Schützen sind jetzt ein Kulturgut

Daniel Henschke
Das Werdener Kaiserpaar Hans-Albert I (Honacker) und seine Frau Brigitte.
Das Werdener Kaiserpaar Hans-Albert I (Honacker) und seine Frau Brigitte.
Foto: WAZ FotoPool
Die Unesco setzt nicht nur Gebäude wie den Kölner Dom auf ihre Weltkulturerbe-Listen. Sternsinger finden sich dort nun auch - und Schützen.

Essen-Werden.  Lange Zeit wurde heiß und sehr kontrovers diskutiert: Kultur oder nicht? Nun bestätigte die Kultusministerkonferenz: Das Schützenwesen in Deutschland ist in das bundesweite Verzeichnis des „immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen.

Die Ursprünge des Schützenwesens reichen oft bis ins Mittelalter zurück. Neben anderen Kulturformen wie etwa Sternsingen oder Kneippen soll auch das Schützenwesen als ideeller Wert der über Generationen überlieferten Kenntnisse und Bräuche verstanden werden.

Ein Relikt der Werdener Schützentradition ist die silberne Königskette, die Abt Bernhardus Bierbaum im Jahr 1784 als Schützenkönig der „Werdener Junggesellen-Frei-Compagnie“ geschenkt hat und die in der Schatzkammer der Basilika aufbewahrt wird. Es gibt Sammlungen mit Urkunden und Dokumenten von 1848 an sowie über 150 Jahre alte Königsorden.

Ausführlich wird auch in der Broschüre „Die Schützenfeste der Stadt und ehemaligen freien Reichsabtei Werden an der Ruhr“ berichtet, welche 1884 vom Werdener Schützen-Verein herausgegeben wurde.

Erste Reaktionen der ansässigen Bürgerschützen-Vereine beweisen den Stolz auf die uralte Tradition, aber auch das ganz konkrete Ringen um den Platz der Bürgerschützen in der modernen Gesellschaft. Klaus Paßgang ist Ehrenoberst des Traditionsbereichs beim BSV Gut Ziel Essen-Werden-Heidhausen: „Traditionelle Grundsätze der Schützen wie Ehre und Treue haben in unseren Augen auch in der heutigen Zeit nichts von ihrer Bedeutung verloren. Das Wirken der ‚Grünröcke‘ in den Vereinen in Werden und Werden-Land ist heute mehr denn je auf die Erhaltung der alten Traditionen ausgelegt. Zum Wohle des Schützenwesens und des Umfeldes, in das es eingebettet ist.“

Paßgang nimmt die Aufnahme in die Liste aber auch zum Anlass, kritisch auf die Problematiken der heutigen Schützenvereine zu blicken: „Die rückläufigen Tendenzen liegen in einer Generationenlücke bei den Zwanzig- bis Vierzigjährigen, die heute nur schwerlich zu schließen ist. Hier sind die wohl bekannten Umfeldeinflüsse und letztlich auch das doch sehr aufwendige Training im Leistungssportbereich zu nennen.“ Paßgang weiter: „Es ist nicht gerade einfach, für die Symbiose von Schießsport und Schützentradition zu werben. Da der Schießsport erst ab einem Alter von mindestens zehn Jahren aktiv betrieben werden darf, haben sich die Heranwachsenden zumeist schon für andere Sportarten - wenn überhaupt - entschieden, werden nur selten Berührungspunkte mit der Schützentradition bekommen und für die Sache begeistert werden können.“

Begeisterung ist genau das Stichwort für den BSV „Gut Schuss“ Essen-Fischlaken 07. Thorsten Gerigk als Vorsitzender und sein Geschäftsführer Jochen Powilleit betonen den gesellschaftlichen Aspekt ihres ehrenamtlichen Engagements: „Wir als Fischlaker Bürgerschützen freuen uns darüber, dass wir nun trotz langer Diskussion endlich zum Kulturerbe gehören. Wir verbinden mit dem Schützenwesen auch die Freude der Besucher über unser sommerliches Fischlaker Dorffest. Hier kann man Nachbarn wiedersehen und Freundschaften schließen, bei einem heimatlichen Fest mit schießsportlichem Wettkampf und sich anschließendem fröhlichen Umzug durch die Gemeinde. Eine schöne Tradition, die auch in einer Großstadt Nachbarschaft lebendig werden lässt, so wird ja mittlerweile auch hier mit Freude ein bayerisches Oktoberfest gefeiert.“

Thorsten Gerigk weiß genau, was für ihn das Besondere an seinem Bürger-Schützenverein ist: „Wo Menschen gemeinsam feiern, wächst eine Gemeinschaft.“