Hanspeter Loewen geht in den Ruhestand

Werden..  Schloss Benrath, Bad-Godesberg, Kaiserswerth, Werden: Der Mann hat es immer gut getroffen: Pittoreske Orte, imposante Bauten, angenehme Sozialstrukturen, interessante Herausforderungen. Hanspeter Loewen sammelte in 36 Jahren Schuldienst viele wertvolle Erinnerungen. In denen kann er bald schwelgen.

Denn mit Beginn der Sommerferien gibt er den Staffelstab weiter. „Nicht Pension, sondern passive Phase“, so nenne man den neuen Lebensabschnitt, belehrt er und lacht. Das tut er häufig und gern. Künftig aber nicht mehr an der Brückstraße.

Rheinisch-Katholische Konfession

Sein rheinisch-katholisches Bekenntnis reifte in der Diaspora des protestantischen Wuppertal. Selbstauskunft: „Ich bin der Sohn meines Vaters. Er war humorvoll, optimistisch, lebenslustig.“ Diesem Vorbild wird der Sohn gerecht. Niederlagen nicht zu ernst nehmen, aus der Pleite lernen, Mut zur Lücke zeigen, mit dieser Einstellung lebt es sich offenbar prima. Als „glückvoll religiös geprägt“ beschreibt er seine Jugend. Da erschien es organisch, etwas für die Kirche zu tun. „Und von der Kirche zu leben“, ergänzt er und feixt. Ihn nicht zu mögen, versucht er nach Kräften unmöglich zu machen.

Dass er sich fürs Lehramt entschied, lag am eigenen schulischen Versagen und dem so geweckten Ehrgeiz. „Ich war nie besonders gut in Naturwissenschaften“, bekennt er. „Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen, habe begonnen, Mathematik zu studieren.“ Seine berufliche Zukunft sah Loewen in der Versicherungsbranche.

Einer seiner ehemaligen Lehrer überredete den Studenten in Zeiten personeller Engpässe, es mal vor einer Klasse zu probieren. „Ich war natürlich skeptisch, merkte aber sofort, dass es genial Freude macht.“

So ließ er sich seine Zwischenprüfung als erstes Staatsexamen anerkennen und belegte, ganz bekennender Feind des geringsten Widerstands, als zweites Fach Physik. Persönliche Leidenschaften ließen ihn Musik und katholische Religionslehre oben drauf packen. „Zurückblickend muss man sagen, dass ich an den maßgebenden Stellen die richtigen Entscheidungen getroffen habe.“

Richtige Entscheidungen

Das gelte uneingeschränkt auch für das neue pädagogische Konzept des Mariengymnasiums. Der damalige Essener Bischof Dr. Felix Genn ermutigte Loewen, „etwas für die Jungs zu tun“, und schon wieder war sein Ehrgeiz geweckt. Keine Kopie des Gymnasiums am Stoppenberg sollte in Werden entstehen. Ihm schwebte etwas ganz Besonderes vor, ein Alleinstellungsmerkmal für die nun 152 Jahre alte Schule.

Neben den Marias bald also auch Josefs im schmucken Neubau an der Brückstraße, vor dessen Türen ein Ruhr.2010-Banner mit Essens Schätzken, der Goldenen Madonna, im Wind knattert. Parallele Monoedukation heißt der pädagogische Ansatz, dessen Fortgang sein Erfinder mit großer Neugier beobachten wird.

Pläne für den strukturierten Unruhestand hat der Wülfrather nicht geschmiedet. „Dazu liegt viel zu viel an“, erläutert er. Loewen bleibt Prüfungsvorsitzender für das zweite Staatsexamen und engagiert sich in zwei wissenschaftlichen Gesellschaften u.a. für zeitgemäße Wissensvermittlung von der Grundschule bis zur Erwachsenenbildung. „Es ist kein Bruch“, so sein Urteil. Aber er fügt hinzu: „Die Schule wird mir schon fehlen.“

Aber der eine oder andere Informant wird ihn bestimmt mit Neuigkeiten aus dem Werdener Schulleben versorgen.

Und vielleicht auch von Schülerstreichen berichten? Daran hätte der 62-Jährige sicher seinen Spaß, so wie dessen Pauker damals am Gymnasium im Siegerland. Die und viele andere Bewohner des Städtchens wurden Zeugen des allerersten Tages der offenen Tür an der Schule.

Der offenen Türen müsste man korrekterweise sagen, denn die hatten die übermütigen Pennäler des nachts samt und sonders ausgehängt und im Keller verstaut. Den Ulk perfekt machte eine Anzeige in der lokalen Tageszeitung: Herzliche Einladung an alle Interessierten. Zahlreich kamen sie und schauten aufmerksam zu. „Mag sein, dass sich unsere Lehrer ein bisschen beobachtet gefühlt haben.“ In Gedanken schüttet sich Loewen noch einmal aus vor Lachen. Den Muskelkater vom vielen Schleppen hat er vergessen.

Am Herd, nicht aber vor dem Notenständer, will der Scherzkeks seine bald schullosen Tage verbringen. Das ehemalige Mitglied des Streicherensembles „Sägewerk“ (Loewen: „Wir spielten Hits für Kids.“) wird den Geigenkasten nicht häufiger aufklappen als bislang. Auf jeden Ball weiterhin bei Besuchen seines Klassenkameraden Reinhard Goebel, heute ein gefeierter Barockviolinist.

„Musik ist dann schon wichtig. Die Flasche Rotwein aber auch.“

 
 

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