Konfessions-Schulen ein Hindernis bei der Schulplanung in Essen

Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop hat zu geringe Anmeldezahlen.
Die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop hat zu geringe Anmeldezahlen.
Foto: WAZ FotoPool
In Frintrop wehren sich die katholischen Altfried-Eltern gegen eine theoretische Zwangsfusion mit der überkonfessionellen Pleitgen-Schule, denn sie fürchten um die katholische Erziehung ihrer Kinder.

Essen.. In Frintrop, am Westrand der Stadt, ist derzeit eine Entwicklung zu beobachten, die bei erstem Hinsehen einigermaßen grotesk erscheint. Die städtische, überkonfessionelle Walter-Pleitgen-Grundschule steht vor der langfristigen Schließung, weil dort zu wenige Eltern ihre Kinder fürs kommende Schuljahr angemeldet haben. Jetzt werden Protest-Unterschriften gesammelt – aber von den Eltern der Nachbarschule, der städtisch-katholischen Altfried-Grundschule, die von der Pleitgen-Grundschule etwa einen Kilometer entfernt liegt.

Die Sorge der Altfried-Eltern: Mit Pleitgen zu einer neuen Schule zwangsfusioniert zu werden - und so, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, den Status einer konfessionell ausgerichteten Schule zu verlieren. Ob eine solche Fusion überhaupt rechtlich möglich wäre, ist derzeit unklar.

Aber: Was jetzt in Frintrop passiert, ist in den Vorjahren auch in Überruhr zu beobachten gewesen. Und auch in Haarzopf ist immer noch nicht richtig Ruhe eingekehrt, nach vielen Jahren zähen Streits um zwei Schulen, aus denen ab diesem Sommer eine wird. Sodass sich derzeit, die Grundschulen in Essen betreffend, drei Thesen formulieren lassen.

I. In den vergangenen Jahren wurden zu wenige Grundschulen geschlossen

Mit gezielter Entwicklungsplanung ist bis 2010 die Zahl der Grundschulen in Essen von mehr als 100 auf derzeit rund 85 Häuser zurückgefahren worden. In vielen Stadtteilen - so wie in Frintrop - zeigt sich jetzt: Die Verwaltung war zu zaghaft. Man ließ zu, dass vielerorts „Zwergschulen“ entstehen, Schulen mit nur einer Eingangsklasse. Auch für die Walter-Pleitgen-Schule, die seit Jahren nur noch niedrige Anmeldezahlen erreicht, sollte dies die Rettung sein.

Und das, obwohl das zuständige Stadtteil-Parlament, die Bezirksvertretung, seinerzeit einstimmig empfohlen hatte, Pleitgen mit Altfried zu fusionieren, beziehungsweise: beide Schulen zu schließen und eine neue Schule mit zwei Standorten zu bilden. Doch die Stadtteil-Politiker wurden von Teilen des Rats und der Verwaltung überhört. Pleitgen sollte „einzügig“ überleben, also mit einer Klasse pro Jahrgang. Das funktionierte, wie man jetzt weiß, gerade mal zwei Jahre lang.

II. Konfessions-Schulen erweisen sich bei der Schulentwicklungsplanung als großes Hindernis

In Frintrop wehren sich die katholischen Altfried-Eltern gegen eine theoretische Zwangsfusion mit der überkonfessionellen Pleitgen-Schule, denn sie fürchten um die katholische Erziehung ihrer Kinder. Sie tun das einerseits aus gutem Grund. Bei einer Schul-Neugründung müssten die Eltern entscheiden, ob die Schule überkonfessionell oder konfessionell ausgerichtet ist. Das Gesetz schreibt so unrealistisch hohe Stimmenzahlen vor, dass neue Konfessions-Grundschulen faktisch so gut wie unmöglich geworden sind.

Andererseits: Auch überkonfessionelle Schulen bieten selbstverständlich katholischen Religionsunterricht an, schicken Kinder in den Schulgottesdienst. Es hängt aber kein Kreuz im Klassenzimmer. Während der gesellschaftliche Einfluss der Kirche zunehmend schwindet, erfreuen sich Konfessionsschulen grundsätzlich großer, konstanter Nachfrage. Rund 20 Grundschulen in Essen sind noch städtisch-katholisch, städtisch-evangelisch sind gerade mal zwei.

1968, als die alten Volksschulen in Grund- und Hauptschulen umgewandelt wurden, konnten Eltern über die Konfession einer neuen Schule abstimmen. Diese Voten sind vielerorts bis heute gültig. Es ist eine Binsenweisheit, dass vor 44 Jahren die Welt eine andere war – und Konfessionsunterschiede wichtiger, der Einfluss der Kirche größer, die Zahl der Ausländerkinder aus muslimischen Ländern ungleich kleiner waren.

In Essens Kindergärten hat heute jedes zweite Kind ausländische Wurzeln, einen sogenannten „Migrationshintergrund“. Während die Kinder aus osteuropäischen Familien häufig noch als besonders bildungs- und leistungsorientiert gelten, was teilweise auch an altertümlich strengen Erziehungsmethoden zu Hause liegen kann, haftet den Kindern aus türkischen und arabischen Familien schnell das Stigma „bildungsfern“ an. Katholische Schulen haben, je nach Stadtteil, auch einen signifikant hohen Ausländer-Anteil. Dabei handelt es sich aber vorwiegend um Polen, Griechen und Russen.

Diese Ungleichheiten prägten im Jahr 2010 die Diskussion um die städtisch-katholische Suitbert-Grundschule und die benachbarte, überkonfessionelle Johann-Peter-Hebel-Schule in Überruhr. Dort setzte sich die Verwaltung mit ihrem Plan, beide Schulen zu schließen und eine neue Schule mit zwei Standorten zu gründen, nur gegen allergrößten Protest der katholischen Eltern durch, flankiert von der CDU.

Jetzt entsteht dort die neue „Grundschule Überruhr“. Der Protest ist verstummt. Was wiederum ein Indiz dafür ist, dass betroffene Eltern, bei allem Verständnis, erst mal schockiert und emotional reagieren, wenn sich an der Schule ihrer Kinder etwas ändern soll: Schule ist eben ein Stück wertvoller Familienbiografie. Und dass Eltern in Sorge sind um den Bildungserfolg ihrer Kinder, kann man ihnen schlecht vorwerfen; zu vielen Eltern ist die Schule ihrer Kinder immer noch egal. Aber:

III. Eltern-Engagement kann auch zu weit gehen
In Haarzopf beginnt nach den Sommerferien eine neue Grundschule, sie vereint die ehemaligen Schulen Raadter und Hatzper Straße. Ein neues Gebäude wird dafür errichtet. Über die Fusion wurde jahrelang gestritten, allein über den Standort. Wer soll die Schule künftig leiten? Die Verwaltung schreibt die neue Stelle gesetzeskonform aus; jeder kann sich bewerben; als Übergang wurde eine externe Lösung gefunden. Jetzt machen sich Eltern in empörten Rundbriefen an die Stadtspitze für den einen, den ihren Kandidaten stark. Engagement ist lobenswert. Doch dass Eltern sich in Personalpolitik einmischen, geht zu weit.

 
 

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