Wenn Tanzen auf dem Stundenplan steht

Improvisationen standen beim Tag der offenen Tür im Tanzhaus auch auf dem Programm - Mariko Hönes konzentriert sich auf jede Bewegung.
Improvisationen standen beim Tag der offenen Tür im Tanzhaus auch auf dem Programm - Mariko Hönes konzentriert sich auf jede Bewegung.
Foto: WAZ
Das Gymnasium Essen-Werden lud zum Tag der offenen Tür ein. Auch die 15-jährige Mariko Hönesprobt fünfmal in der Woche.

Essen-Werden. Im Jahr 2000 wurde der im Mai 1968 stillgelegte, von da an „alte“ Bahnhof im Löwental als Tanzhaus des Gymnasiums Werden eröffnet. Beim diesjährigen Tag der offenen Tür gibt es Informationen, Verkaufsstände mit Tanzutensilien, eine üppig bestückte Cafeteria der Eltern.

Nicht nur Schulleiterin Felicitas Schönau mit ihren Enkeltöchtern eilt durch die Flure, keiner möchte etwas verpassen: In drei Sälen beweisen die Tanzeleven ihr Können.

Für „Improvisation“ hatte Erika Winkler mit ihrer 10. Klasse eine kleine Choreografie einstudiert. Die zehn Mädchen und der eine junge Herr schreiben mit Gelenken und Körperteilen Bögen und Kreise in den Raum, schieben sich über den Boden in eine Ecke des Saales. Zum Aufwärmen soll das Publikum mitmachen, Kommandos geben. Den Zuschauern und den Schülern macht es Spaß, miteinander zu kommunizieren.

Eine der Tänzerinnen ist die 15-jährige Mariko Hönes aus Bredeney. Seit sie denken kann, liebte sie so bekannter Stücke wie „Dornröschen oder Nussknacker“. „Viele Mädchen fangen früh an, ich war auch erst fünf Jahre alt, als ich in eine private Ballett-Schule ging. Immer schon war ich fasziniert vom Tanztheater, schon als kleines Kind habe ich Schwanensee geliebt. Ich glaube aber, das war eine entschärfte Version. Meine Mutter hat mich da bestimmt nicht gedrängt, der Wunsch kam von mir selbst, es hat mich zum Ballett hingezogen.“

Die private Ballettschule bot Mariko einmal wöchentliches Training, später zweimal, dann dreimal die Woche… „Irgendwann bin ich da aber rausgewachsen.“ Im zweiten Halbjahr der achten Klasse wechselte Mariko Hönes wegen des Tanzens ans Gymnasium Werden. Nun ist sie im zehnten Schuljahr, erhält fünfmal in der Woche Training. Vor großen Aufführungen wird es noch intensiver, dann wird auch an den Wochenenden geprobt.

Auf die Frage nach verbleibender Zeit für Freunde und andere Hobbies neigt Mariko nachdenklich den Kopf: „Stimmt schon, man hat vor allem viele Freunde beim Tanz. Ist halt eine Zeitfrage. Aber gerade an den Wochenenden treffe ich mich auch mit anderen Freunden.“ Sie spielt gerne Klavier, treibt generell viel Sport, doch eines überstrahlt alles: „Tanzen macht man so gerne, da investiert man auch viel.“

Wie verträgt sich das zeitintensive Training mit der Schule? Kein Problem für den selbstbewussten Teenager, der sich seiner sozialen Bindungen sicher sein kann: „Wir haben genügend Pause zwischen Unterricht und Tanztraining, da helfen wir uns gegenseitig bei den Hausaufgaben. Das klappt gut.“

Mit dem Tanz-Leistungskursdas Abitur machen

Ob sie sich als gute Schülerin bezeichnen würde? „Ob ich eine bin, weiß ich nicht. Ich würde sagen, zufriedener Durchschnitt.“ Gedanken an eine steile Karriere oder ans abrupte Ende verschwendet sie keine: „Ich bin zwar nicht ganz sicher, ob ich nach der Schule weiter mache. Aber man schmeißt ja auch nicht einfach hin. Auf jeden Fall möchte ich den Tanz-Leistungskurs belegen und damit mein Abitur machen. Dann sehen wir weiter.“

Über Vorbilder hat sich Mariko noch keine Gedanken gemacht, es gibt halt nicht so etwas wie den „Christiano Ronaldo des Balletts“. Allerdings kann sie sich schon hineinträumen, wenn sie eine Aufführung etwa des Londoner „Royal Ballet“ bestaunt: „Dann sieht man sich schon in der Hauptrolle…“

Dass Träume nicht Schäume bleiben müssen, beweisen die vielen Werdener Absolventen, die es „geschafft“ haben. Eine stolze und gute Tradition. Aber eine schwere Verletzung kann alle Utopien beenden: „Da habe ich bisher Glück gehabt, hatte erst einmal eine hartnäckige Entzündung am Fuß. Lange musste ich pausieren, da war ich noch jünger. Blasenpflaster und Gelkissen sind bei uns Standard. Aber ich vergesse alles, wenn ich tanze. Ich bin dann so vertieft…“

Eine Gruppe führt die Choreographie auf, die andere improvisiert, begleitet zunächst, „stört“ dann die Bewegungen der Mitschüler. Lässt sich vom Partner inspirieren, nimmt den Dialog auf, hält fest, stellt oder legt sich in den Weg, stößt, drückt nieder, verdreht…sehr anrührend und beeindruckend. Mittendrin Mariko Hönes. Sie strahlt.

 
 

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