Fulminante Kettwichte-Premiere

Die Kettwichte mit den beiden Leitern Marco Geiger (l.) und Christian Reindl (r.).
Die Kettwichte mit den beiden Leitern Marco Geiger (l.) und Christian Reindl (r.).
Foto: WAZ FotoPool

Essen-Kettwig. Was konnte man erwarten? Erst vor wenigen Monaten hatte die mutige Rettungsaktion begonnen. Ex-Kettwicht Marco Geiger und THG-Lehrer Christian Reindl wollten das Schülerkabarett des Gymnasiums nicht sterben lassen. Sie schrieben Stücke, fanden ein Ensemble - und am vergangenen Freitag wurde im Alten Bahnhof Premiere gefeiert.

Ausverkauft. In höchster Not wurden noch Stehplatzkarten gedruckt. Und Marco Geiger war aufgeregter als vor seinen eigenen Auftritten. Sah man ihm an.

Und dann? Alles vom Allerfeinsten. Die schauspielerischen Leistungen, die Musik, der Gesang und vor allem die Texte. Hut ab, Kettwichte. Hut ab, Marco Geiger und Christian Reindl. Das war weder Comedy noch irgendein anderes schwammiges, mittlerweile ausgelutschtes und überstrapaziertes Genre - das war schlicht Kabarett. Oft politisch und meist scharf und bissig. Und die Kettwichte 2013 setzten damit genau dort an, wo das Ensemble der allerersten Stunde 1965 begonnen hatte.

„Früher war alles besser“. So heißt das aktuelle Programm. Da ging es um die 68er Generation („egal, was wir auch anstellen - unsere Eltern haben es garantiert vor uns gemacht“), um die Überalterung in Kettwig („da bekommt man mit Glück noch als 40-Jähriger eine Scheibe Wurst auf dem Wochenmarkt“), es ging um die Deutsche Bahn, um ganz eigene Kettwichte-Nachrichten, es gab einen bitterbösen Abgesang auf die Atomkraftwerke, es ging um Kampfdrohnen, um die Situation der Roma in Duisburg, um den Herrenwitz an sich und das Smartphone als Partnerersatz im ganz Besonderen. Und nun weiß man auch, dass Feminismus wie ein Mittagessen bei Omma ist - viel zu viel und aufgezwungen. Auch kennt man das Nichtraucher-Anwohner-Besänftigungsgesetz und man kann sich nicht genug gemeinsam mit den Kettwichten darüber wundern, dass verzweifelte Menschen stundenlang durch Supermarktregale klettern, um Colaflaschen mit ihrem Namen zu entdecken...

Gewagt und gekonnt war die Themenmischung, die Bandbreite enorm. Schnell vorgetragen, aber nicht eilig. Mal tiefgründigst, mal locker-flockig. Dem Anspruch, auch die Jugend fürs Kabarett zu begeistern, aber die Älteren trotzdem mitzunehmen, ist man bei der Premiere gerecht geworden.

Und: Hausmeister Schimanski - bestens verkörpert von Niklas Schubert Rocha - hat gute Chancen, der legitime Nachfolger der Kettwichte-Kultfigur Lehrer Kleffki zu werden.

Mehr davon. Unbedingt.

Wie formulierte es THG-Schulleiter Thomas Döpner nach knapp drei Stunden zum Abschluss so treffend: „Das war eine Einstiegsrakete ersten Grades.“

 
 

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