Weg zur Ruhr soll Brandgassenstiege heißen

Sabine Moseler-Worm
Zwischen Ruhrstraße und Promenadenweg liegt die Brandgassenstiege.
Zwischen Ruhrstraße und Promenadenweg liegt die Brandgassenstiege.
Foto: WAZ FotoPool

Essen-Kettwig.  Vor gut drei Jahren konnte Gerd Rucki das Elend nicht mehr sehen - der viel genutzte Weg von der Ruhrstraße zum Promenadenweg, zwischen Kirche und Kindergarten, war völlig verwahrlost. Links und rechts der Treppenstufen wucherte nur Unkraut. Der Kettwiger, ein leidenschaftlicher Hobbygärtner, lamentierte nicht lang, sondern packte an. Will heißen: Er entfernte das Unkraut, grub Wurzeln aus. Knochenarbeit war das allemal. Und dann pflanzte er. Jede Menge Hortensien, Buchsbaum, kleine Nadelgehölze, Kapuzinerkresse, Phlox, Eisbegonien und, und...

Als Abschluss dann noch eine dicke Schicht Rindenmulch. Hält das Unkraut fern und sorgt dafür, dass der Boden nicht austrocknet. Viele Pflanzen bekam er zwar geschenkt, aber einige Euros zahlte Gerd Rucki auch aus eigener Tasche. Die vielen Stunden Arbeit, die er ehrenamtlich für die Pflege investierte, nicht mitgerechnet.

Ein Lohn für seine Mühen: Der Heimat- und Verkehrsverein hat im Rahmen seiner Jubiläumsfeiern zum 125-jährigen Bestehen zu einem Wettbewerb aufgerufen. Die Kettwiger sollten den passenden Namen für den Weg suchen. Und zum Bürgerfest vor knapp zwei Wochen wurden die Sieger gekürt - Brandgassenstiege soll er heißen. Günter Voss von den Kettwiger Museums- und Geschichtsfreunden machte das Rennen. HVV-Vorsitzender Martin Kryl überreichte ihm auf der Bühne als Gewinn einen HVV-Reisegutschein.

Wie sollte es auch anders sein: Der Name, den Günter Voss vorgeschlagen hat, hat einen historischen Hintergrund. Dem Protokollbuch der Stadt Kettwig aus dem Jahr 1847 ist zu entnehmen: „...Herr Julius Scheidt hat am Ende der Straße, die von Eigemann in der Wolfshütte nach der katholischen Kirche führt und daselbst in die sogenannte Brandgasse mündet, ein Thor setzen und solches schließen lassen. Wir können dies durchaus nicht zugeben, denn es ist allbekannt, dass der von da an zwischen den Hecken durch nach der Ruhr führende Weg stets als Brandgasse dagelegen hat, durch welche der obere Theil der Stadt bei Brandunglück das Wasser von der Ruhr holen konnte...“

Die Recherchen von Günter Voss ergaben, dass die damals geplante Sperrung der „Brandgasse“ wohl Teil der Baumaßnahmen zur Villa Ruhrstraße 91 (heute Kindergarten St. Peter) war.

Sein Vorschlag machte also das Rennen - und jetzt ist die Politik an der Reihe, denn ein ordentliches Straßenschild soll die Brandgassenstiege auch bekommen. Martin Kryl: „Ich habe schon im Vorfeld mit Bezirksbürgermeister Michael Bonmann gesprochen. Er steht unserem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber.“