Flüchtlingsunterkunft: Widerstand gegen Bebauung in Fischlaken

Daniel Henschke
Enorme Resonanz: Über 600 Unterschriften kamen kurzfristig zusammen bei einer der ersten Aktionen der „Bürgerinitiative Fischlaker Mark“. 
Enorme Resonanz: Über 600 Unterschriften kamen kurzfristig zusammen bei einer der ersten Aktionen der „Bürgerinitiative Fischlaker Mark“. 
Foto: Essen
Eine neu gegründete Bürgerinitiative gegen die mögliche Bebauung der Fischlaker Mark im Essener Süden erntet breiten Zuspruch und sammelt Unterschriften.

Essen-Fischlaken. Die Option der Stadt Essen, auf freien Feldern – oft in Landschaftsschutzgebieten – feste Flüchtlingsunterkünfte zu bauen, stößt auf erheblichen Widerstand. Am 28. Dezember gründete sich aus diesem Grund die „Bürgerinitiative Fischlaker Mark“. Sprecherin Silvia Strecker von der Zimmermannstraße: „Wir hoffen, mit diesem Schritt die einzelnen Gruppen in Fischlaken und Umgebung zu vereinen und somit auch verstärkt für unser gemeinsames Ziel zu kämpfen.“

Erste Aktionen bestätigten die BI in ihrem Tun, sie erhielt ungeahnt breiten Zuspruch aus der Bevölkerung. Mehr als drei Stunden lang wurden nun vor dem Werdener Rathaus Unterschriften gegen eine eventuell geplante Bebauung von Landschaftsschutzgebieten gesammelt, selbst der Regen hielt den Ansturm der Bürger auf die Listen nicht ab.

Unterschriftenlisten liegen aus

Erkennbar war die BI durch gelbe Warnwesten, bedruckt mit dem Schriftzug „Gegen die Bebauung Essener Landschaftsschutzgebiete“. Am Ende der Aktion durfte gespannt gezählt werden, erstaunliche 555 Unterschriften übertrafen sämtliche Erwartungen. Auch beim Motorradtreff an Haus Scheppen war die Bürgerinitiative fleißig, sammelte weitere 55 Signaturen. Auch liegen Listen aus bei „Schreibwaren Bläsing“ und „Schreibwaren Kröber“, im Wäscheladen Werden, der Praxis Ute Wendt, Reitstall Maas und Haar Genau.

Mit der Unterschrift auf den aktuell in Werden und Fischlaken ausliegenden Listen zur Fischlaker Mark geht es zunächst um den Beitritt zur Bürgerinitiative und Unterstützung der Petition, die dem Landtag zugestellt wurde und in der dem Petitionsausschuss Argumente gegen die Bebauung vorgetragen werden. „Jede weitere Stimme verleiht der Bürgerinitiative und der Petition mehr Gewicht“, so Silvia Strecker: „Wir haben nun nicht nur gute Argumente für den Erhalt des Landschaftsschutzgebietes vorzubringen, sondern können auch auf einen starken Rückhalt für unser weiteres Vorgehen verweisen.“

"Ökologisch wertvolle Freiflächen in Fischlaken“

Strecker freut sich sehr darüber, wie viele Menschen sich schon mit eigenen Schreiben, Aktionen und auch Unterschriften für den Erhalt der „schönen und ökologisch wertvollen Freiflächen in Fischlaken“ eingesetzt haben: „Gerne habe ich es übernommen, die Vertreter der einzelnen Nachbarschaften zu einem Treffen einzuladen, um unser gemeinsames Ziel mit vereinten Kräften umso wirkungsvoller zu verfolgen. Gerne setze ich mich auch für unsere Bürgerinitiative als Sprecherin ein. Den Feldrettern, die ich bereits kennenlernen durfte, gilt mein herzlicher Dank für ihre Unterstützung, ihre Tatkraft und die hilfreichen Ideen.“

Ratsfrau Dr. Elisabeth van Heesch-Orgass (Bürgerlich Alternative Liste): „Die Petition an den Landtag ist eine Bitte, kein zwingendes rechtlich durchsetzbares Mittel mit unmittelbaren Konsequenzen auf die Entscheidungen des Oberbürgermeisters.“ Sollte der Stadtrat tatsächlich für die Bebauung votieren, müssten Unterschriften zur Unterstützung eines Bürgerbegehrens auf einheitlichen Listen gesammelt, Fristen gewahrt und strenge Formalien eingehalten werden.

Die BAL-Sprecherin warnt: „Es wäre sehr wichtig, die jetzt bestehenden Energien zu bündeln, sonst haben wir viele gute und begrüßenswerte Aktionen, aber kein rechtlich wirksames Ergebnis.“ Wenn genügend Unterschriften bei einem Bürgerbegehren zusammenkämen – rund 18.000 müssten es sein – müsste die Stadt einen sogenannten Bürgerentscheid zulassen, bei dem die gesamte kommunalwahlberechtigte Stadtbevölkerung zur Abstimmung aufgerufen werde, so van Heesch-Orgass: „Ist dieser Bürgerentscheid erfolgreich, sind der Rat und die Verwaltung an das Ergebnis gebunden.“

Veranstaltung am 12. Januar

Eine Zusammenarbeit aller Essener Bürgerinitiativen zum Zwecke eines Bürgerbegehrens und Bürgerentscheides, so wie vor wenigen Tagen etwa in Kray geplant, hat Silvia Strecker übrigens auch im Auge: „Wir sind nicht die einzigen, die sich bei allem Verständnis sowohl für die Situation der Flüchtlinge als auch die enormen Herausforderungen an die Verwaltung dagegen wehren, lang errungene Umweltstandards bei bestehenden Alternativen zu opfern. Vereint wird es uns gelingen, solche Bauvorhaben im Landschaftsschutzgebiet zu verhindern.“

Die „Bürgerinitiative Fischlaker Mark“ sucht eine breite Unterstützung für ihre Sache und lädt herzlich zu einer Veranstaltung ein, um über den Sachstand und die bereits veranlassten und geplanten Schritte zu berichten. Am Dienstag, 12. Januar, geht es in den „Domstuben“ in einer offenen Diskussionsrunde um den Austausch von Informationen und Argumenten (19 Uhr, Brückstr. 81). Die BI ist erreichbar über fischlakermarkretten@gmail.com