Keramikwerkstatt in einem ehemaligen Firmen-Waschraum

  • Einst saß die Ruhrtal Elektrizitätsgesellschaft in Essen-Werden, jetzt gibt es dort eine Keramikwerkstatt
  • Annette Münster-Hoppensack hat seit 2007 ein Atelier in den Werdener Toren
  • Kein Objekt gleicht dem anderen – die Ideen für Skulpturen kommen ihr spontan

Essen-Werden. Da liegen kleine, feine Physalishülsen als Dekorationselemente direkt neben ebenso filigranen Schälchen, in denen Teelichter flackern. Man könnte meinen, die zerbrechlich-anmutenden Objekte bestünden aus Papier, aber nein, sie sind aus Porzellan gefertigt. Schräg gegenüber reihen sich Keramikskulpturen aneinander; zum Teil so schwer und massiv, dass sie kaum hoch zu heben sind.

Ob klein und federleicht oder groß und wuchtig: Jedes einzelne Werk stammt aus den Händen von Annette Münster-Hoppensack, die 2007 in einem ehemaligen Waschraum der Ruhrtal Elektrizitätsgesellschaft ihr Atelier eröffnete. In ihrer Werkstatt erinnern die alten Fliesen sowie die Vorrichtungen für unzählige Waschbecken, die hier einst hingen, an den früheren Waschraum. Der vordere Bereich dient heute als Ausstellungsraum ihrer so vielfältigen Arbeiten.

Ideen für Keramiken entstehen oft beim ersten Kaffee

Einen festgefahrenen Stil hat die Keramikerin nämlich nicht, sie setzt das um, was ihr gerade in den Sinn kommt. Ideen entstehen oft früh morgens, beim ersten Kaffee, mit einer der drei Katzen auf dem Schoß. „Ich würde verrückt werden, wenn ich immer nur die gleichen Sachen machen würde“, lacht Annette Münster-Hoppensack. Und so ähnelt tatsächlich kein Objekt dem anderen, mal arbeitet die Künstlerin Glas mit ein, mal Drähte und ja, sogar die Fußballnetze vom ehemaligen Sportplatz am Volkswald in Heidhausen haben durch sie eine neue Bestimmung bekommen. „Liquid White“ nennt sie die hängende Skulptur, für die sie die Netze in Keramik getaucht und anschließend mit Acryl und Harz veredelt hat.

Im Eingangsbereich des Ateliers sticht ein Objekt ganz besonders hervor: Ein Brunnen aus Keramik – ihr Gesellenstück. Die 47-Jährige hat ihre Ausbildung im Bereich der Architekturkeramik absolviert: Am Lechnerhof in Witten bei den Bildhauern Christel und Peter Lechner. Das war recht spät.

Von Duisburg in den Schwarzwald gezogen – und wieder zurück ins Ruhrgebiet

Erst 2001 begann sie die Umschulung, als für sie klar war, dass sie in ihrem erlernten Beruf als Hotelfachfrau nicht ihr Leben lang arbeiten möchte. „Ich war schon immer künstlerisch tätig, das wollte ich auch beruflich machen“, erzählt die freiberufliche Künstlerin. Nach wenigen Jahren im Hotel zog es Annette Münster-Hoppensack schließlich aus ihrer Heimatstadt Duisburg in den Schwarzwald, wo sie zunächst mit dem Restaurieren von Antiquitäten ihr Geld verdiente. Schnell vermisste sie die Ruhrgebiets-Mentalität und kam dann zurück in den Pott, nach Essen. Hier wird sie höchstwahrscheinlich auch noch lange, lange bleiben. In den Werdener Toren hat sie ihre Heimat und ihre Wirkungsstätte gefunden, hier ist sie voll und ganz eingespannt.

Nicht nur mit ihrem eigenen Atelier, sondern auch als Mitglied im Kunstbeirat von Kunst Werden e.V., der Plattform für Ausstellungen und künstlerische Aktionen. Seit einigen Jahren organisiert sie zudem den Weihnachtszauber in den Werdener Toren mit; die Vorbereitungen laufen aktuell auf Hochtouren. Eigentlich trifft man Annette Münster-Hoppensack täglich an der Ruhrtalstraße 19 an; nur dienstags nicht: Da gibt sie Töpferkurse in einem Seniorenheim. Über Langeweile kann sich die Künstlerin jedenfalls nicht beklagen; dafür hat sie auch noch viel zu viele Pläne. „Ziel ist es, zukünftig mehr Ausstellungen zu geben“, so Annette Münster-Hoppensack.

 
 

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