Essen

Kommentar: Wer die AfD aus dem Revier kriegen will, muss ihren Wählern helfen

Jubel bei der AfD - Entsetzen bei den anderen Parteien: Deutschland ist nach rechts gerückt.
Jubel bei der AfD - Entsetzen bei den anderen Parteien: Deutschland ist nach rechts gerückt.
Foto: imago/Emmanuele Contini

Essen. Über 13 Prozent für die AfD im Bund - und alle so: Oh Gott!

Doch diese eine Zahl verschleiert die Wahrheit. Und die sieht so aus: In einigen Gebieten in Deutschland wohnen massenhaft Menschen, die sich allein gelassen und ignoriert fühlen. Wo Menschen keine Perspektive sehen und keine Hoffnung auf Besserung ihrer Lebensumstände haben.

Als wäre ihr Wohnviertel auf dem Abstellgleis, während der Deutschlandzug weiterfährt.

Diese Gebiete wachsen. Viele liegen im Osten Deutschlands. Aber auch hier im Ruhrgebiet haben wir gleich mehrere.

Während in NRW-Städten wie Köln, Düsseldorf und Münster die AfD einstellig blieb, sieht es in einigen Revier-Metropolen ganz anders aus.

Gelsenkirchen: über 16 Prozent

Oberhausen: über 13 Prozent

Duisburg: über 13 Prozent

Essen: über 12 Prozent

Das Ruhrgebiet ist eine AfD-Hochburg in NRW - das wissen wir spätestens seit der Landtagswahl in NRW.

Nach der Wahl ist schnell die Rede vom "großen Ganzen". Nun ist es so: Keiner von uns wohnt im „großen Ganzen“. Wir wohnen in Essen-Borbeck, in Duisburg-Meiderich oder in Bochum-Hamme. Und das, was uns zur Wahl für die eine oder andere Partei bewegt, das hängt mit dem zusammen, was wir täglich erleben. Im Job. Beim Einkaufen. In der Nachbarschaft. Das ist unsere ganze Welt. Das, was aus Sicht des „großen Ganzen“ die Details sind.

Bundespolitik ist immer auch Lokalpolitik. Das, was vor Ort ankommt, was sich dort ändert. Es täte jedem Bundespolitiker gut, ein paar Tage in Gelsenkirchen-Schalke zu verbringen, in Duisburg-Marxloh, in Essen-Altenessen. Und sich zu fragen: Ist das wirklich das Beste, was wir für die Menschen hinbekommen?

Natürlich: Kommunalpolitik und Landespolitik sind ebenso gefordert. Aber das nimmt den Bund nicht aus der Verantwortung.

Wenn die Verantwortlichen der etablierten Parteien es ernst meinen, das Publikum der AfD zurückzugewinnen (und das sagen natürlich alle), ist der Weg klar. Sie müssen sich genau diese Gebiete vornehmen, in denen die Rechtspopulisten ihre Erfolge feiern. Sie müssen die Kommunen und das Land unterstützten, dort die Lebensverhältnisse zu verbessern. Nur wo Bewegung erkennbar ist, wo Hoffnung entsteht - da kann der AfD der Nährboden entzogen werden.

Das kostet Geld. Aber in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu investieren - klingt das schlecht?

Was passiert, wenn die, die sich abgehängt fühlen, wirklich einfach abgeschrieben werden, ist auch klar: Dann wird aus dem Schwelbrand in unseren Problemvierteln ein offenes Feuer.

 
 

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