Radfahrer entgegen der Einbahnstraße unterwegs

Julia Witte
In der Wigstraße ist das Radfahren entgegen der Einbahnstraßenrichtung erlaubt.
In der Wigstraße ist das Radfahren entgegen der Einbahnstraßenrichtung erlaubt.
Foto: WAZ
Die Stadt hat die Wigstraße für Radfahrer geöffnet, die in der Einbahnstraße auch entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sein dürfen.

Essen-Werden.  Das war knapp: Kurz vor der Dudenstraße weicht eine junge Mutter mit Hund und Kinderwagen gerade noch rechtzeitig einer Radfahrerin aus. Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass sich hier an der Wigstraße mitunter riskante Situationen abspielen, sobald ein Radfahrer über das Kopfsteinpflaster rast. Wenige Minuten Aufenthalt an der kleinen Straße - zwischen Heck- und Propsteistraße - genügen, um sich ein Bild von der Situation zu verschaffen. Autofahrer bremsen oftmals sehr spät, genauso wie die Radfahrer, die anscheinend nicht mit den Fußgängern mitten auf der kleinen Straße rechnen.

Bereits im April kritisierten sowohl einige Werdener Bürger als auch Bezirksvertreter des Stadtbezirks IX das Vorhaben, die Wigstraße für Fahrradfahrer entgegen der Einbahnstraße zu öffnen. Nach Prüfung des Radverkehrsbeauftragten der Stadt, Christian Wagener, geschah das dann aber doch.

Eine Öffnung der Einbahnstraße würde sich nicht negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken, hieß es damals.

Nun, zu einem Unfall kam es bislang zwar tatsächlich noch nicht, aber das sei, laut Dietmar Rudert vom Werdener Bürger- und Heimatverein, nur noch eine Frage der Zeit. Täglich ist der Werdener vor Ort und beobachtet das Geschehen an der engen, steilen Straße. Radfahrer würden meist viel zu schnell durch die Straße fahren und dann erst in letzter Sekunde von den Autofahrern gesehen.

„Hier wurde eine enorm unfallträchtige Situation geschaffen. Ich kann nicht verstehen, dass hier wissentlich fahrlässig gehandelt wurde“, empört sich Rudert. Mehrmals sei auch seine Frau, die eine Rollator nutzt, schon in Bedrängnis gekommen. „Muss denn erst etwas passieren?“ fragt sich der besorgte Bürger, der seit Monaten auf eine Antwort von Christian Wagener vom Amt für Stadtplanung und Bauordnung wartet. Bislang erhielt Rudert keine Rückmeldung auf sein Schreiben, in dem er Wagener darum bat, die Entscheidung der Öffnung der Einbahnstraße rückgängig zu machen, diesen Unfallschwerpunkt wieder zu beseitigen.

Auf eine Reaktion wartet auch noch die Bezirksvertretung IX, die bereits im April ein Gegengutachten zu dieser Angelegenheit angefordert hatte.

„Man hatte uns damals zugesagt, dass das Thema gemeinsam mit uns abgesprochen wird, aber das ist bedauerlicherweise nicht geschehen“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Bonmann (CDU), der die Öffnung der Einbahnstraße für Fahrradfahrer ebenfalls für gefährlich hält.

Einbahnstraße für Radfahrer geöffnet, Thema also vom Tisch? Auch die WAZ bat bei der Stadt um eine Stellungnahme - und wartet immer noch . . .