„Wir wollen keine Sekundarschule“

Kai Süselbeck
Schüler der Realschule, Eve Chairmaine Richter, Anna Hohmann, Tim Oberhoff, Chris Julian Kaiser und Daniel Küpperkoch mit dem stellv.Schulleiter Wolfgang Gradtke, dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Jörg Kaiser und seiner Stellvertreterin Tanja Hohmann.
Schüler der Realschule, Eve Chairmaine Richter, Anna Hohmann, Tim Oberhoff, Chris Julian Kaiser und Daniel Küpperkoch mit dem stellv.Schulleiter Wolfgang Gradtke, dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Jörg Kaiser und seiner Stellvertreterin Tanja Hohmann.
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Bei den Anmeldungen zum laufenden Schuljahr hat die Realschule Kettwig einen Schuss vor den Bug bekommen. Erstmals seit Jahren konnte die Schule mit 51 statt sonst 70 Fünftklässlern nur zwei Eingangsklassen bilden. Schulleitung und Schulpflegschaft steuern gegen: Sie wollen das Profil ihrer Schule schärfen und kämpfen um bessere Lehrerausstattung, Gebäudesanierung und mehr Qualität zum Beispiel durch eine Kooperation mit dem Theodor-Heuss-Gymnasium (THG). Das Elternvotum ist deutlich: „Wir wollen keine Sekundarschule“, sagt die Pflegschaftsvorsitzende Tanja Hohmann. „Wir wollen genau in die andere Richtung.“

Die Debatte um die Sekundarschule hat der Realschule ebenso geschadet wie die Rücknahme der Schulempfehlungen. So bewerten die Schulpflegschaftsvorsitzenden Jörg Kaiser und Tanja Hohmann den Rückgang der Anmeldungen, und Konrektor Wolfgang Grandke stimmt dieser Analyse zu. „Die Sekundarschule wird ihr Etikett als Resteschule so schnell nicht mehr los. Und das ist in Kettwig ein KO-Kriterium.“ Jörg Kaiser fügt hinzu: „In Kettwig wird ja nicht gefragt, auf welche Schule schickst du dein Kind, sondern: auf welches Gymnasium?“ Die Realschule hat bisher gut dagegen halten können mit einer starken Berufswahlvorbereitung und guten Abschlüssen. Kaiser: „Mehr als die Hälfte unserer Schüler gehen ab mit einer Qualifikation für die Sekundarstufe 2“ Der Ruf der Schule ist immer sehr gut gewesen.“ Er muss es wissen, er ist selbst dort zur Schule gegangen.

"Großer Schritt nach vorn"

Um das Profil der Realschule weiter zu schärfen, müssen Schulleitung und Eltern um mehr Lehrer kämpfen. Der Einbruch ist nicht so stark wie beim THG (siehe unten), aber an der Brederbachstraße können durch Versetzungen, Mutterschutz und Langzeiterkrankungen derzeit nur 540 von 700 Wochenstunden gegeben werden. „Die Hauptfächer sind abgedeckt“, versichert Grandke. Aber: „Es gibt Klassen der Jahrgangsstufe 10, die haben nur noch 23 Wochenstunden“, berichtet Jörg Kaiser. Die Eltern sind bei der Bezirksregierung in Düsseldorf wegen neuer Lehrerstellen vorstellig geworden. Kaiser: „Wenn wir jetzt nicht aktiv werden, bekommen wir zum Februar keine Stellen.“

Erfolge meldet die Schule bei der Gebäudesanierung: Die Dachdecker sind endlich da, um das Dach zu isolieren. Die Isolierung der Wände des Neubaus ist beschlossene Sache, und die Fenstersanierung ist ausgeschrieben. Jetzt kümmern sich Förderverein und Eltern um die Schulhofgestaltung und ein neues Klettergerüst für die Fünft- und Sechstklässler im Altbau.

Einen „großen Schritt nach vorn“ (Jörg Kaiser) versprechen sich die Eltern von der geplanten Zusammenarbeit mit dem Gymnasium. Die Gespräche laufen, aber das Ergebnis müssen die Schulkonferenzen beider Schulen noch absegnen.