Im Werdener Atelier wird ohne Vorschriften und Zwänge gemalt

Renate Klaschka und der Begründer des Malorts, Arno Stern, im Institut für Ausdruckssemiologie in Paris.
Renate Klaschka und der Begründer des Malorts, Arno Stern, im Institut für Ausdruckssemiologie in Paris.
Foto: Klaschka
Frei von Erwartungen, Kritik und Lob: Renate Klaschka folgt mit ihrem „Malort“ dem Prinzip des Pädagogen Arno Stein.

Essen-Werden.  Renate Klaschka erfüllte sich einen Herzenwunsch und eröffnete kürzlich in einer alten Villa an der Ruhrtalstraße einen sogenannten Malort – der erste seiner Art in Essen, wie sie sagt. Denn das Atelier folgt in seiner Zielsetzung den Prinzipien von Arno Stern, dem Begründer des Malspiels. Dabei geht es um das Malen an sich und nicht um das Produkt, das gemalt wird.

Das Atelier ist hell und die Wände sind mit braunen Papier überzogen. Darauf sind A3-Blätter angepinnt. Wer hier kreativ tätig sein möchte, hat die freie Auswahl. Gemalt wird im Stehen an der Wand, der Blick wird auf das eigene Bild fokussiert und sorgt so dafür, dass man sich nicht durch seine Umgebung ablenken lässt. Grenzen gibt es nicht, es darf über das weiße Blatt hinaus gemalt werden.

„Die Mallust soll wieder in den Menschen geweckt werden und dies frei von jeder Erwartungshaltung, Kritik oder Lob. Dabei geht es nicht um das Bild, sondern um den Prozess des Malens“, beschreibt Klaschka den kreativen Prozess.

Klaschka arbeitete als Grundschullehrerin mit Kunst als Schwerpunkt. „Mich haben immer zwei Fragen begleitet. Zum einem, wie ich meine Freude am Malen an andere weitergeben kann, zum anderen, wie ich eine andere Art zu lernen finden kann.“ Sie hat deshalb eine Fortbildung bei Arno Stern gemacht. Außerdem ist sie Lerntrainerin nach dem Klipp- und Klar-Lernkonzept und Kunstpädagogin. Dann passte sie ihren Schulunterricht an die Regeln des Malorts von Arno Stern an. Jedoch stellte sie schnell fest: „In der Schule dreht sich alles um Bewertungen. Da wollte nicht mehr im System bleiben“, erzählt sie.

Ein Ort, um zu sich selbst zu finden

Der Malort ist generationenübergreifend. Von den ganz kleinen bis zu den ältesten Mitbürgern können alle dort zusammen malen. In dem „Flow Project“ soll ohne Unterbrechungen oder Verzögerungen gemalt werden. „Das ist meine Aufgabe innerhalb des Malspiels. Ich sorge dafür, dass alles am Laufen bleibt. Meine Rolle im Malspiel wird ‘Malspieldienende’ genannt“, berichtet Klaschka, „Außerdem gebe ich eine Lernberatung. Nicht zum Malen an sich. Ich gebe keine Nachhilfe. Ich unterrichte die Teilnehmer, damit diese verantwortungsbewusst mit den Materialien umgehen.“

Auch untereinander wird über die Bilder nicht gesprochen. Denn dort soll die Kunst nicht als Kommunikationsmittel dienen. „Der Prozess des Malens soll dafür sorgen, dass man nur bei sich ist und seiner Kreativität freien Lauf lässt“, merkt Klaschka an, „die Bilder selbst bleiben auch im Malort, sie werden nicht rausgegeben, um keine nachträglichen Bewertungen und Interpretationen von sich selbst oder auch von Dritten zu bekommen“.

Und letzten Endes geht es im Malspiel um das Malen an sich. Mit einer Umsetzung, die sich Arno Stern wünscht: „Hier ist nichts so wie anderswo, wo man Erfolg haben muss, wo man etwas erreichen muss. Hier erlebt man etwas.“

Informationen zum Malort

Malspielstunden finden am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag jeweils von 16.15 Uhr statt. Interessenten können sich melden bei Renate Klaschka per E-Mail unter rk@flowproject-klaschka.de oder telefonisch unter der Nummer 0174 577 1454. Weitere Informationen über den Malort finden sich im Internet auf der Seite www.flowproject-klaschka.de.

 
 

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