Franz-Josef Schmitt, Ahnenforscher aus Leidenschaft

Von Haus aus „neugierig“: Das große Hobby des heute 75-jährigen Franz-Josef Schmitt ist die Ahnenforschung.
Von Haus aus „neugierig“: Das große Hobby des heute 75-jährigen Franz-Josef Schmitt ist die Ahnenforschung.
Foto: Herbert Höltgen
Der 75-Jährige, der das Pfarrarchiv der Propsteigemeinde St. Ludgerus leitet, ist neugierig auf die Familie und Verwandten.

Essen-Fischlaken..  Woher kommst Du? Wer bist Du? Wohin gehst Du? Fragen, die man insbesondere jemandem stellt, den man neu trifft und oder noch nicht so lange kennt. „Zu wissen, woher ich selber komme, damit beschäftigte ich mich seit Jahrzehnten.“ Und das mit großer Hingabe, kann hinzugefügt werden. Denn Franz-Josef Schmitt geht zurück auf seine Geburt, befasst sich mit seiner Abstammung, der Sippschaft, der Familie und Verwandtschaft. Mit seinen Vorfahren also.

Aufgewachsen ist der 75-Jährige im großelterlichen Haus, das heute „Zum Schwarzen“ heißt. An der Ecke zur Hammer Straße, dem jetzigen Restaurant und der Gastwirtschaft, das einst mit dem heutigen italienischen Restaurant Fine Secolo ein Gehöft bildete. „Da verbrachte ich 30 Jahre meiner Jugend.“

Das Holz hat es dem Heidhauser, der mit Ehefrau Inge am Kaarmannweg wohnt, angetan. Er absolvierte eine Schreinerlehre, studierte Hochbau und war bis zur Pensionierung Bauleiter. „Ich habe immer nach Dingen gesucht, die mit Holz zu tun haben, habe Truhen, Tische, Pulte hergestellt.“ Und sein Meisterstück? Hat die Wurzel in seinem Hobby, der Ahnenforschung – oder der Genealogie, die im engeren Sinne die Familiengeschichtsforschung bezeichnet. Das unübersehbare „schneckenförmige“ runde und drehbare Prachtstück hängt im Wohnzimmer, erstellt vor 30 Jahren.

Die Eichen-Ahnentafel hat einen Durchmesser von 2,50 Meter, enthält 127 Namen und wichtige Lebensdaten von acht Generationen. Darüber und daneben hängen Schwarz-Weiß-Fotografien der Vorfahren und Verwandten. „In mühevoller Kleinarbeit habe ich in Pfarrämtern, Standesämtern Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden der Ehemaligen zusammengesucht.“ Über Geschichte lerne er so mehr als sonstwo, „weil ich weiß, wie meine Vorgänger gelebt haben und wie armselig sie ihr Leben fristen mussten“, runzelt Schmitt die Stirn.

Jeden Morgen stehe er mit Heißhunger auf, beschäftige sich mit längst vergangenen Zeiten. Kirchenbücher aus drei Jahrhunderten studierte er, machte sich Notizen und über 300 Kopien, wenn er aus dem Düsseldorfer Staatsarchiv kam. Gebundene Bücher mit Heiratsverträgen, Testamenten, Todesanzeigen, Urkunden und Bildern stehen im Regal. Schmitts Leitspruch: „Und dass auch die neuen Tage auf dem Schutt der alten bauen, kann ein ungetrübtes Auge rückwärts blickend vorwärts schauen.“

Seit 21 Jahren leitet Schmitt das Pfarrarchiv der Propsteigemeinde St. Ludgerus, dessen Pfarrbücher um 1650 anfangen. Aus den Akten weiß er, „dass die Abtei einst zu den größten Grundbesitzern in Mitteleuropa gehörte“.

Sein neues Spezialgebiet: die Geschichte der Häuser und Höfe in Werden und Umgebung. Es geht etwa um die Familien Barnscheid und Grotkamp, „alles, was hier Rang und Namen hatte“. Nächste Geschichte ist die des Hauses auf der Wigstraße, das seit 1480 steht und jetzt in einem Geschichtsband auftaucht. Zum Ausgleich geht Franz-Josef Schmitt aber auch kegeln, er spielt Skat und besucht die Kirche. „Es gibt immer was zu entdecken.“

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