Wenn Integration funktioniert

Teresia Peluso und Apostolos Dochtsidis mit den Töchtern Anastasia (12) und Luisa (8) betreiben in Werden das Restaurant Cavallino Rosso. Links im Bild: Koch Nino di Stefano.
Teresia Peluso und Apostolos Dochtsidis mit den Töchtern Anastasia (12) und Luisa (8) betreiben in Werden das Restaurant Cavallino Rosso. Links im Bild: Koch Nino di Stefano.
Foto: WAZ Fotopool

Essen-Heidhausen.  Die zwölfjährige Anastasia Dochtsidou ist schon ganz ungeduldig: „Ich kann es kaum erwarten, später im Restaurant meiner Eltern mitzuarbeiten.“ Ihre Schwester Luisa, acht, „überlegt“ und weiß es noch nicht genau, ob sie das auch will. Die beiden Geschwister haben italienisches Blut - von ihrer Mutter - und griechisches - von ihrem Vater - in den Adern. Ihre Großeltern sind vor Jahrzehnten als sogenannte „Gastarbeiter“ nach Deutschland gekommen.

Der Vater arbeitete beider Tuchfabrik Scheidt in Kettwig

Die drei Generationen sind ein gutes Bespiel für gelungene Integration. Anastasios und Kiriaki Dochtsidis kamen 1970 von Griechenland nach Deutschland. Dabei hatten sie ihren einjährigen Sohn Apostolos. Der noch lebende Vater, heute schon im Rentenalter und wieder zurückgekehrt in seine Heimat, fand sehr schnell eine Arbeit in der Scheidtschen Tuchfabrik in Kettwig. „Dort waren bestimmt bis zu 90 Prozent Griechen beschäftigt - und in Kettwig gab und gibt es eine kleine griechische Kolonie“, erinnert sich der heute 43-jährige Apostolos. Er spielte mit seinen Freunden in den Ruhrwiesen und lernte in der Schule akzentfrei deutsch zu sprechen. Außerdem kann er fließend Griechisch, Italienisch umd Englisch parlieren. „Apo“, wie er genannt wird, kann sich mit seinem italienischen Personal und seinen deutschen Gästen in der jeweiligen Landessprache unterhalten.

Bis zum 25. Lebensjahr servierte er beim „Nobel-Italiener“ Gallo in der Essener City. „Dann habe ich mehr gewollt.“ Und eröffnete, zunächst mit einem Teilhaber, das heute in eigener Regie geführte „Ristorante Cavallino Rosso“ an der Velberter Straße in Heidhausen, dessen gemütliche Räumlichkeiten durch eine geschützteTerrasse und eine Kegelbahn komplettiert wird.

„Wir haben ein treues Publikum“ resümiert Dochtsidis: „Manchen von ihnen habe ich früher eine kleine Pizza serviert, heute kommen sie und bestellen ein Gericht für die eigene Hochzeit oder für die Taufe ihrer Kinder.“

Seine Küche bereitet gehobene Kost zu: Auf der Speisekarte stehen anspruchsvolle Fisch-, Fleisch- und Teiggerichte, dazu werden appetitliche Vorspeisenteller und erlesene Weine angeboten. Die Devise von Chefkoch Nino di Stefano, 27, der im fünften Jahr im „Cavallino Rosso“ tätig ist und sich gerne mit den Gästen austauscht: „Vom Salat bis zum Büfett muss alles erste Qualität und mit Herzblut geschmacklich und optisch zubereitet sein.“ „Dabei ist es wichtig, sowohl die klassischen Gerichte zu bewahren als auch an Neues zu denken und auszuprobieren.“

Zunächst zur Aushilfe stellte Apostolos Dochtsidis seine spätere Frau Teresia Peluso ein, deren italienische Eltern bis heute in Essen wohnen. Sie ist im Katholischen Krankenhaus in Werden geboren, wo auch die Töchter das Licht der Welt erblickten. „Ich bin hier aufgewachsen und fühle mich als Deutsche“ sagt sie und fügt an: „Ich bin da zu Hause, wo die Menschen sind, die ich liebe.“

Die 41-Jährige besuchte das Mariengymnasium, lernte nach dem Abitur Industriekauffrau beim Holzunternehmen Döllken, studierte Betriebswirtschaftslehre, ließ sich zur Fremsprachenkorrespondentin ausbilden und übte eine Tätigkeit als Vorstandsassistentin bei der Firma Haniel in Duisburg aus. Viersprachig ist sie: Französisch, Englisch, Italienisch und natürlich Deutsch gehören zu ihrem kommunikativen Repertoire. 1999 nach der Heirat kümmerte sie sich hauptsächlich um die Familie.

Vor kurzem sind die Dochtsidis in ihr Haus nach Heidhausen gezogen. 2014 Jahr feiern sie mit dem „Ristorante Cavallino Rosso“ das 20-jährige Bestehen. Darauf werden sie mit ihren Gästen anstoßen.

 
 

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