So geht Integration – in Essen-Werden

Schnell waren 15 Mitstreiter aus dem Zeltdorf Am Volkswald gefunden: So konnte das traditionelle Mixedturnier des SC Werden-Heidhausen im Löwental am Wochenende doch noch stattfinden.
Schnell waren 15 Mitstreiter aus dem Zeltdorf Am Volkswald gefunden: So konnte das traditionelle Mixedturnier des SC Werden-Heidhausen im Löwental am Wochenende doch noch stattfinden.
Foto: Daniel Henschke
Die Kreisliga-Kicker des SC Werden-Heidhausen luden zu ihrem traditionellen Mixed-Turnier 15 Flüchtlinge aus dem Zeltdorf am Volkswald ein.

Essen-Werden..  Manchmal ist alles ganz einfach. Das zum Saisonauftakt schon traditionelle Mixed-Turnier der Werdener Fußballer drohte auszufallen. Irgendwie waren nicht genug Meldungen eingegangen, der Vorstand des SC Werden-Heidhausen zog die Reißleine, sagte das eigentlich durchaus beliebte Stelldichein kurz vor Beginn der Meisterschaft ab. Doch dann wendete sich alles zum Guten.

Das Prinzip ist einfach: Die fünf Seniorenmannschaften des immerhin drittgrößten Essener Fußballvereins stellen Spieler, die dann bunt durcheinander gemischt werden und so völlig neuformierte Mannschaften bilden. Da spielt der Stürmer aus der Ersten mit dem Abräumer der Dritten, die bei den Alten Herren als Dauerläufer bewunderte Pferdelunge muss feststellen, dass so ein 20-Jähriger aus der Reserve auch gut zu Fuß ist. Dafür sieht der jugendliche Torwart mal „live und in Farbe“, was so ein höchst routinierter Schlussmann noch an Paraden auf Lager hat. Alles betont fair und oft sehr lustig anzuschauen. Doch es drohte „mangels Masse“ das Aus. Da nahmen Sebastian Paas und Christoph Steinmetz aus der zweiten Mannschaft erst ihr Herz und dann die Organisation in die Hand. Über die sozialen Netzwerke wurde getrommelt, so fanden sich immerhin noch 20 Mitspieler.

Nun kam Alfred Höltgen ins Spiel. Er ist als Koordinator für Sportverbund Werden-Ruhr und „Werden hilft“ federführend zuständig für die Bemühungen, den Flüchtlingen mit sportlichen Angeboten ein wenig Abwechslung im grauen Alltag zu bieten.

Ungezwungener Kontakt

Freudig nahm Höltgen die Einladung an, informierte die Menschen im Zeltdorf Am Volkswald, als ehemalige Spielstätte den Kickern ohnehin besonders ans Herz gewachsen. Schnell waren 15 Mitstreiter gefunden, aus Syrien, dem Irak, Schwarzafrika. Allesamt recht jung, sehr sportlich und ganz wild auf Fußball. Teilweise echte „Fummelbuxen“, doch am Leder können sie was, so allgemeiner Tenor. Ein anderer Aspekt freute Höltgen umso mehr: „Wir trainieren mit unserem FC Volkswald zweimal in der Woche hier im Löwental. Aber da sind die Jungs immer nur unter sich, heute können sie jedoch ganz ungezwungen Kontakt zu deutschen Gleichaltrigen mit gleichen Interessen aufnehmen.“

Auch überwindet Sport bekannterweise im wahrsten Sinne des Wortes „spielerisch“ sämtlichen sprachlichen und eventuell auch kulturellen Hürden. Dies gelang bestens, auf zwei Kleinfeldern rangen fünf Teams um den Einzug ins große Finale, welches nach gelungenen Kombinationen und prächtigen Toren mit 2:0 endete. Paas und Steinmetz übergaben die blitzschnell noch organisierte Trophäe, mit großer Freude präsentierte das Siegerteam den Pokal, dann stellten sich Einheimische und Gäste in bester Laune dem Fotografen. So mancher Mitstreiter, den Sorgen um die Folgen mangelnder Integration durchaus auch umtreiben, dachte sich: „So einfach ist das!“

 

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