Kommentar: Liebe nächste Landesregierung, hier im Pott wartet die schwerste Aufgabe

Armin Laschet (CDU) ist der klare Wahlsieger in NRW.
Armin Laschet (CDU) ist der klare Wahlsieger in NRW.
Foto: dpa

Ein Erdbeben in NRW. Das SPD-Land geht an die CDU. Die FDP erhebt sich mit mächtig Schwung, die Grünen purzeln in den Keller, die AfD darf mit an den Tisch.

Ein Wahlergebnis, das die Verhältnisse in der NRW-Landespolitik mächtig durcheinander wirbelt. Mit einer klaren Aussage: Es soll anders werden als in den letzten Jahren.

Und direkt starten die Analysten durch: Schulpolitik und die Pannen von Innenminister Jäger haben die SPD zu Fall gebracht, Christian Lindners frische Kampagne die Liberalen aus dem Loch geholt, die CDU hat besorgte Bürger zurückerobert. Und tausend Dinge mehr.

Kann alles so sein. Und ist doch egal.

Zumindest für all die, die einfach ihre Stimme abgegeben haben. (Für die Partei-Funktionäre natürlich nicht)

Es zählt nur, was jetzt kommt. Werden die Entscheidungen der nächsten Landesregierung dein Leben besser machen? Spürbar? Wirst du dich sicherer fühlen? Wird deine Ausbildung oder die deiner Kinder besser? Kommst du einfacher oder schneller zur Arbeit? Gibt es mehr Jobs in deiner Nähe?

Es gibt so verdammt viel zu tun.

Gerade freuen sich die etablierten Parteien, dass die AfD doch nicht so stark geworden ist, wie insgeheim von manchen befürchtet. Doch sie täuschen sich.

Schauen wir in den Essener Norden: über 20% für die AfD. Schauen wir nach Gelsenkirchen: Die AfD steht gut zweistellig da.

Es geht gar nicht um die AfD. Es geht um die Menschen, die sich mit ihren Sorgen nicht abgeholt fühlen. Die ihr Land nicht mehr verstehen. Die ihr Vertrauen in die etablierten Parteien verloren haben.

Im Wahlkampf konzentrieren sich Parteien immer auf die Menschen, die sie leicht erreichen und überzeugen können.

Jetzt ist kein Wahlkampf mehr.

Für alle in der nächsten Regierung gilt: Auch für diese Menschen, die ohne Vertrauen, die Wütenden, sind sie zuständig. Sie müssen sie verstehen, ansprechen, abholen.

Wir wissen, wo diese Menschen zu finden sind.

Im Ruhrgebiet haben wir in einigen Städten Gebiete, in denen schwelt es offen. Der Rauch, der hier aufsteigt, ist zu lange ignoriert oder hingenommen worden. Doch ein offenes Feuer darf es nicht werden.

Erst wird aus dem “miteinander leben” ein “nebeneinander” - ein “gegeneinander” wollen wir sicher nicht erleben. Haben wir früher im Pott auch nicht, selbst, wenn es rau her ging.

Das Leben von den Menschen in diesen Stadtteilen und Gebieten besser zu machen: Das ist eine wichtige politische Mission. Vielleicht wartet hier der schwerste Job der nächsten Landesregierung. Hier im Revier.

Da geht es nicht um öffentlichkeitswirksame Vorzeigeprojekte. Es ist harte politische Arbeit, für die es nicht immer Beifall gibt. Kleinteilig, anstrengend, kompliziert.

Das ist ein Job für politische Malocher. Hoffentlich haben wir die in der kommenden Landesregierung.

 

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