Kirmes kontra Wissenschaft

Janet Lindgens
Dietmar Düdden, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderung.
Dietmar Düdden, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderung.
Foto: WAZ FotoPool
Kirmes kontra Wissenschaft: Essens Wirtschaftsförderer Dietmar Düdden nennt es „töricht“, wenn das Thurmfeld zum Rummelplatz würde. Dazu seien Gewerbeflächen zu rar. Es laufen bereits Gespräche über eine Forschungsansiedlung.

Essen. Platz für Rummel oder Platz für Forschung? Was soll auf dem Brachland zwischen Campus und Segeroth-Park entstehen? Essens Wirtschaftsförderer Dietmar Düdden hat dazu eine ganz klare Meinung, die er am Dienstag mit einer ungewohnt deutlichen Schärfe vortrug und damit öffentlich in die politische Debatte eingriff: „Die Stadt wäre töricht, wenn sie solche Flächen nicht anders nutzt“, mahnte Düdden und spielte auf den Vorstoß der FDP an, auf dem stadteigenen Gelände nördlich der Universität einen Kirmesplatz bauen zu lassen. Ein Vorschlag, der derzeit von der Stadtverwaltung geprüft werden soll, und der Wirtschaftsförderer Düdden, gelinde gesagt, irritiert. Zumal Essen in den kommenden Jahren ein großes Problem mit fehlenden Gewerbeflächen bekommen wird. Düdden fürchtet, dass wenn sich der Kirmesplatz erst einmal in den Köpfen festgesetzt hat, es keinen Weg mehr zurück gibt.

Über die künftige Entwicklung des so genannten Thurmfeldes wird allerdings schon seit Jahren debattiert. Hochfliegende Ideen gab es viele. Bislang ist aber nur klar ist, dass die Stadt dort das Hauptbad bauen wird. Eine dieser alten Gedankenspiele holte Düdden gestern wieder hervor: In unmittelbarer Nähe zur Universität sollen sich nach seiner Vorstellung industrienahe Forschungseinrichtungen ansiedeln. „Es gibt in der Stadt nur wenige der verbleibenden Flächen, die so etwas erlauben“, sagte er.

Skepsis über Vorstoß

Düdden schwebt ein „Technikum der Energie“ vor: „Wir sind schließlich ein Energiestandort. Ein solches Labor hätte eine zentrale Bedeutung für die Konzernlandschaft hier“. Er verwies dabei auf konkrete Gespräche, die man bereits mit wissenschaftlichen Einrichtungen führe. Namen nannte er allerdings nicht. Klar ist wohl nur, dass es sich nicht um ein Max-Planck- oder Fraunhofer-Institut handeln soll. Einen Zeitrahmen, in dem das Projekt Form annehmen könnte, steckte Düdden schon mal ab: zwei bis drei Jahre.

Die Skepsis über den Vorstoß dürfte dennoch groß sein. Schließlich sollte sich im Thurmfeld schon einmal ein Wissenschaftspark des Landes ansiedeln. Daraus geworden ist nichts. Andererseits drängt die Essener Wirtschaft schon länger darauf, Essen als Forschungsstandort zu entwickeln. In den Nachbarstädten Mülheim, Oberhausen oder Duisburg gibt es bereits diverse Institute. Entsprechend positiv reagierte gestern die Industrie- und Handelskammer auf den Vorstoß Düddens: „Das Thema Energie würde hervorragend in die Region passen und sicher weitere Arbeitsplätze bringen“, hieß es.