Kontrahenten umgefahren – Anklage sieht Auto als Mordwaffe

Der Angeklagte, hier mit seinem Verteidiger Cornelius Schumann, schweigt zu den Vorwürfen.
Der Angeklagte, hier mit seinem Verteidiger Cornelius Schumann, schweigt zu den Vorwürfen.
Foto: Knut Vahlensieck
  • Streit in einer Disco in der Essener Innenstadt eskalierte nachts in der Fußgängerzone
  • Opfer wurde von hinten mit einem VW Golf und Vollgas umgefahren
  • Vor Gericht schweigt der Angeklagte zunächst zu den Vorwürfen der Anklage

Essen. Ein VW Golf als Waffe. Das wirft die Staatsanwaltschaft am Donnerstag einem 23 Jahre alten Holländer irakischer Herkunft vor. Er soll am 1. August nach einem Streit in der Disco seinen Kontrahenten „mit Vollgas“ auf der Kettwiger Straße umgefahren haben. Die Anklage vor dem Schwurgericht lautet auf versuchter Mord.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Laut Anklage soll er mit mehren Freundinnen und Freunden von Holland nach Essen „zum Feiern“ gefahren sein. Das „Deja Vu“ an der I. Dellbrügge in der City war ihr Ziel. Dort soll es aber zum Streit zwischen dem Angeklagten und einem seiner Freunde gekommen sein.

„Mit Vollgas und in Tötungsabsicht“

Ausgetragen worden sei die Auseinandersetzung draußen. Ein Freund ging dazwischen. Danach trennten die Kontrahenten sich. Der Angeklagte ging mit dem Streitschlichter zu dessen Auto, der andere Mann lief mit einem Freund zum Hauptbahnhof, wo sie sich eine Taxe für die Rückfahrt nehmen wollten.

Doch dazu hatten sie keine Gelegenheit mehr. Obwohl vor der Diskothek wegen einer Messerstecherei ein Großeinsatz der Polizei lief, soll der Angeklagte vor Wut seinen Golf auf die Fußgängerzone gelenkt haben, als er seinen Kontrahenten dort um 5.30 Uhr entdeckte. „Mit Vollgas und in Tötungsabsicht“, so Staatsanwalt Joachim Lichtinghagen in der Anklage, sei der Holländer von hinten auf die beiden Männer zugefahren. Sein Beifahrer habe noch vergeblich versucht, das Auto mit der Handbremse zu stoppen und den Zündschlüssel zu ziehen.

„Heimtückisch“ nennt die Anklage diese Fahrt

Aber der Wagen steuerte ungebremst auf die beiden Fußgänger zu. Einer konnte noch zur Seite springen, den anderen traf der Wagen. Laut Anklage drückte er das Opfer gegen „Laterne 19“. Danach lief der Fahrer weg, was dem Angeklagten zusätzlich zum Mordversuch den Vorwurf der Unfallflucht einbrachte. Das Opfer erlitt mehrere Knochenbrüche. Auch der Beifahrer des Autos verletzte sich beim Aufprall auf dem Armaturenbrett.

„Heimtückisch“ nennt die Anklage diese Fahrt. Was das Opfer, was die anderen Zeugen dazu sagen, erfährt das Schwurgericht erst einmal nicht. Denn die Zeugen zogen es vor, ihrer Ladung nicht zu folgen. Zum Teil weiß die Justiz auch nicht, wo sie sich aktuell aufhalten. Und die Möglichkeit, der Ladung durch ein deutsches Gericht in Holland Nachdruck zu verleihen, ist begrenzt. Richter Andreas Labentz beginnt damit, die Vernehmungen der Zeugen durch die Essener Kripo in den Prozess einzuführen.

Auf den Angeklagten war die Polizei gekommen, weil in der Nähe ein Porsche mit seinen Ausweispapieren stand. Allerdings hatte der Wagen auch vorne und hinten Kennzeichen unterschiedlicher Städte.

 
 

EURE FAVORITEN