Wer versteht diesen Rechts-Pfeil?

Martin Spletter
Ein Rechtsabbieger-Schild weist in die einzige mögliche Richtung, die Heckstraße zu befahren – nur: Das Schild richtet sich nicht an Autofahrer.
Ein Rechtsabbieger-Schild weist in die einzige mögliche Richtung, die Heckstraße zu befahren – nur: Das Schild richtet sich nicht an Autofahrer.
Foto: Martin Spletter
Seit wenigen Tagen sorgt ein neues Verkehrsschild an der Wigstraße in der Werdener Altstadt für Verwirrung. Was es mit diesem Rechtsabbieger auf sich hat.

Essen-Werden.  Ein Verkehrsschild mit einem Rechtsabbieger-Pfeil ist vor einigen Tagen an der Wigstraße in Werdens Altstadt angebracht worden. Das löst bei vielen Bürgern Erstaunen aus – denn es steht entgegengesetzt zur zulässigen Fahrtrichtung. Keine zehn Meter entfernt steht das entsprechende Einbahnstraßenschild.

In den sozialen Netzwerken im Internet ist prompt von einigem Unverständnis die Rede; selbstverständlich dürfen auch schlüpfrige Anmerkungen nicht fehlen; die Schilder stehen schließlich vor einem Geschäft für Damen-Unterwäsche.

Pfeil gilt für Radfahrer

Dabei ist der Sachverhalt gar nicht grotesk: Der blaue Pfeil richtet sich tatsächlich ausschließlich an Radfahrer, nicht an Autofahrer. Denn die dürfen – diese Zeitung berichtete ausführlich im Oktober 2015 – seit dem letzten Herbst die Wigstraße auch in die Gegenrichtung befahren.

Diesem Beschluss der Stadtverwaltung ging eine intensive Diskussion voraus. Stadtweit gibt es mittlerweile 280 Einbahnstraßen, die von Radlern auch in der Gegenrichtung befahren werden dürfen. Der Bezirk 9 (Werden, Kettwig, Bredeney) gehört zu den Stadtteilen, die lange grundsätzlich gegen diese Maßnahme waren. Radverkehr-Befürworter halten stets dagegen, dass es faktisch so gut wie keine Unfälle mit Radler-Beteiligung in diesen Einbahnstraßen gibt.

Und so musste sich auch die Bezirksvertretung 9 fügen, nachdem das städtische Rechtsamt befunden hatte, dass für die Öffnung von Einbahnstraßen nicht die jeweilige Bezirksvertretung, sondern die Stadtverwaltung zuständig sei. Und so wurde die Wigstraße geöffnet – nicht komplett, weil oben, an der Propsteistraße, eine Ampel den Verkehr regelt. Doch Radler dürfen seit dem letzten Herbst ab der Höhe Dudenstraße die Wigstraße herunterrollen – und unten, an der Kreuzung Heckstraße, müssen sie dann rechts – denn auch die Heckstraße ist eine Einbahnstraße.

Jene ist übrigens nicht geöffnet worden – in der Verwaltung heißt es, diese sei für Radler in Gegenrichtung tatsächlich zu gefährlich, das liege vor allem an den vielen Parkplätzen und dem Lieferverkehr.

Heckstraße wurde nicht geöffnet

Doch was entsprechend noch fehlte, war ein Schild, das die Radler an der Kreuzung Heckstraße darauf hinweist, dass sie nur nach rechts dürfen. Das ist jetzt montiert worden.

Das Rechtsamt hat jetzt nochmal bekräftigt: Einbahnstraßen sind grundsätzlich für den Radverkehr in Gegenrichtung zu öffnen, wenn „die Rahmenbedingungen“ es zulassen. Stimmen an der Wigstraße die Rahmenbedingungen? Bürgerverein und Ortspolitiker halten den Entschluss der Öffnung für falsch, finden die Straße zu eng. Die Stadtverwaltung sah und sieht das bekanntlich anders.

Streit um die Wigstraße zieht sich seit Jahren

Das Rechtsamt hat in einem Gutachten, das am Dienstag erneut Thema in der Bezirksvertretung war, noch einmal bekräftigt: Der Normalzustand ist der, dass Radler Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren dürfen – nicht umgekehrt.

Die Diskussion um die Wig-straße zieht sich bereits seit zwei Jahren. Viele Bürger beobachten dort auch seit der Öffnung viele gefährliche Szenen.