den vergangenen beiden Spielzeiten nicht mehr einen der unerfreulichen vorderen Plätze belegte:

In der Spielzeit 2012/13 habe er nach zwölf „Sicherheitsmeldungen“ eingreifen müssen, vorige Saison nur noch sieben Mal. „Früher hatten wir häufiger Massenschlägereien und Übergriffe.“

Trotzdem muss sich Westerbeck mit einem weiteren Vorfall vom Wochenende beschäftigen, einem Verdachtsfall von Gewalt gegen einen Schiedsrichter: Der Unparteiische hatte im Kreisliga-A-Spiel zwischen TuS Essen-West 1881 II und Ruwa Dellwig beim Stand von 2:1 für West fünf Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit ein Foulspiel gegen Essen-West gepfiffen und den 81er mit „Rot“ vom Platz verbannt. Der Schiedsrichter wurde in der Folge offenbar vom Rotsünder und von anderen Spielern bedroht, danach vom Platz bis in die Kabine verfolgt. Frank Westerbeck ist eingeschaltet, kann aber auch noch nicht beantworten, wer an der Hetzjagd beteiligt gewesen sein soll.

Was aber schon jetzt zweifelsfrei feststeht: Das war ein schlechter Spieltag für den Amateurfußball in Essen.