Furiose Rückkehr der Meile in die Altstadt

Musik und gutes Essen gab es vier Tage lang rund um das Kettwiger Rathaus - bei der 18. Meile des HVV.
Musik und gutes Essen gab es vier Tage lang rund um das Kettwiger Rathaus - bei der 18. Meile des HVV.
Foto: WAZ FotoPool
Vier Tage lang feierten Feinschmecker und Musikfreunde vor dem Kettwiger Rathaus - bei der 18. Kettwiger Meile des Heimat- und Verkehrsvereins.

Essen-Kettwig..  Die Dramaturgie der 18. Kettwiger Meile hatte keine nennenswerte Schwachstelle. Selbst der verregnete Sonntag hatte seinen Charme.

Klares Fazit: Das Gourmetfest des Heimat- und Verkehrsvereins ist zurück in der Spur. Nach dem Intermezzo an Ruhr und Stausee ist die Veranstaltung in die Altstadt zurückgekehrt. Mit gelungenen Neuerungen wie der Verlängerung um den Donnerstag, der Einbindung des Einzelhandels auch ohne verkaufsoffenen Sonntag und der guten Balance zwischen Musik und Kulinarik.

Und am Ende auch mit ganz viel Beifall für die Entscheidung des HVV-Vorstandes um Martin Kryl, der Meile keine Zwangspause zu verordnen, sondern mit einem Kraftakt innerhalb von nur acht Wochen ein Fest zu organisieren, das begeisterte.

In Eberhard Kühnle fand der HVV einen versierten Organisator, der die Meilenseele verstanden hat und eine deutliche Abgrenzung zu den anderen Kettwiger Festen schuf. Das Ergebnis: Kein Brunnenfest 2.0, sondern ein Kettwiger Fest mit motivierten Gastronomen und Einzelhändlern.

Tag eins: Die Überraschung schlechthin. Mit dem Donnerstag wollte man sich vorsichtig anschleichen... Die Besucher wollten allerdings Anderes. Feiern vom Start weg. Ein lauer Sommerabend und ein bestens aufgelegter Riccardo Doppio auf der rundum offenen Bühne. Gelungener Kaltstart auch für die Gastronomen.

Tag zwei: Viel Polit-Prominenz zur offiziellen Eröffnung. Sommer, Hitze, Mineralwasser. Gute Laune und Vorfreude, auf das, was noch kommt. In erster Reihe sitzen die Bewohner der Rathausarkaden. Die Balkone sind gut gefüllt. Zu Hause und doch mittendrin. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty erweist sich als bestens informiert: „In Kettwig ist die Gourmetmeile quasi erfunden worden“, sagt er. Und Bezirksbürgermeister Michael Bonmann legt die Messlatte hoch. „Nach den Gourmetmeilen in der Essener Innenstadt und in Rüttenscheid ist es jetzt Ihre Aufgabe zu zeigen, wer die beste Meile hat.“ Gefühlt hat Kettwig die Nase vorn.

Tag drei: Wieder Sommer, wieder Musik auf den beiden Bühnen am Rathaus und in der Kirchfeldstraße. Einige Geschäfte öffnen länger, die Händler in den Zelten auf dem Marktplatz sind im Dekofieber. Kettwig kann was und zeigt es. Das bisschen Regen stört keinen.

Tag vier: Das bisschen Regen? Es schüttet. Von morgens bis abends. Und nun? Respekt vor allen Gummistiefelträgern und Regenschirmhaltern. Auch der Sonntag wird zum guten Meilentag. Nelson Müllers „Soul Sunday on Tour“ begeistert. Der Profikoch rappt, überzeugt mit hochwertigem Soul und hat fantastische musikalische Gäste mitgebracht. Unter anderem Guildo Horn. Der lässt zwar lange auf sich warten - aber dann erfüllt der „Meister“ jeden Selfie-Wunsch. Und er rockt die Bühne. Kurz, aber heftig. Das Meer an Regenschirmen wogt im Rhythmus, der Schlamm wird tiefer, die Stimmung steigt.

Und dann ist Schluss. Die letzten Köstlichkeiten gehen über die Tresen, man hört das Ploppen von Weinflaschen, die entkorkt werden. Die 18. Kettwiger Meile ist vorbei.

Geschafft sind Martin Kryl und Eberhard Kühnle am Montag nach der Meile. Während die Zelte abgebaut werden, bleibt Zeit für einen Kaffee. Martin Kryl: „Ich freue mich, dass wir den Kettwigern solch ein Fest bieten konnten. Mein Dank geht an alle Gastronomen, an die vielen HVV-Helfer und natürlich an Eberhard Kühnle.“ Der will das partout nicht hören, bedankt sich aber selbst und ausdrücklich „bei den Mitarbeitern von Grün und Gruga, die den Rathausplatz so gut hergerichtet haben“. Sein persönliches Fazit lautet: „Das Grundgerüst der Meile steht. Jetzt müssen wir noch für den Feinschliff sorgen.“ Rund 350 Tage werden er und der HVV diesmal Zeit dafür haben...

Apropos Feinschliff: Rein gar nichts zu kritisieren gab es am Veranstaltungsort. Da gehört die Meile hin. Musikprogramm abwechslungsreich, jede Menge kulinarische Geschmackserlebnisse, feine Deko - für die Zugewandtheit und die somit beste Stimmung sorgten die Besucher selbst. Der HVV hat beste Bedingungen geschaffen

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