Konflikt der Kulturen war nicht Auslöser für verprügelte Grundschülerin in Essen

Jörg Maibaum
Gewalt an Schulen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Meistens eskalieren Streitigkeiten unter Jugendlichen. Dass Grundschüler betroffen sind, ist jedoch eher selten der Fall. In Essen sind jetzt Zehn- und Elfjährige auf eine Mitschülerin losgegangen.
Gewalt an Schulen sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Meistens eskalieren Streitigkeiten unter Jugendlichen. Dass Grundschüler betroffen sind, ist jedoch eher selten der Fall. In Essen sind jetzt Zehn- und Elfjährige auf eine Mitschülerin losgegangen.
Foto: Gerd Wallhorn / WAZ FotoPool
Drei Wochen sind vergangen, seit Prügelkinder an der Essener Bergmühlenschule eine Mitschülerin brutal attackiert haben. Die Täter sind inzwischen identifiziert. Es sind vier Kinder im Alter von zehn und elf Jahren. Für die Behörden steht fest: Mit einem grundlegenden Konflikt zwischen ausländischen und deutschen Kindern hatte die Prügel-Attacke nichts zu tun.

Essen. Seit drei Jahren üben sie intensiv den Umgang der Schüler miteinander, haben eine Kindersprechstunde, das Streitschlichter-Programm „Faustlos“ und am Ende eins doch nicht verhindern können: Dass Grundschüler aus vierten Klassen der Bergmühlenschule in Bochold am 28. Mai nach Schulschluss auf die elfjährige Anna-Maria losgehen und das Mädchen durch Schläge und Tritte schwer verletzen. Eine Schädelprellung und eine Nierenquetschung wurden diagnostiziert. Inzwischen hat die Polizei den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergereicht.

Vier Zehn- und Elfjährige wurden inzwischen als Haupttäter ausgemacht. Gegen sie richten sich die Verfahren wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und sie werden enden, wie sie nach dem Willen des Gesetzgebers enden müssen. „Wir stellen die Verfahren ein“, sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk gestern auf Anfrage. Es handele sich schließlich um strafunmündige Kinder. Die Weitergabe der Ermittlungserkenntnisse durch die Polizei war nicht mehr als ein formaler Akt.

Uniform dürfte Eindruck gemacht haben

Gestern war die Polizei erneut vor Ort: Der zuständige Bezirksdienstbeamte und ein Kollege vom Kommissariat Vorbeugung besuchten die Schule. Die Uniformen dürften Eindruck bei den Kindern gemacht haben und dem Opfer signalisierte das Erscheinen der Polizisten, dass etwas passiert und nach dem Zwischenfall nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen wird.

„Das Verhalten der Kinder ist in keinster Weise akzeptabel“, sagte Schuldezernent Peter Renzel. Die Sozialen Dienste des Jugendamts kümmern sich jetzt um die Eltern der Schläger, die „offenbar Probleme haben, sich an Regeln zu halten“. Die Lehrerin, die Anna-Maria ins Lehrerzimmer holte und versuchte, das Mädchen zu beruhigen, wird seit dem Zwischenfall psychologisch betreut. Die heftigen Anschuldigungen vor allem aus der Elternschaft, ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben, setzten der jungen Frau schwer zu.

Wie sich herausgestellt hat, ist der Pädagogin, die eine erste Klasse unterrichtet und Anna-Maria nicht gut kennen soll, aber offenbar kein Vorwurf zu machen. Als die Lehrerin das Schulgebäude verließ, waren die Prügelkinder bereits verschwunden, nur deren Opfer stand vor Wut, vielleicht auch vor Schmerz schreiend vor ihr. Von der eigentlichen Schlägerei hatte die junge Frau nach Erkenntnis der zuständigen Stellen nichts mitbekommen. Auch Anna-Maria weihte die Lehrerin nicht ein. Und es habe keinerlei Aussage des Mädchens gegeben, dass ihr Vater sie abholen sollte.

Kein Konflikt der Kulturen

Drei Wochen nach der Schlägerei steht für die Behörden fest: Mit einem grundlegenden Konflikt zwischen ausländischen und deutschen Kindern an der Bergmühlenschule hatte der Angriff auf Anna-Maria nichts zu tun. Es gebe dort keinen Konflikt der Kulturen.