Kindertheater-Spektakel mit Zaubertrank und dickem Kater

Thomas Büchel (li.), Floriane Kleinpaß, Alexey Ekimov, Ingrid Domann, Aless Wiesemann in „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch".
Thomas Büchel (li.), Floriane Kleinpaß, Alexey Ekimov, Ingrid Domann, Aless Wiesemann in „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch".
Foto: Martin Kaufhold
„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ im Grillo-Theater: Eine Zauberposse mit phantastischen Bühnenbildern, Knalleffekten und Live-Musik.

Essen.  Es gibt schon ein paar Menschen, denen man das Rezept für den satan­archäolügenialkohöllischen Wunschwunsch nicht unbedingt verraten möchte, weil sie damit vielleicht so ähnlich dumme Sachen anstellen würden wie dieser Beelzebub Irrwitzer. Um kurz vor zwölf noch mal eben die Welt untergehen lassen, mit Klimakatastrophe, Artensterben und was den Planeten sonst noch plagt, das scheint heute keine völlig abwegige Vision mehr zu sein. Michael Ende hat daraus ein Kindermärchen gemacht, das ja schon beim Aussprechen echte Zauberkräfte verlangt: „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ geht als weihnachtliches Schul- und Familienstück über die Grillo-Bühne. Viele der über 40 Vorstellungen sind schon nahezu ausverkauft.

Entsprechend groß ist der Ausstattungsaufwand. Bühnenbildner Fabian Lüdicke hat aus der Villa Alptraum eine faszinierende Zauberzeitmaschine gemacht, voller Aufgänge und Klappen, Hubpodien und Behälter, die an Tim Burtons bizarre Leinwand-Welten erinnern. Es pufft, es zischt und knallt. Und wenn es nicht gerade Geldscheine rieselt oder Goldglimmer oder Schnee, dann geht’s per Zauberlift in die vierte Dimension.

Die Bühnentechnik läuft auf Hochtouren, um Endes Endzeitmärchen mit Happy End in Schwung zu bringen, das Regisseurin Anne Spaeter auf schulfreundliche 90 Minuten (mit Pause) verdichtet hat. Doch die temporeiche Inszenierung hat trotz all der phantastischen Ideen und aufwendigen Kostüme (Anna Koltermann) manchmal etwas Schwierigkeiten, die komplexe Geschichte mit ihren bösen Antihelden und der zungenbrecherischen Wissenschafts-Lyrik auch kindgerecht-humorvoll und verständlich aufzubereiten.

Erzählerisch und musikalisch muss die Inszenierung erst mal Fahrt aufnehmen, wenn die Hamburger Band „Tante Polly“ den Silvester-Countdown eingongt. Nur wenige Stunden bleiben dem verschrobenen Irrwitzer noch, um sein Soll an bösen Zaubertaten zu erfüllen. Der höllische Gerichtsvollzieher Made (Jan Pröhl) sitzt ihm bereits im Nacken, dann rückt auch noch Tante Tyrannja Vamperl an, um mit dem Neffen das geheime Wunschpunsch-Rezept zu komplettieren. Eigentlich könnte ihr höllischer Plan nun umgesetzt werden. Wenn da nicht noch Rabe Jakob Krakel und Kater Maurizio di Mauro wären, die vom Hohen Rat der Tiere eingeschleust wurden, um den gewissenlosen Giftmischern in letzter Minute das Handwerk zu legen. Und St. Sylvester sei Dank gibt es bei dieser Rettungsaktion auch noch viel zu lachen.

Floriane Kleinpaß und Alexey Ekimov fungieren als ungleiches Doppel mit Rabenschnabel und Katzenfell. Thomas Büchels Irrwitzer ist ein Zauber-Zausel alter diabolischer Schule, dessen Outfit an Doc Brown aus „Zurück in die Zukunft“ erinnert. Und Ingrid Domann ist eine glitzernde Geldhexe, die vermutlich selbst Notenbank-Bossen Respekt einflößen würde.

Trotz aller Magie der Vorlage dürften aber gerade sehr junge Zuschauer von dieser Zauberposse ein wenig überfordert sein.

 
 

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