Kiras Sprung vom Essener Reuenberg zu Olympia in Rio

Kira Walkenhorst (l.) und ihre Partnerin Laura Ludwig: Im Viertelfinale gegen die Kanadier gab es Grund zum Jubeln.
Kira Walkenhorst (l.) und ihre Partnerin Laura Ludwig: Im Viertelfinale gegen die Kanadier gab es Grund zum Jubeln.
Foto: imago/Eibner
  • Beachvolleyball-Spielerin Kira Walkenhorst hatte schon immer den nötigen Biss, um Profi zu werden
  • Ihr Vater Uli Walkenhorst erzählt: „Verlieren konnte sie noch nie.“
  • Schon als Jugendliche hatte sie einen unglaublichen Auf- und Schmetterschlag

Essen. Wir erwischen Uli Walkenhorst Dienstagnachmittag am Telefon im Auto. Er ist auf dem Weg nach Hause. In vier Stunden steigt das bislang größte Spiel in der Karriere seiner Tochter, Kira Walkenhorst: Olympia-Halbfinale im Beachvolleyball. In Brasilien, dem Mutterland der Sportart, am berühmtesten Strand der Welt – der Copacabana. Mit ihrer Partnerin Laura Ludwig geht es gegen die topgesetzten brasilianischen Stars Larissa und Talita.

Jede freie Minute Volleyball im Garten

Die ersten Schritte zur Weltkarriere machte sie im Elternhaus am Reuenberg. „Dort wohnen wir noch immer. Nur heute haben wir einen Garten und keine Schlammwiese mehr“, sagt Uli Walkenhorst, früher selber Spieler und dann Trainer. Die heute 25-jährige Kira, ihr älterer Bruder Alex und die kleine Schwester Pia spielten jede freie Minute Volleyball im Garten, der dadurch dauerstrapaziert wurde. Dass Kiras Weg zu Olympia führen könnte, zeichnete sich früh ab.

„Die anderen beiden hatte mehr Talent“, erinnert sich ihr Vater. „Den größten Biss hatte aber immer Kira. Was Alex und Pia von Natur aus mit dem Ball konnten, musste sie sich immer hart erarbeiten.“ Hinzu kam: Verlieren war tabu. „Das kann niemand besonders gut in unserer Familie“, gesteht Uli Walkenhorst. „Aber Kira war extrem. Da flogen die Brettspiele vom Tisch, wenn sie keine Chance mehr hatte zu gewinnen.“

"Sie hatte körperlich schon damals alles, was man braucht"

Beim VC Borbeck, den Vater Uli 1979 mitgründete, spielte Kira Walkenhorst als Kind und Jugendliche. Marcel Werzinger trainiert dort heute die Damenmannschaft und ist 1. Vorsitzender. Er ist wie Bruder Alex Walkenhorst zwei Jahre älter als die Olympionikin und bis heute ein Freund der Familie. Er erinnert sich gut an die junge Kira. „Sie hatte körperlich schon damals alles, was man braucht“, sagt er. „Lange Arme und Hände wie Schaufeln.“ Kira und Werzingers Schwester Christin halfen mit etwa 12 Jahren bei den Jungs aus – in Marcels und Alex’ Team. „Wir hatten Probleme eine Mannschaft zusammen zu bekommen. Und natürlich haben wir damals gedacht: Die kleinen, blöden Schwestern müssen ja überall dabei sein.“ Heute, mit der nötigen Reife, zollt er Kira Walkenhorst Respekt: „Selbst viele Jungs konnten schon damals nicht mit ihr mithalten.“

Daran erinnert sich auch Georg Schrepper. Der Sportlehrer des Bocholder Don-Bosco-Gymnasiums betreute die ehemalige Schülerin 2005 bei den Bundesjugendspielen in Berlin. „Sie hatte einen knallharten Aufschlag und einen unglaublichen Schmetterschlag. Die Gegner sind mit roten Unterarmen und teilweise mit Tränen in den Augen vom Platz gegangen“, erzählt er. Eigentlich ist Schreppers Sport Basketball. „Auch da hätte sie richtig gut werden können. Im Schulteam war sie Führungsspielerin. Ich hätte sie gern zu Adler Frintrop geschickt.“ Essens Olympia-Teilnehmer

In der Volleyball-Familie Walkenhorst – undenkbar. Kira entschied sich für Volleyball und mit 14 dazu auf ein Sportinternat nach Berlin zu gehen. „Ich will Profi werden“, sagte sie damals. „Der Traum von Olympia war geboren“, erinnert sich Uli Walkenhorst.

 
 

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