Kinokette Cinemaxx investiert drei Millionen Euro am Standort Essen

Von Stefan Kober
Noch läuft echter Film durch die Projektoren im Cinemaxx. Ende Oktober aber will das Kino komplett auf digitale Technik umgestellt haben.
Noch läuft echter Film durch die Projektoren im Cinemaxx. Ende Oktober aber will das Kino komplett auf digitale Technik umgestellt haben.
Foto: WAZ FotoPool
Im Cinemaxx in Essen steht eine Zäsur an: Bis Ende Oktober werden die Teller-Vorführmaschinen abgeschafft und durch neue, digitale ersetzt. Insgesamt investiert die Kinokette am Standort Essen drei Millionen Euro in diesem Jahr. Im Rahmen von „WAZ öffnet Pforten“ blickte eine Gruppe hinter die Kino-Kulissen.

Der Wandel

Essen. Ein Fenster aus einem der zwei Vorführer-Trakte, in dem sich noch Filmrollen über Filmrollen stapeln und aus denen die 16 Säle des Lichtspielhauses bedient werden, gibt die Sicht nach draußen frei. „Wie sich hier alles verändert hat“, sagt Karin Leukner beim Blick auf das Einkaufszentrum Limbecker Platz, das Rathaus und auf den früheren Telekom-Glaspalast. Karin Leukner ist eine der Leserinnen und Lesern, denen bei der Aktion „WAZ öffnet Pforten“ das Losglück gewogen war. Für sie geht’s ins Cinemaxx, einer der Touren, die einen exklusiven Blick hinter die Kulissen erlauben..

So viel wie sich außen verändert hat, im Innern des Kino-Riesen steht der Wandel erst noch bevor: Noch surren die Tellermaschinen, werden die Filmrollen auf der obersten Platte ab- und auf der untersten wieder aufgerollt, wenn sie den Projektor durchlaufen haben. Warm ist es, vom Licht der Maschinen - und laut.

Bald ist das Geschichte: Bis Ende Oktober will das Cinemaxx von analog auf digital umgestellt haben. „Dann ist die erste Kopie so gut wie die 1000ste“, sagt Theaterleiter-Assistent Frank Lichtenberg, „und auch bei der Nummer 5000 sieht es noch gut aus.“ Schleifspuren Fehlanzeige. Selbst per Satellit könnten Spiderman und Co. dann in die Säle geschickt werden, so wie sie es im Cinemaxx schon jetzt mit den Opern-Übertragungen aus der Met in New York machen. Noch steht Schneewittchen säuberlich aufgespult an der Wand, als analoge Rolle.

Die Zukunft

Der Blick hinter die Kulissen im Cinemaxx gibt den Blick in Gegenwart und Zukunft des Kinos frei, während die Gruppe der WAZ-Leser in Nostalgie schwelgt: an 35 Millimeter-Filme, wie sie noch Standard sind, an 70 Millimeter-Extrem-Breitwand, längst ausgestorben. Da erinnert sich einer der Teilnehmer, wie er in jungen Jahren die Filmrollen mit dem Handkarren zu einem der damals noch allgegenwärtigen Vorort-Kinos transportierte: „Heute ist da ein Drogeriemarkt drin.“

Die Zeiten wandeln sich. Horst Eberhard Schneider, Filmvorführer vor vielen Jahren auch er, weiß noch, wie leicht entzündlich Zelluloidfilm noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts war. Und heute: Ist es für die Gruppe oft das Pantoffelkino anstelle des richtigen. Und bald: Wenn das Cinemaxx vollständig digital läuft, muss zum Start der Kinowoche am Donnerstag einmal das Programm eingestellt werden, der Computer ersetzt den Vorführer. „Ich könnte hier stehen und mit einem I-Phone den Film starten“, sagt Lichtenberg. „Die Technik bleibt nicht stehen“, sagt Besucher Klaus Voßgätter und staunt. Im Kino rennt sie gerade.

Das Kino

Zwei Vorführtrakte, 16 Säle, über 5000 Plätze. Essens Cinemaxx ist das größte Kino der Kette, immer noch sogar Deutschlands größtes Multiplex-Theater. Und die Gruppe investiert. Drei Millionen Euro steckt das Cinemaxx in diesem Jahr in den Standort Essen. Dafür gibt es: die Voll-Digitalisierung, neue Leinwände, allein die zum Stückpreis von rund 20 000 Euro, und einen renovierten und ausgebauten First Class-Saal, mit verstellbaren Ledersesseln und Service am Platz - gegen einen satten Zuschlag. Karten kosten ab 13 Euro pro Person. Zumindest zur Probe nimmt die Gruppe Platz - und ist begeistert.

Der Theaterleiter

„Das Rattern der Projektoren...“, sagt Theaterleiter-Assistent Frank Lichtenberg und hält inne, „das ist die Nostalgie für den Filmvorführer.“ Seit Anfang des Jahres lenkt er die Geschicke des Essener Hauses, nach Stationen in Multiplexen in Oberhausen, Dortmund und Hagen. Angefangen hat Lichtenberg, der Industriedesign studiert hat, als Filmvorführer in einem Programmkino in Wuppertal. „Kino“, sagt Lichtenberg, „kann man nicht lernen.“ Kino muss man leben. Analog oder digital. Nur Stillstand ist verboten.