René Sürth: Ein Mann macht in Zweiräder

Händchen und Hingabe: Geht’s um Motorräder und speziell um die Honda CB 750 Four, dann lässt sich René Sürth kein X für ein U vormachen. Fotos:Thomas
Händchen und Hingabe: Geht’s um Motorräder und speziell um die Honda CB 750 Four, dann lässt sich René Sürth kein X für ein U vormachen. Fotos:Thomas
Foto: FUNKE Foto Services
René Sürth kümmert sich um „Charakter Bikes“ und alle anderen Motorräder, sein Bikerherz aber gehört der legendären Honda CB 750 Four.

Essen-Kettwig.  Endlich Sommer, sagt zumindest der Kalender. Auch wenn das Wetter manchmal glauben lässt, dass der April in diesem Jahr mindestens 300 Tage hat, so wird’s doch zunehmend schöner. Zeit für Fahrrad und Freibad, für den Grill, Garten und den Biergarten, für Schuhe ohne Socken oder Erdbeereis mit Sahne. Und Zeit, endlich auch mal das Motorrad aus dem langen Winterschlaf zu wecken, wenn das nicht sowieso schon lange passiert ist.

Einer, der sich ein Leben ohne Motorrad schon lange nicht mehr vorstellen kann, ist René Sürth, 53-jähriger Zweiradexperte mit Kölner Wurzeln. Vor gut zwei Jahren, da ließ der sich an der Ringstraße 207 in der alten Mühlhoff-Schmiede in Vor der Brücke nieder, eröffnete dort seine Ein-Mann-Firma „Charakter Bikes“ – und kümmert sich seitdem um Motorräder. Hochprofessionell und um alle Marken in fast jedem Zustand, sein privates Motorradfahrerherz jedoch gehört einer echten Legende: der berühmten CB 750 Four aus dem Hause Honda, das erste Großserien-Motorrad mit Vierzylinder-Reihenmotor und mit weltweit über 550 000 verkauften Exemplaren ein echter Bestseller.

„Als die 1969 auf den Markt kam, da hat sie einen totalen Boom ausgelöst“, strahlen Sürths Augen, wenn’s um seinen Liebling geht. „Die Engländer wie Norton oder Triumph haben damals doch stets geölt, die BMW-Modelle aus dieser Zeit waren viel zu bieder.“

Natürlich war René Sürth Ende der Sechziger selbst noch ein kleiner Pimpf und kannte die 750Four höchstens aus dem Motorrad-Quartett. Just aber, als Honda die Produktion 1978 einstellte, da fing Sürth an, selbst aktiv über Zweiräder nachzudenken. Mit Mokicks und einer Yamaha RD 50 fing das an, irgendwann aber hatte der junge Mann die Nase voll von kreischenden Zweitaktern. „Seitdem nur noch Viertakter.“

Er lernte von der Pike auf, lange arbeitete Sürth bei Honda in Köln, verliebte sich dann aber hier in Kettwig. Pendeln? Eine Zeit schön und gut, letztlich jedoch auch nichts für die Ewigkeit. Und als er dann rein zufällig an der ehemaligen und unter Denkmalschutz stehenden Mühlhoff-Schmiede vorbeifuhr und mitbekam, dass die zu vermieten war, ging alles recht fix.

Seitdem schraubt René Sürth, er tunt, restauriert, besorgt Teile und löst eigenen Angaben zufolge manche Probleme, die selbst Honda nicht lösen konnte oder wollte. Das brachte ihm in der Szene einen glänzenden Ruf ein, manche Kunden kommen sogar den weiten Weg aus dem tiefsten Münsterland.

Übrigens: Mit den Bikern ist das im Grunde wie mit allen anderen, es gibt „sone und solche“. Die einen fahren auch bei 2 Grad, Schneeregen und das ganze Jahr hindurch, die anderen indes bleiben lieber auf dem Sofa oder wienern das Moped, wenn nur drei mausgraue Wolken am Himmel Niederschlag befürchten lassen oder es vier Tropfen abbekommen hat.

Wie auch immer: Motorradfahren ist nicht nur an beliebten Treffs wie dem „Haus Scheppen“ in Fischlaken irgendwie immer ein Thema – und zwar Marken übergreifend. Viele, die BMW GS oder andere dicke Reise-Dampfer fahren, andere schwören auf Chopper, auf Chrom und Harley Davidson. Dann gibt’s die „Knieschleifer“, die es auf Supersportlern und anderen leichtgewichtigen PS-Monstern richtig krachen lassen, die Kaffeeracer-Kurzstreckenfahrer, die „Kurvenräuber“, die entschleunigten Cruiser, die waghalsige Enduro-Fraktion, die Oldtimer-Freunde und, und, und natürlich die Liebhaber solcher Schätze wie der Kawasaki Z 1000, der XT 500 aus dem Hause Yamaha – und nicht zuletzt auch der CB 750 Four.

200 Stundenkilometer und 67 PS

Wie sangen die Beach Boys in ihrem Song „Little Honda“? „It’s not a big motorcycle, just a groovy little motorbike“, „es ist kein großes Motorrad, eher ein kleines, verrücktes Moped“. Das war 1964. 200 Stundenkilometer und 67 PS waren damals Science Fiction und das Jahr 1969 und auch die CB 750 Four noch ganz weit weg . . .

Weil er anscheinend richtig gute Arbeit abliefert, hat René Sürth auch gut zu tun. Sogar so gut, dass er mit der Arbeit manchmal kaum hinterher kommt. Aber zum Glück sind Motorradfahrer a) ja meistens geduldige Menschen und haben b) oft noch das eine oder andere Motorrad mehr in der Garage stehen, so dass sie auch fahren können, wenn eine Maschine gerade mal auf der Schönheitsfarm ist.

Und doch macht sich Sürth Gedanken, wie er seine Kunden noch schneller bedienen könnte. „Ich würde gerne einen Zweiradmechaniker mit Berufserfahrung einstellen“, hofft er, dass sich ein geeigneter Mitarbeiter findet. Wer also Lust hat, der sollte sich einfach mal unverbindlich in der Firma melden ( 02054 93 92 510 oder vertrieb@charakter-bikes.de).

 
 

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