„Tiffy Tüll“, Charakter- und Klinikclownin

Im Gänsemarsch: Clownin „Tiffy Tüll“ alias Swantje Eggen macht sich mit ihren neuen „Mitarbeitern“ von der Kita St. Peter auf ins St. Josefshaus.
Im Gänsemarsch: Clownin „Tiffy Tüll“ alias Swantje Eggen macht sich mit ihren neuen „Mitarbeitern“ von der Kita St. Peter auf ins St. Josefshaus.
Foto: WAZ
Die 43-jährige Swantje Eggen alias „Tiffy Tüll“ bereitet Vorschulkinder darauf vor, Senioren im benachbarten St. Josefshaus eine große kleine Freude zu machen

Essen-Kettwig..  Auf der Matte im Turnraum der Kita St. Peter sitzen Rieke, Clemens, Antonina, Cord und Lenz. Sie haben an diesem Morgen Clownsunterricht. Zum ersten Mal. Swantje Eggen bereitet die Vorschulkinder auf einen ganz besonderen Auftritt vor, denn in wenigen Minuten geht es ins benachbarte Altenheim St. Josefshaus. Das kennen die Kinder gut, denn dort essen sie täglich zu Mittag.

Swantje Eggen erklärt ihr Konzept, das nach einer Probestunde bei der Katholischen Kirchengemeinde Anklang fand und aus dem Etat finanziert wird. „Ich spiele auch noch in einer Gruppe Clowninnen, den Zambalas. Und eine der Frauen hat in Stuttgart so etwas Ähnliches gemacht. Mir hat der Gedanke gefallen, die Kinder und die alten Menschen zusammenzubringen. Schließlich geht Lebendigkeit doch nicht verloren, nur weil man sich nur noch schlecht bewegen kann.“

Unterricht im 14-Tage-Rhythmus

Geboren ist die 41-Jährige in Kettwig, lebt heute in Holsterhausen und ist Charakter- und Klinikclownin. „Ich kann nicht zaubern und mache auch keine Knoten in Luftballons. Ich will mit den Menschen in Kontakt treten und Freude schenken. Das Künstlerische ist mir dabei sehr wichtig.“ Der Kontakt zur Kita St. Peter kam übrigens durch ihre Mutter zustanden, die einst selbst einmal einen Kindergarten in Kettwig leitete – die katholische Einrichtung St. Matthias in Auf der Höhe.

Swantje Eggen wird nun in einem lockeren 14-Tage-Rhythmus wechselnden Kindern Clownsunterricht geben und anschließend mit der kleinen Gruppe die Senioren besuchen. Bevor die Kinder in den Turnraum kommen, verwandelt sich die ausgebildete Sonderpädagogin in „Tiffy Tüll“. Sie schminkt sich, steckt sich eine große Schleife ins Haar, zieht ein Kleid mit Punkten an, eine Ringelhose und Puschen mit Tupfen. Dann noch eine dicke rote Schaumstoffnase und die Stimme immer mindestens eine Oktave höher und schön piepsig.

Rote Nasen, Ringeshirts

Die Kinder hat sie schnell auf ihrer Seite, geht auf jede Regung ein, spiegelt die noch zurückhaltenden Reaktionen.

Der Clownsgang wird geübt, die Kinder bekommen Ringelshirts und einen Clownkoffer. Und mit Lippenstift eine rote Nase gemalt. Aus der anfänglichen Zurückhaltung ist schnell großes Interesse geworden. „Ich sage den Kindern, dass sie, wenn sie denn wollen, Clown sein können. Ich überrede keines der Kinder. Wenn sie mögen, dann können sie auch einfach nur zuschauen.“

Nur zuschauen will an diesem Morgen aber keiner der Nachwuchs-Clowns. Im Gänsemarsch geht es über die Ruhrstraße ins Altenheim. Wo müssen wir denn hin? „Tiffy Tüll“ fragt mit Quietschestimme am Empfang. 4. Etage. Die Kinder kennen den Weg. „Wir müssen dahin, wo es laut ist.“ Stimmt. Ein Käfig voller Wellensittiche weist den richtigen Weg. Noch eine Etage höher und dann in einen kleinen Saal. Rund 20 Seniorinnen sitzen und warten bereits. Auf „Tiffy Tüll“ und die Nachwuchsclowns aus der Kita. Rieke nimmt sofort Kontakt zu einer alten Dame auf. Cord und Lenz möchten gern Rad schlagen. Nichts ist geplant, alles geschieht einfach. Viel Gelächter, die alten Leute singen mit, die Kinder sind entspannt. Keine Frage: Das Konzept funktioniert.

Aus „Tiffy Tüll“ wird in knapp einer Stunde wieder Swantje Eggen. Sie liebt die Arbeit mit den Kindern, „aber ich werde auch oft für Erwachsene gebucht. Zu Geburtstagen, Hochzeiten“. Der Spaß, den sie bringt, ist zart, keine Schenkelklopfer. Am Abend dieses Tages werden „Tiffy Tüll“ und die Nachwuchs-Clowns sicher Thema sein. Bei den Senioren im Altenheim und bei den Kita-Kindern.

 

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