Klares Votum gegen Sparrunden

Der Druck auf die städtischen Töchter steigt. Sie sollen den Gürtel enger schnallen, um die Finanznöte der Stadt abzumildern. Im Fokus steht dabei auch die Essener Verkehrsgesellschaft Evag, die im Vorjahr 67 Millionen Euro als Deckungsbeitrag von der Stadt erhielt.

Die Debatte um Einsparungen wird in der Politik heftig diskutiert. Zwar gibt es von allen Fraktionen Bekenntnisse zum öffentlichen Nahverkehr, ob aber am Ende doch der Rotstift angesetzt wird, ist offen. Ein klares Votum hat dagegen das aktuelle NRZ-Bürgerbarometer ergeben. Bei der repräsentativen Umfrage unter Essener Bürgern hielten 64 Prozent der Befragten weitere Kürzungen im Angebot der Evag für nicht vertretbar. Nur drei Prozent waren gegenteiliger Ansicht.

„Ich bin über das Umfrageergebnis erfreut. Es bestätigt meine Haltung“, betont der SPD-Ratsherr und Aufsichtsratsvorsitzende der Evag, Wolfgang Weber. „Die Evag hat bei den Menschen in Essen einen hohen Stellenwert“, so Weber. Tendenz aufwärts. Er prognostiziert, dass künftig noch mehr junge Leute stärker die Angebote von Bahn, Bus wie auch von Car-Sharing nutzen wollen.

Auch wenn die SPD zwar den Wunsch aus der CDU-Fraktion mitträgt, mögliche Konzentrationen bei der Evag von einem Externen prüfen zu lassen, gibt es für Weber letztlich nur eine Konsequenz: „Ich kann mir eine Reduktion nicht vorstellen. Dann wäre die Stadt nicht mehr das, was sie ist.“ Eine Streichung von Angeboten könnte gar zur Folge haben, dass Essen von der teueren VRR-Preisstufe A3 auf A2 heruntergestuft wird, die Evag also weniger Geld für Tickets verlangen kann und somit die Kasseneinnahmen deutlich sinken würden. Der Sozialdemokrat will sich auch die Tür für weitere Verbesserungen im Netz offen halten. In Einzelfällen müssen Linienverlängerungen geprüft werden, sei es zur Hafenstraße oder die Bahnhofstangente.

Friedhelm Krause, Verkehrsexperte der CDU, lehnt Kürzungen im öffentlichen Nahverkehr ebenso ab, und hofft, dass letztlich seine Fraktion seiner Linie folgt. „Ich kann mich dem Ergebnis des NRZ-Bürgerbarometers nur anschließen“, erklärt er. „Wir haben immer gesagt, dass Essen ein funktionsfähiges, qualitativ gutes Netz benötigt. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, können wir nicht gleichzeitig größere Sparrunden einläuten.“ Für denkbar hält er aber Effizienzsteigerungen und Synergieeffekte, die sich nicht auf das Angebot selbst auswirken. Hier spricht Krause konkret das Dreierbündnis Via der Verkehrsgesellschaften von Essen, Duisburg und Mülheim an, das bisher nur 7,2 statt der geplanten 13,5 Millionen Euro an Einsparungen brachte. Krause, Aufsichtsratsvorsitzender von Via, glaubt dennoch, das Klassenziel zu erreichen, vielleicht sogar zu übertreffen. „Dann müssen das aber auch alle wollen – auch Duisburg.“

Rolf Fliß, der Verkehrsexperte der Grünen, lehnt nicht nur Einsparungen bei der Evag konsequent ab – er will auch keine Gutachten dazu, sondern stattdessen klare Vorgaben, wie es mit dem Nahverkehr in Essen noch besser vorangeht. Zum Ergebnis des NRZ-Bürgerbarometers sagt er: „Die Politik wäre gut beraten, auf dieses Votum der Bürger zu hören.“ Die Stadt könne nicht eine Einwohnerzahl von 600.000 Einwohnern anstreben – und gleichzeitig beim Nahverkehr sparen. „Das ist ein Treppenwitz.“ Ähnlich argumentieren die Linken: Kürzungen bei der Evag wären „schädlich für die Stadt Essen“, so Wolfgang Freye: „Längere Taktzeiten und weniger Busse und Bahnen führen zu mehr Staus und Umweltverschmutzung.“

Eindeutig für Einsparungen bei der Evag sprechen sich dagegen die Liberalen aus. Die Stadt Essen kann sich die Zahlungen an die Evag in dieser Höhe „angesichts der heutigen Haushaltslage nicht mehr leisten“, meint der Essener FDP-Vorsitzende Ralf Witzel. „Die Evag muss ihren Beitrag zur Konsolidierung leisten.“ Auf den Prüfstand gehöre auch das Linien- und Taktangebot: „Es gibt keine dauerhafte Bestandsgarantie für jede unwirtschaftliche Strecke“, mahnt er. Hier könnten Taxi-Busse eine Alternative sein.

 
 

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