Schüler entwickelt Windelsensor

Der Werdener Schüler Henry Schlemmer präsentiert seinen Windelsenor derzeit im Rahmen des Regionalwettbewerbs von Jugend forscht.
Der Werdener Schüler Henry Schlemmer präsentiert seinen Windelsenor derzeit im Rahmen des Regionalwettbewerbs von Jugend forscht.
Foto: Lars Heidrich
Ist die Windel voll? Zu voll? Kein Problem - ein Sensor schlägt quasi Alarm. Henry Schlemmer, Schüler des Werdener Gymnasiums, hat ihn entwickelt

Essen-Werden.  Der Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ wurde ein Triumphzug für die Tüftler vom Werdener Gymnasium. Gleich zwei Projekte aus der Denkwerkstatt der „AG Physik & Technik“ konnten die Jury überzeugen: Matthias Breier und Michael Müller entwickelten eine Web-App, mit der die Organisation der Bühnentechnik des Hauses besser und vor allem deutlich einfacher kommuniziert werden kann. Und dann gibt es da noch Henry Lemmer und seinen speziellen „Füllstandmesser“...

Dr. Alexander Busse leitet die AG, entspricht so gar nicht dem Bild eines verknöcherten Naturwissenschaftlers, sondern fiebert mit seinen Schülern mit: „Der Windelsensor gehört zu meinen persönlichen Lieblings-Projekten.“

Was gab es nicht in den letzten Jahren für abgefahrene, aber auch vielversprechende Ideen, die in funktionierende Technik umgesetzt wurden: Laubsammler, Kaffeewurfmaschine und die „Watch Smart“, ein Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte. Diesmal ein Windelsensor.

Busse hatte den Stein ins Rollen gebracht: „Die Idee kam durch meine Kinder, die zwei und fünf Jahre alt sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die regelmäßige Kontrolle des ‚Füllstandes‘ der Windeln lästig ist. Es müsste doch möglich sein, dies mit technischen Mitteln zu vereinfachen.“

So kam Henry Lemmer ins Spiel, der bis dato „keine intensive Beziehungen zu Windeln“ hatte. Er entwickelte ein Konzept, dann begann eine aufwändige Entwicklungszeit. Henry verwendet einen Einwegsensor, der in die Windel geklebt und mit dieser nach Gebrauch entsorgt wird. Später könnte er direkt mit der Windel produziert werden. Die Sensoren sind übrigens daraufhin optimiert, sich einfach und preiswert herstellen zu lassen. Zwei Kabel führen aus der Windel heraus in ein kleines Gerät, die sogenannte „Smart Box“. Hier werden die Daten erfasst, aufbereitet und per Bluetooth-Funk versendet. Über eine LED-Ampelanzeige in Rot, Gelb und Grün gibt die Box selbst bereits eine grobe Auskunft über den aktuellen Füllstand der Windel.

Für Empfangsgeräte des Funksignals gibt es zwei Varianten: Eine mobile Version koppelt die Smart Box direkt mit einem Smart Phone. Eine spezielle App kann dann warnen, wenn gerade „etwas in die Windel geht“ oder ein bestimmter Füllstand überschritten ist.

Alternativ könnte ein stationäres „Smart Center“ die Daten von mehreren Sensoren empfangen, auswerten und bündeln. Hier wäre der qualitative Sprung erreicht: Von bloßer Spielerei mit eingeschränktem privatem Nutzen wäre der Windelsensor auf eine ganz andere Ebene gehoben.

Denn durch seine Kinder konnte Dr. Busse für ihn befremdliche, aber auch inspirierende Beobachtungen machen: „In so einer Kita werden etwa alle 90 Minuten die Windeln gewechselt. Diesen Aufwand könnte man reduzieren. Auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen für Senioren oder Menschen mit Behinderungen ist eine regelmäßige Kontrolle kaum realisierbar, so dass zumeist in bestimmten Zeitintervallen einfach alle Windeln gewechselt werden. Das bedeutet vermeidbare Mehrarbeit und auch sehr viel unnötigen Müll.“

Natürlich muss solch eine bahnbrechende Erfindung ausprobiert werden, wie Dr. Busse schmunzelnd zu Protokoll gibt: „Einige Praxistests haben bereits stattgefunden, wobei meine Tochter Madita sich als Probandin zur Verfügung gestellt und so die empirischen Daten geliefert hat.“

Bis Mittwoch läuft der Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ in Leverkusen. Erst heute dürfen die Lehrer dazu stoßen, bis dahin müssen ihre Schützlinge ganz alleine Rede und Antwort stehen, ihr Projekt präsentieren. Der Grund ist ganz einfach, so Dr. Busse: „Die Prüfer möchten halt sehen, dass die Schüler eigene Gedanken entwickeln und nach vorne bringen und nicht einfach das nachquatschen, was ihre Lehrer ihnen eingeflüstert haben.“

Patentanwälte verteilen ihre Visitenkarten

Bewertet wird besonders der potenzielle Nutzen einer Erfindung - nicht ohne Grund lauern Patentanwälte bei solchen Veranstaltungen. Auch Henry Lemmer hat schon deren Visitenkarten in der Tasche. Wie schätzt er seine Chancen ein? Der 16-Jährige bleibt bescheiden: „Ich wäre sehr überrascht, wenn ich gewinnen würde. Ein dritter Platz scheint mir realistisch.“ Das sieht sein Lehrer anders: „Du hast Siegchancen. Ich glaube an Dich, Henry!“

 
 

EURE FAVORITEN