Heidi Hetzer muss ihre Weltreise unterbrechen

Heidi Hetzer und der Werdener Chirurg Claudio Schlegtendal im Hotel Landhaus Knappmann.
Heidi Hetzer und der Werdener Chirurg Claudio Schlegtendal im Hotel Landhaus Knappmann.
Foto: WAZ FotoPool
Die 78-jährige Unternehmerin ist mit ihrem Oldtimer Hudo auf Weltreise, als sie die Krebsdiagnose erhält.

Essen-Kettwig.  Der Zwischenstopp in Kettwig war nicht eingeplant. Und schon morgen wird sie sich wieder auf den Weg nach Südamerika machen. Die Berliner Unternehmerin Heidi Hetzer ist seit Juli 2014 mit ihrem Oldtimer, einem 1930er Hudsons auf Weltreise.

In Miami bekommt die 78-Jährige die Krebsdiagnose. „Zwei Stunden später ging mein Containerschiff nach Lima. Da bin ich in eine kleine Kirche gegangenen und habe überlegt - und mich zur Weiterreise entschlossen.“

In Lima wird ihr zwar der Tumor entfernt, aber sie weiß nicht, wie es weitergehen soll. Da ruft sie in Essen an. Ihr Freund Claudio Schlegtendal ist Chirurg, war leitender Oberarzt am St. Josef-Krankenhaus in Werden und operiert dort auch heute noch freiberuflich. „Und er hat gesagt, dass ich sofort kommen soll“, sagt Heidi Hetzer. Im Kettwiger Hotel Landhaus Knappmann fand sie ein Zimmer, eine Betreuung mit viel Empathie - „und das beste Frühstück, das ich auf der ganzen Welt bekommen habe.“

Claudio Schlegtendal sitzt neben ihr. „Wir haben uns quasi auf der Straße kennengelernt.“ Das war 1975 bei der Tour d’Europe. Und sie haben Kontakt gehalten. „Uns verbindet auch die Rallyeleidenschaft“, sagt Heidi Hetzer. „Über Krankheiten haben wir nie gesprochen. Warum auch? Ich war nie krank.“

Jetzt ist der Krebs Thema. Doch „Heidi ist unglaublich diszipliniert und hart gegen sich selbst“, sagt Claudio Schlegtendal. Gemeinsam mit Prof. Dr. Rainer Kimmig, leitender Oberarzt der Frauenklinik der Uniklinik, und Dr. Martin Heubner hat er sich um die Patientin gekümmert. Und grünes Licht gegeben - für die Fortsetzung der Weltreise. Aber in spätestens drei Monaten will er Heidi Hetzer wiedersehen. Zur Nachuntersuchung.

Sie ist in Gedanken schon wieder auf Tour. Nach Europa, Asien, Australien, Neuseeland, den USA geht es jetzt zurück nach Südamerika. Dort wartet „Hudo“. So nennt sie liebevoll ihren Oldtimer. Danach? Noch Südafrika und wieder Europa. Die Krankheit hat ihren Zeitplan durcheinander geworfen. Am 27. Juli 2014 war sie in Berlin gestartet und wollte genau zwei Jahre später wieder zurück sein. Zwei Jahre mit dem Oldtimer um die Welt. So wie einst Clärenore Stinnes, die diese Tour angeblich von 1927 bis 1929 gemacht haben soll - als erster Mensch.

Jetzt wird es wahrscheinlich Ende Oktober, bis Heidi Hetzer zurück ist. Zurück in Berlin. Dort hat sie im Opelhaus ihres Vaters den Beruf der KFZ-Mechanikerin gelernt und nach seinem Tod den Betrieb übernommen. Damals war sie 31 Jahre alt. Sie baute ihn zu einem der größten Autohäuser Berlins aus. Über 150 Preise gewann die leidenschaftliche Rallyefahrerin - an der Mille Miglia von Brescia nach Rom nahm sie teil, an der Rallye Monte Carlo, an der Panama-Alaska Rallye. 2012 verkaufte sie den Betrieb, bereitete sich auf die Weltreise vor,

In ihrem Blog (heidi-um-die-Welt.com) schrieb sie am 15. Januar; „Etwas stimmt nicht. Heidi muss nach Deutschland in die Werkstatt. Sie fühlt sich prima, ist aber von bösartigem Rost befallen.“ Dieses Kapitel will sie so schnell wie möglich hinter sich lassen.

Im Juni 2017 wird sie 80. Das Fest will sie in Berlin feiern. Und dann aber so schnell wie möglich wieder los. „Ich habe anderthalb Jahre lang nur freundliche Menschen getroffen. Warum sind die Menschen in Deutschland oft so unfreundlich? Ich selbst bin ruhiger geworden, habe entschleunigt.“

Sagt sie. Und lacht.

 
 

EURE FAVORITEN